© Michael Andrusio

Tests
08/06/2022

Porsche 718 Boxster als radikaler Spyder im Test

Was kann die sehr sportlich ausgelegte Spyder-Variante des offenen Schwaben?

von Michael Andrusio

Von einer Vorstellung kann man sich gleich einmal verabschieden. Nämlich, dass der Spyder - so aufs Wesentliche beschränkt er anmutet - weniger wiegt. Im Vergleich zu einem normalen 718 Boxster mit PDK bringt der Spyder sogar 85 kg mehr auf die Waage. Da helfen auch die einfachen Schlauferl an Stelle der Türöffner innen nichts.

Die Stärken des Spyder liegen woanders. Das beginnt schon beim Design. Im geöffnetem Zustand schaut der Porsche mit den beiden markanten Höckern im Heck bildhübsch aus. Und sogar wenn man das Verdeck draufsetzt, vermittelt der Spyder den Eindruck, dass hier ein besonderer 718 steht. Stichwort Verdeck. Beim ersten Öffnen kommt man nicht umhin, die Betriebsanleitung zur Hand zu nehmen, sonst steht man ziemlich ratlos vor dem Auto. Also zunächst den Verdeckschalter zwischen den  Sitzen betätigen, dann geht das Dach ein Stück (elektrisch) auf, den Rest muss man von Hand erledigen. Das Lösen der beiden Finnen ist dabei noch die größte Schistelei, sonst funktioniert es aber einfach - wenn man es einmal gemacht hat.

Ist das Dach zu, vermittelt es einen soliden Eindruck, auch bei Autobahntempo (im Gegensatz zur ersten Boxster-Spyder-Generation, wo man Angst hatte, dass einem das eher zeltartige Dach bald um die Ohren fliegt). Nur die Rundumsicht bei geschlossenem Verdeck ist ziemlich mies, fürs Ein- und Ausparken kann man aber einen Parkassistenten für hinten samt Rückfahrkamera bekommen.

Schöner ist es natürlich offen zu fahren. Der Spyder teilt sich die technische Basis mit dem Cayman GT4 und den sportlichen Ansatz merkt man auch. Langsam dahinrollen geht natürlich, aber der Spyder vermittelt stets den Eindruck, dass er gefahren werden will und zwar ordentlich. Das gilt (überraschenderweise) auch für das in unserem Auto verbaute PDK-Automatikgetriebe. Bei langsamer Fahrt ruckelt das Auto immer wieder (wobei Porsche erklärt, dass dieses Getriebe keine "komfortorientierte Kriechfunktion" hat), also schalten wir den entsprechenden Schalter auf PDK Sport und wechseln die Gänge mit den Schaltpaddels selber.

Der Motor der 718 Spyder, ein Sechszylinder-Sauger, will gedreht werden und das geht bis 8000 U/min, dann beginnt der rote Bereich. Steigende Drehzahlen belohnt der 718-Motor mit Zunahme an Schub und mit einem süchtig machenden Sound, je näher man dem Drehzahllimit kommt. 420 PS leistet der Sechszylinder und mit PDK beschleunigt man in unter 4 Sekunden auf 100 km/h.

Die Lenkung ist dabei höchst exakt und man greift in ein mit Alcantara ummanteltes Lenkrad, das fein in der Hand liegt. Die Basis vom GT4, die unter anderem eine Tieferlegung um 30 mm mit sich bringt, sorgt für die passende Stabilität und Straffheit von Seiten des Fahrwerks. Was noch angenehm auffällt: Feinjustierung kann man jederzeit betreiben, also PDK auf Sport, ESC in zwei Stufen deaktivieren, Auspuff auf mehr Röhren stellen, etc. Und dafür gibt es einfach zu erreichende Knöpfe zwischen den Sitzen und keine menü-Sucherei und Tapserei auf dem Touchscreen.

Sänfte ist der Spyder keine, aber auch nicht so unangenehm hart, wie man vielleicht fürchten müsste. Überhaupt kann man sich durchaus verwöhnen lassen:  Sitzheizung, Lenkradheizung, adaptive Sportsitze mit elektrischer Verstellung - kann man alles haben.

Damit sind wir beim Preis: Der Boxster 718 Spyder kostet ab 131.638 Euro, mit diversen Goodies kommt man auf fast 150.000 Euro.

Antrieb: 6-Zylinder-Boxer-Saugmotor, Hubraum: 3995 ccm, Leistung: 420 PS/309 kW, max. Drehmoment 430 Nm bei 5500 U/min; 7-Gang-PDK-Doppelkupplungsgetriebe, Heckantrieb, Porsche Torque Vectoring mit mechanischer Hinterachs-Quersperre

Fahrleistungen: 0 - 100 km/h in 3,9 Sekunden, Spitze 300 km/h

Abmessungen: Länge x Breite x Höhe 4430 x 1801 x 1258 mm, Radstand 2484 mm, Kofferraumvolumen: 150 l vorne + 120 l hinten, Gewicht: 1450 kg

Verbrauch: 10,2 Liter/Testverbrauch: 10,5 Liter

Preis: ab 131.638 Euro

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