© Jeep

Tests
08/02/2019

Jeep Renegade im Test: Transatlantischer Technologie-Transfer

Im weiten Angebot der vorwiegend im urbanen Raum genutzten City-Crossover ist der kantige Renegade eine wohltuende Ausnahmeerscheinung.

Und der kleine Jeep Renegade ist wohl das einzige Fahrzeug im nach wie vor wie verrückt boomenden SUV-Segment, das vermutlich nicht nur aus streng rationalen Gründen gekauft wird: Allein der Kühlergrill mit den sieben senkrechten Lufteinlässen, die die Jeep-Community ebenso treffend wie schlicht und einfach Slots nennt,  hat mehr Charme und Charakter als all die ebenso uniform gestylten wie unzähligen Kompakt-SUV-Klone der Konkurrenz zusammen.
Von den traditionell kreisrunden Scheinwerfern, den streng-trapezförmigen Radausschnitten und der steil stehenden Frontscheibe gar nicht zu reden.

Tatsächlich ist der 1941 in den USA etablierten und seit 2009 zu Fiat gehörenden Marke mit dem vor rund einem Jahr gelifteten Renegade ein schöner  Erfolg gelungen. Jetzt kommt die bereits nächste Überarbeitung, die allerdings hauptsächlich der Technik dient. Dies deshalb, weil’s damals abgasseitig arge Brösel mit den Motoren gab – ein, wie wir wissen, in heutigen Zeiten überaus sensibles Thema.

Die Probleme sind jetzt weg, weil die in die Jahre gekommenen Benziner (1,6-Liter-Sauger/110 PS, 1,4-Liter-Turbo/140 und 170 PS)  durch moderne Turbo-Direkteinspritzer ersetzt worden sind.
Die Palette der Ottos  umfasst jetzt somit einen – vom Motor-KURIER probierten – 1,0-Dreizylinder  mit 120 PS sowie zwei aufgeladene 1300er mit wahlweise 150 PS oder 180 PS. Alle drei Aggregate sind nagelneu, sauber, weil mit Partikelfilter ausgestattet und erfüllen daher schon jetzt die künftige Euro 6d-Temp-Norm.

Nur so nebenbei gesagt: Die Turbo-Selbstzünder (1,6/120 PS, 2,0/140 und 170 PS) bleiben trotz schwerer Dieselkrise weiter im Programm, sind aber  mit SCR-Kat samt AdBlue-System umfassend überarbeitet worden und nun – fit für die Zukunft – ebenfalls nach Euro 6d-Temp zertifiziert.


Zeitgeist und Marktumfeld bringen es mit sich, dass ein Jeep-SUV heute nicht zwangsläufig mit Allradantrieb ausgestattet sein muss. Diese an sich eher verblüffende Erkenntnis betrifft auch den Renegade, dessen Basismotorisierung – der grad erwähnte 1,0-Dreizylinder – nur mit zwei permanent angetriebenen Rädern zu haben ist. Wer 4WD unbedingt will oder braucht, muss zum Top-Benziner mit 180 PS oder zu den (stärkeren) Zweiliter-Diesel greifen.

 

Der vollständig unter Fiat-Regie entworfene und gebaute Renegade läuft nicht etwa in Amerika, sondern im süditalienischen Melfi von den Montagebändern. Das Schwestermodell des Fiat 500X ist trotz Schwächen, wie etwa dem für einen Kompakt-SUV mit knapp 12 Metern großen Wendekreis oder dem – für diese Leistung und Kubatur – zu hohen Durchschnittsverbrauch ein ebenso hemdsärmeliger wie sympathischer Begleiter im rauen Autoalltag.

Und nach wie vor die individuellste Art, einen SUV zu fahren.

Antrieb: 3-Zylinder, Benzin, Direkteinspritzer, oben liegende Nockenwelle, 4 Ventile/Zylinder, Turbolader, Ladeluftkühler, Hubraum: 999 cm³, PS/kW: 120 PS/88 kW, Maximales Drehmoment:190 Nm bei 1750 U/min. Frontantrieb, 6-Gang-Getriebe; Abgasnorm Euro 6d-Temp.

Fahrleistungen: Spitze 185 km/h, 0–100 in 11,4 Sekunden.

Fahrwerk: Selbst  tragende Karosserie, Einzelradaufhängung, vorn/hinten McPherson-Federbeine, Längs- und Querlenker, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisatoren, Scheibenbremsen (vorn innen belüftet), Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung, ABS, Bremsassistent, elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP).

Maße: (L x B x H):4236 x 1805 x 1667 mm, Radstand: 2570 mm, Wendekreis: 11,9 m, Kofferraum: 351–1297 l, Gewicht: 1320 kg, Gesamtgewicht: 1860 kg, Tankinhalt: 48 l

Verbrauch: Normverbrauch.: 5,9 l/100 km,134 g/km CO². Testverbrauch: 8,3 l/100 km.

Preis: Grundpreis: 27.550 €, Preis Testwagen: 33.647 €
Motorbezogene Versicherungssteuer:476,16 €