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Tests
11/05/2019

Seat Arona CNG: Vorher friert die Hölle zu

Eine Alternative zur Alternative E-Auto: Seat Arona CNG mit Gasantrieb im Praxistest

Alternative Antriebe rücken zwar vermehrt in den Fokus, ein wirklicher Durchbruch ist aber dennoch weit und breit nicht in Sicht.
Einerseits, weil der Absatz von E-Autos nur schleppend in die Gänge kommt, anderseits, weil Wasserstoff noch Lichtjahre von flächendeckender Verfügbarkeit entfernt ist.

Bleiben also die guten alten Verbrennungsmotoren.

Und da kommt Erdgas/CNG ins Spiel. Erdgas ist ein in der Natur vorkommendes, ungiftiges und geruchloses Gasgemisch, das leichter als Luft ist und vorwiegend aus Methan besteht. CNG (Akronym für Compressed Natural Gas) ist verdichtetes Erdgas, das mit 200 bar Druck – wie im Fall des  Seat Arona TGI (Turbo Gas Injection) – in drei Tanks, die insgesamt einen Inhalt von 13,8 Kilo fassen, gasförmig gespeichert wird.

Schön – der wirkliche Clou an der G’schicht ist aber die geringe Umweltbelastung: So emittiert der  CNG-Arona (unter anderem) gegenüber Benzin weniger CO, NOX und kaum Rußpartikel.

Fakt ist außerdem, dass auch winterliche Temperaturen CNG nix anhaben können: Nach den Gesetzen der Physik müsste die Außentemperatur schon unter Minus 160 Grad fallen, damit sich das Erdgas im Tank verflüssigt – was es ja nicht soll. Da friert schon die Hölle zu.

Außerdem darf man als Arona-TGI-Pilot  in Tiefgaragen parken, sehr im Gegensatz zu Fahrzeugen, die mit LPG (Liquefied Petroleum Gas/Flüssiggas) betrieben werden:  Das nämlich ist schwerer als Luft und sinkt beim Austreten zu Boden, wo es  ein leicht entzündliches, explosives  Gemisch bilden kann. Bei Erdgas ist das kein Problem, weil es sich nach dem Austritt verflüchtigt.

Erhebt sich die Frage nach dem Kaufpreis: So kostet ein Arona TSI (in vergleichbarer Basisversion) € 20.390,–, während der CNG-Arona auf € 22.290,– kommt.

Aber: Weil Seat einen Erdgas-Bonus von € 2000,– gewährt, sinken die Anschaffungskosten real auf € 20.290,–, macht nach Adam Riese also sogar einen Hunderter weniger. Dazu bekommt jeder Seat-TGI-Käufer Tankgutscheine im Wert  von 600 Euro.

Alles in allem: Kein schlechtes Geschäft also, auch deshalb, weil (steuerlich bevorzugtes) Erdgas an der Zapfsäule weniger kostet als Benzin oder Diesel.

Dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt. Erstens, weil die drei Gastanks und das als Nothilfe gedachte 9-Liter-Benzinreservoir das Kofferraumvolumen von 400 bis 1280 (TSI) auf 282 bis 1162  Liter (TGI) einengen. Und zweitens, weil die reine CNG-Reichweite von knapp 330 Kilometer nicht wirklich das Gelbe vom Ei ist.

In der täglichen Fahrpraxis heißt das: Häufige Boxenstopps sind unausweichlich, was bei dem verhältnismäßig dünnen Tankstellennetz – wir reden von aktuell rund 160 Stationen in Österreich – eine akribische Reiseplanung notwendig macht. Das Reichweitenproblem ist zwar nicht so dramatisch wie jenes der derzeit so gehypten E-Autos, eine App, wie sie etwa die OMV offeriert und  Auskunft darüber gibt, wo die nächste Tankstelle zu finden ist, aber unbedingt notwendig.

Trotz der Nachteile ist der Erdgas-Arona eine durchaus überlegenswerte Alternative. Wenn die Voraussetzung – eine nahe gelegene CNG-Station – gegeben ist.

Und so hat der TGI auf Kurz- und Mittelstrecken unbestreitbare Emissions- und Kostenvorteile. Er zieht aber den Kürzeren gegenüber modernen, abgasgereinigten Dieselmotoren, wenn es über lange Distanzen geht.

 

Antrieb:  Hybridantrieb: 3 Zylinder, Benzin/Gas, Hubraum: 999 cm³, 90 PS/66 kW. Maximales Drehmoment 160 Nm bei 1900 U/min, 2 oben liegende Nockenwellen, 4 Ventile/Zylinder, Alu-Zylinderkopf und -block, Turbolader, Ladeluftkühler; Frontantrieb, 6-Gang-Getriebe; , Abgasklasse Euro  6d-Temp.

Fahrleistungen: Spitze 172 km/h, 0–100 in 13,2 sec;

Fahrwerk: Selbst  tragende Karosserie, vorn McPherson-Federbeine, Dreieckquerlenker, Stabilisator, hinten Verbundlenkerachse, vorn/hinten Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Scheibenbremsen (vorn innen belüftet), Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung, ABS, Berganfahr-Assistent, elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP)

Abmessungen: Maße (L x B x H):4138 x 1780 x 1552 mm. Wendekreis: 10,5 m. Radstand: 2570 mm. Kofferraum: 282–1162 l. Gewicht: 1308 kg. Gesamtgewicht: 1710 kg. Tankinhalt: 13,8 kg.

Verbrauch: Normverbrauch: 3,8 kg/100 km, 98 g/km CO². Testverbr.: 4,2 kg/100 km.

Kosten: Preis: 25.798 €, Preis Testwagen: 28.481 €. Motorbezogene Versicherungssteuer: 312,48 €