Tests 01.02.2018

Der neue Jeep Compass im KURIER-Test

© Bild: Bauer Horst

Der zweitkleinste Jeep macht in der Praxis gute Figur mit seiner Vielseitigkeit.

Die Verwirrungen der Vergangenheit sind Geschichte. Besetzte die Marke seinerzeit unter Daimler-Regie das Feld der kompakten SUV mit zwei praktisch gleich großen Modellen gleichzeitig (Compass und Patriot), so ist die Jeep-Familienaufstellung heute als Teil von FCA (Fiat-Chrysler) doch wesentlich schlüssiger.

Gibt der Renegade den robusteren Verwandten des technisch identen Konzernbruders Fiat 500X, setzt sich der neue Compass – obwohl ebenfalls auf die gleiche Technik vertrauend – deutlich nach oben hin ab. Optisch geht er als Sohn des großen Stammes-Häuptlings Grand Cherokee durch und mit 4,39 m Länge ist er dennoch kein Feind von Parklücken.

Im Innenraum bietet er dabei merkbar mehr Platz als der Renegade, was man vor allem im Fond und beim Kofferraum merkt. Dieser bietet nicht nur in der Grundkonfiguration mehr Stauraum. Durch die im Verhältnis 40:60 geteilt umlegbare Rückbank und die Skisack-taugliche Durchreiche in der Mitte ist er sehr variabel erweiterbar.

Jeep Compass
Jeep Compass © Bild: Bauer Horst

Was das Passagierabteil betrifft, so sammelten die Sitze auch auf Langstrecke Pluspunkte. Der Arbeitsplatz des Piloten wirkt aufgeräumt, die notwendigen Bedienungseinheiten liegen gut zur Hand. Der Rest wird über das Betappen des Bildschirms ober der Mittelkonsole befehligt, was allerdings auch hier mehr vom eigentlichen Job des Fahrers ablenkt, als es für die Verkehrssicherheit gut wäre.

Aber immerhin funktioniert die Spracheingabe einwandfrei, womit das Problems elegant lösbar ist.

Im Fahrbetrieb merkt man rasch, dass der Motor ein eher knurriger Geselle ist, der zwar nie ungebührlich laut wird, aber akustisch immer präsent bleibt. Mit 140 PS fühlt man sich immer ausreichend motorisiert. Dabei wirkt die 9-Gang-Automatik wie eine leichte Überversorgung für den Motor, der seine 350 Nm ohnehin schon ab 1750 Touren zur Verfügung stellt. Sie ist vor allem im Stadtverkehr ständig am Schalten, um den jeweils besten Gang zu nutzen, wenn dieser auch manchmal nur sehr kurz eingesetzt wird.

Jeep Compass
Jeep Compass © Bild: Bauer Horst

Weniger wäre mehr

Das bringt manchmal mehr Unruhe ins Geschehen als notwendig und lässt den Verdacht keimen, dass hier weniger mehr gewesen wäre. Zumal der Realverbrauch im Winterbetrieb mit mehreren Passagen mit permanentem Allradantrieb und teilweise vollbeladen mit knapp über 8 Litern zwar im soliden Bereich lag (auch ein 7er vor dem Komma war bei weniger forder nden Bedingungen drin), aber den hohen technischen Aufwand nicht unbedingt nachvollziehbar machte.

Sehr wohl nachvollziehbar ist hingegen der Aufwand für das eines echten Jeep würdigen Allrad-Systems mit mehreren, auf den jeweiligen Untergrund abgestimmten Fahrprofilen. Mit ihm lässt es sich recht seriös ins Gelände aufbrechen, wo Rampenwinkel und Wattiefe keine leeren Worthülsen für den Prospekt sind. In der Normalstellung für die Straße versieht nur der Frontantrieb Dienst, der erst bei Bedarf durch die Hinterachse unterstützt wird.

 

Jeep Compass
Jeep Compass © Bild: Bauer Horst

Was den Compass in der getesteten Version zu einem würdigen Repräsentanten seines Stammes macht, der unter all den Geländewagen-Darstellern, welche die Kompakt-SUV-Welle herangeschwemmt hat, die echten Werte hochhält.

Ohne sich im Großstadt-Dschungel mit aufgesetzter Knorrigkeit im Weg zu stehen.

Youtube k61SkEdUDZM

Technische Daten

Antrieb: Reihen-Vierzylinder-Diesel, vorne quer, Turbolader.

Hubraum: 1956

Leistung: 140 PS/103 kW
maximales Drehmoment: 350 Nm bei 1750 / min

9-Gang-Wandlerautomatik, automatisch zuschaltender Allradantrieb.

Fahrleistungen: Beschleunigung 0–100 km/h in 10,5 Sekunden, Spitze 190 km/h, Abgasnorm Euro 6.


Fahrwerk: Vorne und hinten Einzelradaufhängung, McPherson-Federbeine, Schwingarme und Querstabilisator, Federweg vorne/hinten 170/208 mm, Elektrische Zahnstangenlenkung, mit Lenkassistent, vier Scheibenbremsen, vorn innen belüftet. ABS, elektronische Stabilitätskontrolle ( ESP) mit elektronischem Wank- und Überrollschutz (ERM), Frontkollisionswarner, Spurhalteassistent.

Maße (L x B x H):4394 x 1819 x 1629 mm
Wendekreis: 11,07 m
Radstand: 2936 mm
Böschungswinkel: v/h 15,8/30,8 Grad/Rampenwinkel: 21,8 Grad
Watttiefe: 406 mm/Bodenfreiheit: 198 mm
Gesamtgewicht: 2131 kg
Kofferraum: 438 l–1251 l
Anhängelast:gebremst/ungebremst 1500/500 kg
Tankinhalt:60 l
Normverbrauch: 5,7 l/100km 148 g/km CO²

Testverbrauch: 8,1 l /100km

Preis:41.390 €/Preis Testwagen:46.208 €
Motorbezogene Versicherungssteuer: 594 €

 

( motor.at ) Erstellt am 01.02.2018