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Tests
01/16/2019

VW Polo als GTI im Test: Extrovertiert, selbstbewusst, aber nicht anlassig

Der kleine VW erstarkt als GTI auf 200 PS.

Wenn ein Auto die legendären drei Buchstaben in der Modellbezeichnung führt, rangiert die Erwartungshaltung zwangsläufig auf einigermaßen hohem Niveau: Seit 1976,  als der erste Golf GTI das Segment der heute Hot Hatches genannten Kompakt-Limousinen begründet hat, steht das legendär gewordene Akronym für gleichermaßen leistbare wie souveräne Performance mit gleichzeitig beruhigend hoher Alltagstauglichkeit.

Da macht auch der neue Polo GTI keine Ausnahme, der nach der jüngsten Modellaufwertung so etwas wie ein Golf-GTI-Jäger geworden ist – und zwar im eigenen Haus. Wer nämlich gegenüber dem Golf in GTI-Konfiguration rund 11.000 Euro sparen will – der kommt in der Basisausstattung auf € 36.940,–, während der Polo ab € 25.990,– zu haben ist – bekommt mit dem Polo im schicken GTI-Ornat ein Auto, das sämtliche in ihn gestellten Erwartungen erfüllt.

Reichliche Power

Mehr als das: Mit 200 PS fehlen dem Polo-Piloten zwar 30 Pferde auf den um 19 Zentimeter größeren GTI-Bruder, aber die fallen im täglichen Fahrbetrieb so gut wie nicht ins Gewicht: Der 2,0-Turbobenziner-Direkteinspritzer – übrigens dasselbe Triebwerk, das auch im Golf Verwendung findet – hängt ebenso satt wie gierig am Gas, liefert ohne zu zögern Leistung und zieht geschmeidig durch: Bei 320 Newtonmeter (ab bescheidenen 1500 U/min) darf da ja mit allem Recht von bulliger Motorcharakteristik gesprochen werden. Wär’ nicht die Drehfreude, der kernig-rotzige, aber dezente Sound, man könnt’ glatt glauben, einen Diesel  zu fahren.

Auch in Bezug aufs Handling hat der GTI mit keinerlei Defiziten zu kämpfen: Die Lenkung arbeitet mit gutem Straßenkontakt und setzt Befehle auf Richtungsänderungen leichtgängig, exakt und mitteilsam um – das Auto folgt Lenkbefehlen so agil, als habe sich das Gewicht auf wundersame Weise beim Einlenken halbiert.

Viel zum erfreulichen Fahrverhalten trägt übrigens auch die bei VW XDS genannte Differenzialsperre bei, die – etwa bei ambitionierten Ritten durch bergige Biegungen – nicht auf den Antriebsschlupf reagiert, sondern vielmehr auf das kurveninnere Rad, um es am Durchdrehen zu hindern. Obwohl wir’s also beim Polo GTI mit einem Fronttriebler zu tun haben, umrundet der kompakte Wolfsburger Radien aller Art mit bemerkenswert hohem Traktionspotenzial.

Erst bei wirklich rabiaten Fahrmanövern zieht das sanft agierende ESP entschlossen den Stecker.

Schön auch, dass der Kompakt-GTI stilistisch selbstbewusst mit reduzierter Nüchternheit auftritt, aber  auf vordergründige Anlassigkeit gänzlich verzichtet: Viel mehr als ein roter Streifen im wabenstrukturierten Kühlergrill, rote Bremssättel, 215/45er-Reifen auf hübschen 17-Zoll-Alus, LED-Rückleuchten, die für ein markantes Nachtdesign sorgen, Dachspoiler  und ein Chrom-Doppelendrohr der Abgasanlage hat der Top-Polo nämlich nicht zu  bieten.

Gut so, das Auto hat proletoide Effekthaschereien nämlich eh nicht nötig.