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© Horst Bauer

Tests
11/08/2021

Die große Hybrid-Limousine für alle, die nicht auffallen wollen

Was beim Toyota Camry nach der Modellpflege besser wurde. Und wo es noch Raum für Verbesserungen gibt

von Horst Bauer

Um es gleich klar zu sagen. Die höchst notwendige Modellpflege hat der großen Toyota-Limousine gutgetan. Obwohl das Facelift optisch gar nicht so gravierend ausgefallen ist. Die äußere Erscheinung wirkt jetzt zwar einen Hauch moderner, der Camry ist aber immer noch kein Design-Aufreger.

Die wichtigste Neuerung, die er mitbekommen hat, ist der an die modernen Zeiten angepasste Cockpit-Bereich. Am augenfälligsten dabei ist der Umstand, dass der winzige Bordmonitor des Vorgängers samt dessen antiquiertem Bediensystem endlich in Pension geschickt wurden. Der neue Camry wird jetzt nämlich wie etwa auch der aktuelle Toyota RAV4 via eines ansehnlichen Touchscreens bedient, dessen Grafik gegenüber dem Mäusekino des Vorgängers ebenfalls aufgefrischt wurde.

Trotz aller Verbesserungen ist die Bedienlogistik allerdings noch immer nicht so ganz das Gelbe vom Ei. Anderswo funktioniert etwa die Navi-Eingabe wesentlich unkomplizierter. Auch die Sprachbedienung folgt hier noch strengen Regeln, was den Aufbau der Anfragen bzw. Befehle betrifft. Das geht anderswo in dieser Liga (und da und dort auch darunter) schon viel einfacher.

Top-Ausstattung

Macht man als Camry-Kunde beim Konfigurieren seiner künftigen Limousine bei der Stufe VIP ein Kreuz, handelt man sich in einem Aufwaschen alles ein, was die Ausstattungsliste so hergibt. Darunter etwa auch eine Skidurchreiche in der Rückbank. Und das verdient nicht nur wegen der Bedeutung speziell für österreichische Kunden Beachtung, sondern vor allem, weil es bei Hybrid-Limousinen japanischer Herkunft lange überhaupt nicht zu haben war. Die Neigung der Rücksitzlehnen lässt sich zudem elektrisch verstellen. Und das ganz elegant via eines Touchscreens, der in die Mittelarmauflage integriert ist und sich erst durch Berührung aktiviert.

Hier kann übrigens auch das Sonnenrollo für die Heckscheibe via Knopfdruck aus- und eingefahren werden. Ein Unterfangen, für das der Fahrer selbst erst durch mehrere Menüpunkte auf dem Zentraldisplay vor dem Lenkrad surfen muss, um den entsprechenden Befehl geben zu können. Was nicht unbedingt als Maßnahme zur Erhöhung der Fahrsicherheit verbucht werden kann.

Ebenfalls aufgerüstet hat Toyota den Camry beim Kapitel Assistenzelektronik. Was einerseits gut und nützlich ist (Totwinkelwarnung, Notbremsassistent etc. sind jetzt in der aktuellsten Version an Bord), anderseits aber auch punktuell nerven kann. Etwa weil sich der piepsende Warnton der Spurverlassenswarnung nicht nachhaltig deaktivieren lässt. Was auf Autobahnen als Unterstützung des Fahrers sinnvoll sein kann, wird auf engeren heimischen Landstraßen schnell nervig. Den japanischen Algorithmen wird es nämlich allzu oft zu eng auf der Fahrbahn, was sie zu ständigem Warngepiepse animiert.

Verbrauch als Pluspunkt

Großer Pluspunkt des Camry bleibt auch nach dem Facelift der weitgehend unverändert gebliebene Antrieb. Vor allem was die Verbrauchswerte betrifft. Eine ausgewachsene Limousine mit diesem Komfort- und Platz-Niveau selbst auf der Langstrecke mit rund 5,7 Liter / 100 km bewegen zu können, ohne auf einen Dieselmotor zurückgreifen zu müssen, das hat schon was. Und bei höherem Kurzstreckenanteil und geringeren Geschwindigkeiten kann sich auch ein 4er vor dem Komma der Anzeige des Durchschnittsverbrauchs zeigen.

Klar ist aber auch: Man sollte keine allzu sportlichen Ambitionen haben, wenn man sich den Camry anlacht (obwohl es bei der Fahr-Modus-Auswahl eine Sport-Stellung gibt). Dann wird man auch mit der Charakteristik des stufenlosen ECVT-Getriebes zurechtkommen, das kein Freund von plötzlicher, starker Leistungsabfrage ist. Wird diese dennoch gefordert, passt die Geräuschkulisse nicht mehr zur ruhigen Erscheinung der Limousine. Der Vierzylinder liefert dann nämlich systembedingt zunächst wesentlich mehr Akustik als Vortrieb ab.

In der täglichen Fahrpraxis kann man damit aber dank technischer Verbesserungen schon wesentlich leichter leben als früher. Auch wenn man mit dem Camry nicht nur flache US-Highways oder japanische Stadtautobahnen befährt.

Unterm Strich ist der Toyota Camry nach dem Update ein Auto für Menschen, die gerne ausreichend Platz haben, eine klassische Limousine aber einem SUV vorziehen. Und die sich in punkto Wahl des eigenen Autos nichts mehr beweisen müssen – und dem Nachbarn schon gar nicht.

Antrieb: Reihen-Vierzylinder, Hubraum 2487 cm³. Kontinuierliches variables Getriebe (e-CVT). Frontantrieb.

Leistung Benzinmotor: 178 PS / 131 kW, max. Drehmoment 221 Nm von 3600 bis 5200 U/min.

Leistung Elektromotor (Drehstrom-Synchronmotor, 650 Volt): 120 PS / 88 kW, max. Drehmoment 202 Nm.

Systemleistung: 211 PS / 155 kW

Batterie: Nickel- Metallhydrid, 6,5 Ah.

Fahrleistungen: Beschleunigung 0 - 100 km/h in 8,3 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 180 km/h.

Abmessungen: Länge x Breite x Höhe 4.885 / 1.840 / 1.445 mm, Radstand 2825 mm, Kofferraumvolumen 524 l, Eigengewicht 1.595-1.660 kg, zulässiges Gesamtgewicht 2.100 kg. Tankinhalt 50 Liter.

Verbrauch: Normverbrauch nach WLTP 5,5 Liter / 126 g/km CO2, Testverbrauch 5,7 Liter

Kosten: Grundpreis 47.690 €, Preis des Testwagens: 48.523,15 €

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