Tests
04/09/2019

Suzuki Jimny im Test: Kleine Fahrt voraus

Der Minijeep lässt sich nicht mit gängigen Maßstäben messen – und das liegt nicht nur an seiner Größe.

Nach herrschenden Kriterien darf man den Jimny wohl kaum beurteilen. Der Fahrkomfort ist archaisch, das Geräuschniveau auf der Autobahn wie bei einem Hardrock-Konzert, die Lenkung so undurchschaubar wie der Inhalt von Leberkäse. Und trotzdem macht es Spaß, mit dem Jimny unterwegs zu sein.

Das beginnt schon beim Anblick: Es gibt kaum jemanden, der dem comic-haften Design mit kantiger Silhouette und eingedampften Proportionen nicht erliegt.

Mit den Mini-Dimensionen und nur 3,65 Meter Außenlänge und dem Wendekreis von 9,8 Meter ist man in vielen Situationen – in der Stadt genauso wie im Outback – natürlich gut bedient, wieselhafte Beweglichkeit wird aber von der schon erwähnten indirekten Lenkung untergraben.

Dafür hat man den Geruch von Lagerfeuer in der Nase, einen Countrysong im Ohr und fährt im aktuellen Outdoor-Trend authentischer mit als alle weichgespülten SUV und überfrachteten Luxus-Offroader. Jammern ist also verboten, erst recht über den Innenraum. Der Sitzkomfort vorne ist vorzüglich und mit guter Übersicht gesegnet, auch hinten geht es auf den beiden Sitzen bequemer zu, als man dem Gestühl zutrauen würde.

Im Gepäckraum lassen sich mit aufgestellten Fondsitzen freilich nur Pizzaböden aufrecht transportieren, im umgeklappten Zustand präsentiert sich aber ein großzügiger Stauraum. Einerseits schlau ist die harte, robuste Kunststoffbeschichtung der Fondsitzlehnen-Rückseiten, andererseits ist der solcherart geschaffene Ladeboden dermaßen glatt, dass Gepäck darauf herumkugelt wie auf einer Eisstockbahn. Da muss man wohl zu den im Zubehör erhältlichen Gummiwannen greifen.

Verbrauch

Der Motor selbst ist fein und bietet schon von unten viel Drehmoment, wie man es von einem echten Geländewagen erwartet. Oben wird es dann aber bald zäh und angestrengt, am Anfang sucht man oft verzweifelt den sechsten Gang, den man dem Jimny alleweil hätte spendieren können. Auch im Sinne des Spritsparens: 7,5 Liter im Test sind kein Ruhmesblatt für ein leichtes, leistungsmäßig überschaubares Auto. Im Bundesstraßentempo und knapp darüber bleibt das Fahren noch angenehm, auf der Autobahn reizt man das erlaubte Tempo schon bald nicht mehr aus, da stoßen Fahrwerk und Geräuschdämmung an ihre Grenzen. Muss ja auch nicht sein.

Der Jimny erzieht zur Gemächlichkeit und spielt seine Stärken dort aus, wo andere verzweifeln: im Gelände. Mit seinen zwei Starrachsen und dem zuschaltbaren Allradantrieb mit Untersetzungsgetriebe spendiert Suzuki dem Jimny wie bisher ein Paket, das auch anspruchsvolle Passagen überwindbar macht. Das Einlegen des Allradantriebs funktioniert auch während der Fahrt – bis 100 km/h – friktionsfrei und so tadellos sauber wie das Sortieren der fünf Gänge. Das Untersetzungsgetriebe verlangt fürs Aktivieren freilich nach Stillstand.

Noch ein paar Worte zu den Assistenz- und Infotainmentsystemen: Hier arbeitet alles ausgezeichnet, vom Navi über die Qualität der Freisprecheinrichtung bis hin zur Verkehrszeichenerkennung. Dazu ist die Bedienung am Touchscreen denkbar simpel und funktioniert so leicht wie das Betätigen des Blinkers, der seine Aktivität vom Geräusch eines blechernen Knackfroschs begleiten lässt.

Fazit

Unterm Strich: Für den funktionalen Einsatz als Geländewagen kann der neue Jimny wie sein Vorgänger an die Vernunft appellieren: mehr braucht man im groben Geläuf nicht. Als Alltagsfahrzeug zeigt er indes offensichtliche Schwächen, die er jedoch mit all seinem Charme überdeckt und als Charakter und Persönlichkeit auslegt. Das gelingt ihm so offenbar so gut, dass die aktuelle Wartezeit auf Bestellungen 13 Monate beträgt. Auch damit sprengt er gängige Maßstäbe.