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© Horst Bauer

Tests
11/17/2021

Opel Crossland: Neue Schale, nicht ganz so neuer Kern

Warum das Automatik-Getriebe nicht die erste Wahl ist. Und was sich vergleichbare Konkurrenten vom Crossland abschauen könnten

von Horst Bauer

Nach dem Facelift trägt der Crossland jetzt auch das neue Opel-Gesicht mit dem breiten „Visor“. Man sieht ihm jedoch an, dass er nicht damit geboren wurde. Was beim neuen Mokka und dem kommenden Astra stimmig wirkt, kommt hier etwas aufgesetzt daher. So wirkt der Crossland nach der Modernisierungskur jetzt schmäler und hochbeiniger, als er tatsächlich ist.

So sehr die Optik also auch polarisieren mag, an den Platzverhältnissen gibt es nichts auszusetzen. Vor allem die Vordersitze tragen nicht zu Unrecht das Gütesiegel der deutschen "Aktion gesunder Rücken". Sie sind nicht nur solide gefertigt, sondern auch sehr gut verstellbar und absolut langstreckentauglich. In diesem Punkt können sich andere in diesem Segment (und nicht nur dort) von dem kompakten Opel-SUV etwas abschauen.

Teil des Updates, dem der Crossland im Zuge der Modellpflege unterzogen wurde, war auch die Erneuerung der diversen elektronischen Assistenten. Eines der Ergebnisse davon, auf die man in der Fahrpraxis sofort stößt: Der Spurverlassenswarner ist auf engen Landstraßen genau so nervös, wie bei den meisten anderen Autos auch, denen diese elektronische Fahrhilfe verpasst wurde. Im Opel Crossland lässt er sich aber dankenswerterweise mit einer leicht auffindbaren Taste anlassbezogen deaktivieren. Man muss als von dem ständigen Gepiepse genervter Fahrer also nicht in die Tiefen der Bordcomputer-Untermenüs abtauchen, um Linderung zu erwirken. Was nicht nur dem Nervenkostüm, sondern auch der Aufmerksamkeit des Piloten für das Geschehen auf der Straße zuträglich ist. Allerdings will der bewusste Knopf nach jedem Neustart des Motors wieder gedrückt werden, soll weiter Ruhe im Cockpit herrschen.

Weniger gut gelungen scheint die Software für die Smartphone-Anbindung via Kabel, Stichwort Android-Auto oder Apple CarPlay. Zumindest der Testwagen und ein Samsung Galaxy A6 wurden trotz mehrfacher Versuche keine Freunde auf Android-Auto.

Der eigentliche Schwachpunkt des Crossland-Testwagens war jedoch die 6-Gang-Automatik bzw. deren Abstimmung mit dem kleinen 1,2-Liter-Dreizylinder, der via Turbo auf 130 PS Leistung gebracht wurde. Von harmonisch kann im Zusammenspiel von Motor und Getriebe meist keine Rede sein. Die Schaltpunkte stimmen selten mit der Leistungscharakteristik des Motors überein, die Algorithmen sind ständig am Nachschärfen der eigenen Schalt-Entscheidungen. Manchmal hat man gar das Gefühl, in einem Fahrzeug mit automatischer Kupplung aus der Vor-DSG-Ära unterwegs zu sein (Stichwort: Nickautomat).

Außerdem lästig in der Praxis: Durch die träge Schaltung und das langsame Start-Stopp-System rollt man beim Anfahren auf Steigungen leicht zurück. Da ist die gute alte Linksbrems-Technik gefragt, obwohl ja der automatische Hillholder eigentlich schon erfunden ist. Und es anderswo schon bis in die Kleinwagenklasse geschafft hat.

Das gilt auch für die adaptive Geschwindigkeitsregelung, die man für den Crossland auch für Geld und gute Worte nicht bekommt. Ein klassischer starrer Tempomat ist hier trotz aller Aufrüstung mit elektronischen Helfern das Höchste der Gefühle.

Womit wir beim Verbrauch wären. Der lag im realen Testschnitt bei 7,7, Litern für 100 km, was nicht berauschend ist für ein Auto dieses Kalibers. Dies umso mehr, als ein größerer Teil der Teststrecke über die Autobahn führte, als durch den Stadtverkehr.

Unterm Strich sieht der neue Crossland moderner aus, als er es tatsächlich ist.

Tipp: Wer nicht komplett auf Kriegsfuß mit Kupplungspedal und Ganghebel steht, dem sei die Variante mit dem manuellen 6-Gang-Getriebe empfohlen. Die kostet nicht nur weniger, durch die besseren Normverbrauchswerte fällt auch um ein bis zwei Prozent (je nach Ausstattung) weniger NOVA an.

Antrieb: 1,2-l-Turbo-Benziner, 3 Zylinder, Leistung 130 PS / 96 kW bei 5.500 U/min, maximales Drehmoment 230 NM bei 1.700 U/min, 6-Gang-Automatik, Abgasnorm Euro 6d.

Fahrleistungen: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,9 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 201 km/h.

Abmessungen: Länge x Breite x Höhe in mm  4.212 x 1.825 x 1.605, Radstand 2.604 mm, Wendekreis 10,7 m, Gepäckraumvolumen 410 - 1.255 l, Höhe Ladekante 728 mm, Tankinhalt 45 l. Leergewicht 1.259 kg, zulässiges Gesamtgewicht 1.790 kg, Anhängelast gebremst / ungebremst 840 / 600 kg.

Verbrauch: Normverbrauch 6,1 - 6,2 l / 100 km (137 - 141 g/km CO2), Testverbrauch 7,7 l / 100 km.

Kosten: Grundpreis Opel Crossland 1,2 Automatik Ultimate 25.999,20 €, Preis des Testwagens 33.919,18 €

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