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© Horst Bauer

Tests
10/27/2020

Toyota Camry: Das Tarnkappen-Auto

Die große Toyota-Limousine ist wieder zurück bei uns Wie sich der neue Camry auf dem schwierigen Limousinen-Markt behaupten will.

von Horst Bauer

Der neue Toyota Camry setzt bei uns dort fort, wo der etwas kleinere Avensis aufgehört hat. Der große Toyota, der jahrelang die US-Zulassungsstatistik für Pkw dominiert hat, begibt sich dabei auf schwieriges Terrain. Klassische Limousinen sind ja auch schon von den deutschen Platzhirschen nicht nur auf dem österreichischen Markt in letzter Zeit schwer abzusetzen.

In der Praxis auf heimischen Straßen zeigt sich der neue Toyota Camry als so etwas wie ein Tarnkappen-Auto. Wer im Verkehr nicht auffallen will und den Nachbarn nicht beeindrucken muss, ist mit ihm gut aufgehoben.Optisch ist der Camry nämlich wohl der zurückhaltendste Toyota derzeit. All die Sicken und Kanten, welche die anderen aktuellen Modelle prägen, sind an seiner Silhouette spurlos abgeperlt.

Im Cockpit zeigt sich deutlicher als notwendig, dass Mr. und Mrs. Miller die eigentliche Zielkundschaft sind für den Camry. Platz ist klarerweise genug vorhanden, aber bei den Details spießt es sich etwas angesichts des Angebots der europäischen Konkurrenten.

Vor allem der viel zu kleine zentrale Monitor (7 Zoll) weist in die graue Frühzeit der beginnenden Digitalisierung von Auto-Cockpits zurück. Die fixen analogen Auswahltasten daneben sind zwar löblich, bringen aber nur wenig, wenn die damit angewählten Anzeigen auf dem Mini-Bildschirm fast nicht mehr lesbar sind, weil die Schrift so klein geraten ist, damit sich alles auf dem Mini-Monitor ausgeht. Zudem sind die Tastenleisten daneben optisch dominanter als der Bildschirm selbst.

Wenig überraschend, lässt auch die Bedienlogistik des Bordcomputers zu wünschen übrig. Allein die Umschaltung der digitalen Tastatur auf dem Touchscreen von Buchstaben auf Zahlen und zurück - etwa zur Eingabe eines Navigations-Zieles - braucht drei Extra-Schritte. Das geht inzwischen anderswo deutlich einfacher und schneller. Und nicht nur bei großen Limousinen.

In dieses eher angegraute digitale Ambiente passt auch ein anderes, bei aktuellen Modellen schon eher skurriles Detail. Im Camry-Cockpit findet sich noch ein richtiger CD-Player an Bord. Ein Casetten-Deck haben wir allerdings nicht gefunden.

Hybrid-Motorisierung als Stärke

Die große Stärke des Toyota Camry ist hingegen sein Hybrid-Antrieb. Ins konservative Bild passt, dass der noch mit einer soliden Nickel-Metallhydrid-Batterie ausgestattet ist und nicht mit den vergleichsweise neumodischen Lithium-Ionen-Akkus. Der Hybrid-Antrieb mit einer Systemleistung von 218 PS / 160 kW ermöglicht es, die große Limousine im normalen Mischverkehr zwischen Stadt, Land und Autobahn mit rund 5 Liter Durchschnittsverbrauch zu bewegen. Ist weniger Langstrecke dabei, geht’s auch mit einem 4er vor dem Komma.

Dabei ist das stufenlose ECVT-Getriebe inzwischen auch nicht mehr der große Stein des (akustischen) Anstoßes wie früher. Wer sich der dem Camry entsprechenden Fahrweise befleißigt - und die hat definitiv nichts mit hektischem Kolonnenspringen zu tun - kommt kaum je in die Verlegenheit, das typische Aufheulen des Motors bei erst schleppend einsetzendem Vortrieb erleben zu müssen.

Die drei vom Piloten anwälbaren Fahrmodi bieten eine deutlich wahrnehmbare Spreizung. In der Stellung „Sport“ hängt der Camry sehr gut am Gas und braucht keine großen Anläufe, bis die per Pedal abgerufene Motorkraft in entsprechenden Vortrieb umgesetzt wird. Und auch im Eco-Modus lässt es sich bei vorausschauender Fahrweise gut vorankommen.

Fazit: Der Camry ist das ideale Fahrzeug für Menschen, die ein großes, bequemes Auto, aber eben kein SUV wollen, sich fahrerisch nichts mehr beweisen müssen und vor allem nicht auffallen wollen.

Außerdem hilft es, wenn sie ohnehin selbst wissen, wo es lang geht, ohne sich mit dem Navi herumärgern zu müssen. Und damit auch nicht in die Verlegenheit kommen, einer massiven Stauwarnung samt Routenänderungs-Vorschlag aufzusitzen, obwohl der Stau in der Realität auf der Gegenfahrbahn stattfindet.

Antrieb: Reihen-Vierzylinder, Hubraum 2487 cm³. Kontinuierliches variables Getriebe (e-CVT). Frontantrieb.

Leistung Benzinmotor: 178 PS / 131 kW, max. Drehmoment 221 Nm von 3600 bis 5200 U/min.

Leistung Elektromotor (Drehstrom-Synchronmotor, 650 Volt): 120 PS / 88 kW, max. Drehmoment 202 Nm.

Systemleistung: 218 PS / 160 kW

Baterrie: Nickel- Metallhydrid, 6,5 Ah.

Fahrleistungen: Beschleunigung 0 - 100 km/h in 8,3 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 180 km/h.

Abmessungen: Länge x Breite x Höhe 4.885 / 1.840 / 1.445 mm, Radstand 2825 mm, Kofferraumvolumen 524 l, Eigengewicht 1.595-1.660 kg, zulässiges Gesamtgewicht 2.100 kg. Tankinhalt 50 Liter.

Verbrauch: Normverbrauch nach WLTP 5,3 Liter / 119 g/km CO2, Testverbrauch 5,3 Liter

Kosten: Listenpreis Toyota Canry Hybrid Business 39.790 €, Preis des Testwagens 40.516 €. Motorbezogene Versicherungssteuer neu: 613,44 €/Jahr

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