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© Horst Bauer

Tests
01/18/2021

Nissan Juke: Was der Handschalter besser kann als der Automat

Der Juke mit manuellem Getriebe im Praxistest: Ob die 6 Gänge reichen und was die Lautsprecher in der Kopfstütze bewirken.

von Horst Bauer

Gleicher Motor, anderes Getriebe. Statt eines 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebes (wie beim ersten Test des neuen Nissan Juke) wird die Kraft des Dreizylinder-Motors (117 PS / 86 kW) im vorliegenden Fall mit einem konventionellen 6-Gang-Handschalter portioniert.

Wurde das DSG wegen der zu streng auf spaßbefreiter Sparefroh ausgerichteten Programmierung der Schaltknechte eher als Schwachstelle erkannt, wenn man es doch etwas flotter anlegen will, so bietet der Selbstschalter Abhilfe. Die durchaus vorhandenen dynamischen Qualitäten des Einliter-Motors können hier nämlich leichter gehoben werden, wenn man keine Scheu hat, entsprechend oft zum Schalthebel zu greifen.

Allerdings muss man auch hier erst damit leben lernen, was die Abstimmung des Getriebes mit der Drehmoment-Charakteristik des kleinen Turbo-Benziners so mit sich bringt. Nicht, dass eine siebente Fahrstufe, wie es sie beim Juke mit Doppelkupplungsgetriebe gibt, fehlen würde. Aber die Anschlüsse der einzelnen Gänge passen beim Hinaufschalten meistens nicht ganz so, wie man sich das wünschen würde. Ruckfrei gelingt der Gangwechsel nur, wenn man entweder extrem lethargisch vorgeht, oder wie früher die Herren Berger, Mansell &Co. in der heißen Ära der Turbo-Formel-1 beim Raufschalten Zwischengas gibt, um die Motordrehzahl nicht zu sehr abfallen zu lassen. Da das aber – auch für sportlich bewegte Fahrer – ein eher anachronistischer Zugang ist, bleibt einem nur, sich mit der Ruckelei anzufreunden und diese via Kupplungspedal so gut es geht abzufedern.

Apropos Dynamik: Die drei anwählbaren Fahrmodi bieten eine durchaus merkbare Spreizung. Das geht vor allem auf das Konto des Eco-Modus, bei dem die Leistungsabgabe spürbar stark abfällt. Das bringt zwar herzeigbare Werte bei der Feststellung des Normverbrauchs, bedingt aber in der Praxis, dass wohl vielfach darauf verzichtet werden wird. Denn mit der Normal-Stellung lassen sich alle Fahraufgaben vom Stadtverkehr bis zur Autobahn sehr gut erledigen und man bekommt dabei auch zu spüren, dass man sich einen Motor mit 117 PS Leistung gekauft hat. Dafür muss man gar nicht in Sport wechseln, auch wenn dabei die Gaspedalkennung noch etwas stärker auf spontane Leistungsabgabe getrimmt ist.

Verbrauch

Bewegt man den Nissan Juke in der normalen Fahrpraxis ohne ständig im abgedimmten Eco-Modus unterwegs zu sein, bedeutet das für den Verbrauch, dass er zwischen bis zu 10 Liter im Stadt-Kurzstreckenverkehr und etwas über 6 Liter auf der regelkonform befahrenen Autobahn schwankt. Unterm Strich macht das dann rund 7 Liter im Mischverkehr. Das ist zwar nicht unbedingt berauschend für ein knapp 4,20 Meter kurzes modernes Auto mit einem Einliter-Dreizylinder-Motörchen, hängt aber eben stark vom entsprechenden Fahrprofil ab.

Abgesehen davon gilt, dass dem neuen Nissan Juke die enge Verwandtschaft mit dem Renault Captur sehr gut tut. Besonders, was das Fahrwerk angeht, das ohne Fehl und Tadel zwischen sportlich und komfortabel angelegt wurde und sich im Fahrbetrieb keine Blößen gibt. Diese solide Grundausstattung des Fahrwerks hilft auch dabei, den unter dem Begriff Safety Shield zusammengefassten elektronischen Helfern (die gegen 806 € Aufpreis zu haben sind) möglichst wenig Arbeit zu geben. Grundsätzlich gilt auch hier, wie bei so manchem Konkurrenten, dass viele dieser Fahrer-Assistenten zwar gut für eine hohe Bewertung im NCAP-Crashtest sind, in der gelebten Praxis aber – wie etwa der hypernervöse Spurverlassenswarner auf engen Landstraßen – schnell nervig werden.Und damit bald das Schicksal erleiden, einfach abgeschaltet zu werden - was ja eigentlich nicht im Sinne des Erfinders ist.

Sound aus der Kopfstütze

Für wesentlich willkommenereTöne können die in die Kopfstützen integrierten Bose-Lautsprecher sorgen, die im Testwagen verbaut waren. Was sonst eher nur bei Cabrios (z. B. Mazda MX-5) angewendet wird, gibt es hier gegen 625 € Aufpreis auch in einem Kompakt-SUV mit fixem Dach. Die entsprechende Einstellung der Beschallungsanlage vorausgesetzt, erlaubt dies einen besseren Rundum-Klang und weniger Einfluss von fahrbedingten Störgeräuschen auf den Hörgenuss.

Wobei die im Juke im Vergleich zu anderen Autos dieses Kalibers ohnehin recht ordentlich abgedämmt werden. So sind im Passagierraum auch bei Autobahntempo entspannte Gespräche in Zimmerlautstärke möglich.

Vorausgesetzt, die Bose-Anlage übernimmt nicht das akustische Kommando.

Antrieb: Dreizylinder-Benziner mit Turboaufladung, Leistung 117 PS / 86 kW, Hubraum 999 cm3, Maximales Drehmoment 180 Nm bei 1.750 - 4.000 U/min, manuelles 6-Gang-Getriebe, Frontantrieb, vorne und hinten innen belüftete Scheibenbremsen. Abgasnorm Euro6d Temp.

Maße: L x B x H 4210  x 1983  x 1595  mm, Radstand 2636 mm, Kofferraumvolumen 422 l - 1088 l, Leergewicht 1.257 kg, zulässiges Gesamtgewicht 1.725 kg.

Fahrleistungen: Beschleunigung 0 - 100 km/h in 10,4 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 180 km/h.

Verbrauch: Normverbrauch Testmodell 5,9 - 6,2 l, 134 - 141 g/km CO2.

Kosten: Preis Nissan Juke Tekna 26.900 €, Preis des Testfahrzeugs 29.678 €

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