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Tests
06/27/2021

Plug-in-Hybrid als Kraft-Wagen: Der BMW 545e im Praxistest

Der derzeit stärkste 5er-BMW mit Plug-in-Antrieb: Wie sich die 394 PS in der Praxis machen - und wo Abstriche fällig werden

von Horst Bauer

Wer nur auf die Leistungswerte schaut, kann leicht in die falsche Gasse kommen. Knapp 400 PS für einen 5er-BMW sind eine starke Ansage, die aus dem beliebten Manager- und Geschäftsführer-Auto fast einen M5 machen.

Die Tücke steckt aber wie so oft im Detail. Denn wer nur die forsche Systemleistung von 394 PS sieht, sollte sich - wie bei allen Plug-in-Hybriden -  nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier die volle Kraft nicht immer und überall zur Verfügung steht. Ist nämlich gerade nicht genug Strom in der 400-Volt-Batterie gespeichert, um den 109 PS (80 kW) starken E-Motor als Booster nutzen zu können, bleibt der 286 PS starke Reihensechszylinder alleine übrig.

    Der reicht zwar an sich auch noch für ausreichend Zug nach vorne. Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in 4,7 Sekunden bleibt dann aber ein theoretischer Wert. Was nicht bedeutet, dass man nicht trotzdem äußerst flott vorankommt, wenn man dem 545e die Sporen gibt. Denn BMW ist in dieser Hinsicht zu Gute zu halten, dass man die Kraftausbeute nicht zu sehr auf die Schultern des – eben nur temporär verfügbaren – E-Motors gelegt hat, sondern diesen nur als Booster für einen immer noch sehr soliden Benziner verwendet. Was bei Plug-in-Hybrid-Modellen anderer Hersteller ja nicht immer der Fall ist.

    Ausreichend großer Tank

    Positiv ist in der Praxis mit dem BMW 545e auch zu vermerken, dass die Bayern nicht der Versuchung erlegen sind, den Tankinhalt des 5er drastisch zurückzuschrauben, weil ja ohnehin auch die Batterie etwas Reichweite liefert. Mit 46 Litern Benzin im Tank kommt man auf durchaus vertretbare Abstände (rund 600 km auf der Langstrecke) zwischen zwei Tankvorgängen. Auch das ist nicht überall so im immer dichter werdenden Angebot der Teilzeitstromer.

    Die rein elektrische Reichweite lag im Praxistest bei rund 40 km. Was über dem vom Bordcomputer nach dem Vollladen der Batterie prognostizierten Wert von 32 km lag. Aber eben auch eklatant unter den bis zu 57 km, die als Normreichweite nach WLTP angegeben werden. Wie bei allen Plug-In-Hybriden gilt auch hier: Das Streckenprofil und die Witterung bedingen - neben der Fahrweise des Piloten - wie weit man tatsächlich kommt, bis der Verbrenner wieder an der Reihe ist.

    Überschaubarer Verbrauch

    Der Gesamtverbrauch nach etwas über 1.000 km im gemischten Verkehr zwischen Stadt, Landstraßen und Autobahn lag bei 7,5 l /100 km. 194 km davon wurden rein elektrisch zurückgelegt. Wobei vom Bordrechner auch jene Kilometer mitgezählt werden, die allein wegen des Hybrid-Modus auf der Langstrecke bei vermeintlich leerer Batterie zusammenkommen. Wird doch jeder Meter, der aus der Bremsrekuperation entsteht, vom System sofort wieder zur Entlastung des Verbrennungsmotors verwendet. Wie bei allen Plug-in-Hybriden wird ja nicht entweder rein elektrisch oder rein mit dem Benziner gefahren, sondern so gut gemischt, wie es eben geht. Auch dann, wenn die Batterie-Anzeige im Bordcomputer an sich 0 km elektrische Reichweite angibt.

    Womit wir im Cockpit wären, in dem auch der 545e mit einem durchdachten Bedienkonzept punkten kann. Man hat die Wahl zwischen dem blind bedienbaren Dreh-Drück-Regler als Alternative zum ebenfalls möglichen betatschen des Bildschirms und der durchaus verständigen Sprachführung. Wer nicht will, muss also nicht durch die Kontrolle des Touchscreens abgelenkt vom Geschehen auf der Straße sein, wenn er mit dem Bordcomputer zwecks Befehlsausgabe kommuniziert. Und auch keine Fingerabdrücke auf dem Monitor hinterlassen.

    Hoher Kofferraumboden

    In einem anderen Punkt muss man sich als Fahrer eines 5er-BMW mit Plug-in-Hybrid jedoch auf ein Tauschgeschäft einlassen. Die Möglichkeit, auch rein elektrisch zu fahren, bezahlt man damit, dass der Kofferraumboden wegen der Batterie höher liegt, als bei einem 5er ohne zusätzlichem E-Motor. Das wirkt sich vor allem beim Beladen mit höheren Kisten oder Schachteln negativ aus.

    Unterm Strich ist der BMW 545e der 5er der Wahl für alle, die sich mehr - temporäre - Leistung für weniger NoVA abholen wollen. Und die in der Lage sind, mehr als 70.000 € dafür auszugeben.

    Wobei es, wie das besser ausgestattete Testauto zeigt, auch gern einmal um die 115.000 € werden können.

    Antrieb: Vollhybrid-Antrieb, Systemleistung 290 kW / 394 PS, Systemdrehmoment 600 Nm,
    Ottomotor: Reihensechszylinder mit 2998 cm³ Hubraum, Leistung 210 kW / 286 PS, max. Drehmoment 450 Nm
    Elektromotor: Synchron-Elektromotor in 8-Gang Steptronic Getriebe integriert, Generatorfunktion zur Rekuperation von Energie für den Hochvoltspeicher, Spitzenleistung 80 kW/ 109 PS, Drehmoment 265 Nm
    Hochvolt-Batterie: Lithium-Ionen, Spannung 354 Volt, Kapazität 12 kWh.

    Fahrwerk: Vorne Doppelquerlenkerachse mit aufgelöster unterer Lenkerebene in Aluminium-Bauweise, kleiner Lenkrollradius, Querkraftausgleich, Bremsnickreduzierung. Hinten Fünflenkerachse in Aluminiumbauweise.
    DSC inkl. ABS, ASC und DTC (Dynamische Traktions Control), Kurvenbremshilfe CBC, Bremsassistent DBC, Trockenbremsfunktion, Fading-Ausgleich, Anfahrassistent, Allradsystem xDrive mit DSC vernetzt. Elektromechanische Servolenkung.

    Fahrleistungen: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,6 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 250 km/h, Höchstgeschwindigkeit rein elektrisch 140 km/h, Reichweite elektrisch 49 -57 km.

    Abmessungen: Länge x Breite x Höhe 4963 / 1868 / 1483 mm, Radstand 2975 mm, Wendekreis 12,4 m, Tankinhalt 46 Liter, Leergewicht nach DIN 1.945 kg, Gesamtgewicht 2.605 kg, Kofferraumvolumen 410 l.

    Kosten: Basispreis 73.400 €, Preis des Testfahrzeugs 115.214 €

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