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Zweirad
04/09/2022

BMW CE 04: So pfeift man durch die Stadt

Die Bayern bringen den einzigen Elektroroller in der A2-Klasse – und das schon in zweiter Generation

von Peter Schönlaub

Während viele namhafte Zweiradhersteller noch vor dem Thema zurückscheuen, bringt BMW sogar schon die zweite Generation eines Elektrorollers an den Start. Allerdings nicht als Weiterentwicklung, sondern als völligen Neubeginn: technisch wie auch im Design.

Während der C Evolution (Marktstart 2014) im Look noch als verwechslungsfähig mit seinen Benzinbrüdern gelten durfte, macht der neue CE 04 auf den ersten Blick klar: Hier kommt Neues, hier kommt Elektrisches.

„Die alternative Antriebstechnologie schafft neue Freiräume für Gestalter – und die wollten wir auch nützen“, erklärt Edgar Heinrich, Chefdesigner von BMW Motorrad im Gespräch mit dem Zweirad KURIER. So entstanden ein gewaltig langer Radstand, eine flache Silhouette und die witzige Hecklösung mit Einarmschwinge und optisch frei stehendem Hinterrad samt Scheibenfelge.

Pkw-Komponenten

Für die technischen Komponenten bediente sich BMW bei den Kollegen im Autoressort: Die Batterien entstammen der fünften und damit aktuellsten Generation, wie sie beispielsweise auch im iX verwendet wird; der Motor ähnelt jenem aus den Zweier-Hybrid-Modellen.

Mit 8,9 kWh an Speicherkapazität soll der CE 04 rund 130 Kilometer Reichweite erzielen, der Motor selbst sorgt mit 42 PS Spitzenleistung und 62 Newtonmeter Drehmoment für muntere und zum Teil sogar erstaunliche Fahrleistungen. Die Höchstgeschwindigkeit ist zwar bei 120 km/h abgeregelt, aber der Start an der Ampel oder kurze Zwischensprints absolviert der mit 231 Kilo gar nicht so leichte Roller äußerst engagiert.

Es ist der tiefen Einbaulage der Flachspeicherakkus zuzuschreiben, dass sich der Roller trotz seines Gewichts einfach fährt und in der Stadt einigermaßen wendig ist. Auf der Autobahn sorgt der lange Radstand (nur zwei Zentimeter weniger als bei einer Honda Gold Wing!) für stoische Gelassenheit, auch beim Bremsen bleibt der Scooter stabil wie eine Dampfwalze.

Die angenehme Fahrbarkeit wird auch von einer blitzsauberen Abstimmung des Elektroantriebs begünstigt, hier merkt man die mittlerweile schon jahrzehntelange Entwicklungsarbeit. Die Dosierbarkeit ist hervorragend, jede Angst vor unberechenbaren Aktionen des Stromers ist völlig unberechtigt.

Regelbare Fahrdynamik

Das Fahrverhalten selbst wird auch sehr stark vom gewählten Fahrmodus beeinflusst. Drei Modi (Eco, Road, Rain) sind serienmäßig einstellbar, Dynamic kostet Aufpreis. Damit justiert man nicht nur das Ansprechverhalten des Motors und die maximal verfügbare Power, sondern vor allem auch den Grad der Rekuperation. Beim Rollen oder Bremsen wird ja Energie zurückgewonnen, was für den Fahrer ähnlich einer Motorbremswirkung spürbar ist.

Die Fahrmodi beeinflussen, wie stark diese „Motorbremswirkung“ ausfällt; bei Eco und Dynamic ist dieser Effekt sogar so stark, dass mitunter die Bremsleuchten aktiviert werden und man über weite Strecken ohne Benützung der „echten“ Bremse auskommt. Dies ist freilich gewöhnungsbedürftig, macht aber andererseits auch Spaß und stählt den Ehrgeiz, kein Fünkchen Energie mehr durch Bremsen in Reibungswärme umzuwandeln und dadurch zu verschwenden.

Die Ausstattung selbst ist gut, aber noch ausbaubar. ABS, Traktionskontrolle, die erwähnten drei Fahrmodi und das große TFT-Display samt App-Connectivity sind serienmäßig. Ebenfalls der intelligente Schlüssel, der auch die Entriegelung des Seitenfachs steuert. Der Helm wird ja nun über diesen seitlichen Deckel verräumt, auch hier beschreitet BMW neue Wege.

Das Smartphone kann in einem kleinen Fach in der linken Front verschwinden und dort auch geladen werden. Erst gegen Aufpreis stehen ein Hauptständer, schräglagenabhängige Assistenzsysteme (Kurven-ABS, DTC), ein großer Windschild, ein Topcase, eine Seitentasche, diverse Sitzbänke, das LED-Tagfahrlicht oder auch Kurvenlicht zur Verfügung.

Zwei Varianten

Auf Wunsch ist auch eine leistungsreduzierte Variante erhältlich, die den CE 04 in die 125er-Klasse einordnet. Damit lässt er sich mit A1-Schein oder Code111-Zusatz zum B-Schein fahren. Aufgrund seltsamer Homologationsvorschriften muss man aber mit einem teilweise stillgelegten Akku leben, wodurch die Reichweite auf 100 Kilometer sinkt.

Der BMW CE 04 ist seit kurzem bei den österreichischen Händlern und kostet 12.150 Euro. Mit der vollen Leistung ist er für die seit heuer erhöhte Elektroförderung von 1900 Euro qualifiziert; als A1-Modell sind es 1200 Euro.

Motor/Antrieb
Synchron-Elektromotor, flüssig gekühlt; 15 kW (20 PS) Dauerleistung und 31 kW (42 PS) Maximalleistung; Version A1: 11 kW (15 PS) Dauerleistung und 23 kW (31 PS) Maximalleistung; einstufiges Primärgetriebe, Endantrieb über Zahnriemen

Batterie
Luftgekühlte Li-Ionen-Hochvoltbatterie; 8,9 kWh; integriertes Ladegerät; Ladezeit 4:
20 Stunden, mit opt. Schnellladegerät 1:40 Stunden


Maße/Gewichte Radstand: 1.675 mm, Sitzhöhe: 780 mm, Gewicht: 231 kg
Fahrwerte: Vmax: 120 km/h, Reichweite: 130 km


Preis
12.150 Euro

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