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Tests
06/17/2020

Mazda MX-5: Wackerer Vertreter einer gefährdeten Spezies

Mit dem MX-5 Edition 100 zeigt Mazda, dass man weiter zu der vor 31 Jahren wiederbelebten Auto-Gattung steht.

von Horst Bauer

Kleine, billige Spaßautos mit zwei Sitzen und einem darüber gespannten Verdeck passen nicht mehr in die Zeit. Es gibt zuwenig Kundschaft dafür und die paar Enthusiasten, die so etwas kaufen, hinterlassen zuwenig Geld in der Kasse.

So, oder so ähnlich, tönt es gerade wieder aus den Marketing-Abteilungen der meisten Autohersteller. Mit dem Ergebnis, dass kleine, leistbare Roadster kaum mehr zu finden sind.

Vor mehr als 30 Jahren war die Lage ähnlich. Die vor allem von englischen und italienischen Herstellern angebotenen Roadster hatten die Energiekrise nicht überlebt und die Marketing-Gurus waren sich sicher, dass es auch nach dem Ende der Krise dafür keine Kundschaft mehr geben würde.

Im fernen Japan tüftelten währenddessen ein paar Ingenieure und Designer aber an genau so einem Auto. Klein, mit einer auf das Wesentliche reduzierten Ausstattung, einem genial einfach zu bedienendem Verdeck und einem so weit reduzierten Gewicht, dass auch ein kleiner Motor für ausreichend Fahrspaß sorgen konnte. Als vor nunmehr 31 Jahren der erste Mazda MX-5 präsentiert wurde, ernteten die Japaner dafür mitleidiges Lächeln der etablierten Hersteller - und höchste Zustimmung seitens des Publikums.

Der Rest ist Geschichte. Der MX-5 wurde nicht nur weltweit ein Verkaufserfolg, er fand auch sehr bald Nachahmer von Seiten jener Hersteller, die solche Autos zuvor für schlicht überflüssig gehalten hatten.

Heute, da angesichts der teuren Elektrifizierungswelle und der immer aufwändiger werdenden Abgasvorschriften gerade Kleinwagen wieder auf der Abschussliste der Konzernlenker stehen, hält Mazda mit dem im Vorjahr technisch aufgefrischten MX-5 dankenswerterweise weiter die Flagge der leistbaren Roadster hoch. Und macht dies heuer mit einem besonderen Modell zum 100-jährigen Firmenjubiläum noch stärker sichtbar.

Den MX-5 Edition 100  gibt es in der Version mit dem Verdeck ausschließlich mit dem 1,5-Liter-Motor mit 132 PS (das Hardtop-Modell gibt's nur mit dem 184 PS leistenden Zweiliter-Motor). Das Triebwerk entstammt der neuesten Motorengeneration der Japaner namens Skyactive, mit der man es durch technische Maßnahmen schafft, auch ohne Partikelfilter die aktuellen Abgasbestimmungen zu erfüllen.

Der Preis, den man als Pilot dafür zahlt, ist eine im unteren Drehzahlbereich eher phlegmatische Motor-Charakteristik. Der G132 (so die offizielle Bezeichnung des Triebwerks), will ordentlich gedreht werden,soll er dem sportlichen Charakter des Autos entsprechen. Das maximale Drehmoment von 152 Nm liegt nämlich erst bei 4.500 Touren an und die maximale Leistung von 132 PS gar erst bei 7.000 Umdrehungen. Wer's also sportlich will, sollte kein gestörtes Verhältnis zum 6-Gang-Getriebe haben, das jedoch über den kurzen Schalthebel derart knackig zu schalten ist, dass man ohnehin gerne ständig darin herumrührt. 

Dank des geringen Gewichts von nur knapp über einer Tonne reicht die Leistung des kleineren Motors also durchaus für viel Fahrspaß auf kurvigen Land- und Bergstraßen - sofern man eben die Drehzahlnadel zwischen den Markierungen für 4.000 und 7.000 Touren hält.

In dem Fall handelt man sich natürlich zwangsläufig höhere Verbrauchswerte zwischen 8 und 9 Liter für 100 km ein. Dafür sind auf  entspannten Etappen Schnitte mit knapp über 6 Liter kein Problem.

Ansonsten bietet der aktuelle MX-5 alle Tugenden des Ur-Vaters (wie etwa das nach wie vor einzigartig einfach zu bedienende mechanische Verdeck) und darüberhinaus eben auch ein paar dem modernen Leben geschuldete Erweiterungen (wie etwa eine Smartphone-Integration per Apple CarPlay und Android Auto). Klarerweise sind auch die aktuellsten Fahrer-Assistenzsysteme an Bord, wobei sich in der Fahrpraxis auf schmalen Landstraßen der nervöse Spurverlassenswarner als Fehlbesetzung erweist (die jedoch einfach abgeschaltet werden kann).

Zum Edition-100-Modell machen ihn neben einer üppigen Grundausstattung (etwa mit den adaptiven LED-Matrix-Scheinwerfern oder einem Bose-Soundsystem mit 9 Lautsprechern) exklusive Ausstattungsdetails wie die besonderen 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, die schwarzen Außenspiegel-Abdeckungen oder das rote Nappa-Leder für Sitze, Armaturenbrett und die Türverkleidungen.

Der Mazda MX-5 Edition 100 G132 kostet ab € 35.490,-

Antrieb: 4-Zylinder Skyactive-Motor, Hubraum 1.496 cm³, Leistung 132 PS / 97 kW bei 7.000 U/ min., maximales Drehmoment 152 Nm bei 4.500 U/min. 6-Gang-Handschaltgetriebe, Heckantrieb. Abgasklasse EU6d.

Fahrwerte: Beschleuniguing von 0 auf 100 km/h in 8,3 Sec., Höchstgeschwindigkeit 204 km/h.

Maße: L x B x H): 3915 x 1735 x 1225 mm Wendekreis: 9,4 m Radstand: 2310 mm Kofferraum: 130 l. Leergewicht (inkl.Fahrer 75 kg) 1.061 kg, maximal zulässiges Gesamtgewicht 1.087 kg, Tankvolumen 45 l.

Verbrauch: Normverbrauch 6,3 l/100 km, 142 g/km CO², Testverbrauch 6,5 l / 100 km.

Kosten: Grundpreis Maxda MX-5 Edition 100 G132: € 35.490,-. Preis Testwagen: € 36.190,-.