Zweirad
13.04.2018

BMW G 310 GS: Kleinformat in stattlicher Größe

Der weitere Ausbau der neuen Einstiegsreihe beschert uns die kleinste GS aller Zeiten.

Wie unterschiedlich Dimensionen wirken können, lehrt dieses neue Motorrad von BMW. Am Datenblatt wirkt es nämlich wie die Miniaturausgabe einer Ikone, wie eine GS für den Setzkasten: mit nur einem Zylinder, überschaubaren 34 PS und dem fragilen Gewicht von 169 Kilo – bereits vollgetankt.

Steht man indes vor dem Bike, dann will sich der Gedanke an Minimalismus und Schrumpfung gar nicht mehr einstellen. Die bislang kleinste GS aller Zeiten wirkt im direkten Kontakt erwachsen und, ja, richtiggehend stattlich. Üppige 180 Millimeter Federweg an beiden Rädern lassen sie hoch aufschießen, klassische GS-Designmerkmale wie der in Schwebeposition angesetzte vordere Kotflügel verfehlen ihre Wirkung ebenfalls nicht.

Sorgfalt im Detail

Bei einem genauen Blick rundum erkennt man weitere elegante Details, die im Kontrast zum schlanken Preis von 5950 Euro stehen: die sorgsam gestalteten Seitenteile am Tank, eine aufwendig gearbeitete Gabelbrücke, hochwertige Schaltereinheiten oder eine Alu-Schwinge.

Auch die Verarbeitung des in Indien bei Partner TVS gefertigten Bikes wirkt fugenlos. Technisch basiert die kleine GS auf dem Roadster G 310 R. Der Rahmen sowie der neu konstruierte Einzylinder sind bei beiden Modellen identisch. Letzterer leistet daher auch in der GS die schon erwähnten 34 PS, ein maximales Drehmoment von 28 Newtonmeter und sorgt für einen Topspeed von 143 km/h.

 

Unterschiedlich sind neben der Optik und den längeren Federwegen vor allem die Ausstattung und die Bereifung. Ein 19-Zoll-Vorderrad unterstreicht nicht nur den Abenteuer-Look, sondern erleichtert tatsächlich auch Touren ins leichte Gelände. Gröber profilierte ReifenMetzeler Tourance in eigener Spezifikation für dieses Modell – wurden ebenfalls für diesen Zweck abgestimmt. Die Ausstattung wiederum beinhält eine massive Gepäckbrücke sowie den klein wirkenden Windschild vorne.

In Summe bringt die GS daher um elf Kilo mehr auf die Waage als die G 310 R, bleibt aber mit 169 Kilo vollgetankt noch immer ein Federgewicht. Gerade letzter Punkt dominiert zunächst den Fahreindruck: Es ist ein Spiel mit leichter Hand, ein flockiger Tanz in den Kurven, den man mit der G 310 GS aufführen kann. Am breiten Lenker zieht man sie ohne geringste Mühe durch die Radien, gleichzeitig bleibt sie doch souverän – besser geht’s nicht.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig gestaltet sich indes das Anfahren, da der Einzylinder, um die Drehfreudigkeit zu fördern, mit einer minmalen Schwungmasse versehen wurde. So lässt sich der Motor schnell abwürgen, gibt man beim Anfahren nicht genügend Gas oder lässt die Kupplung ein Alzerl zu schnell aus.

Auch die Bremserei erfordert Eingewöhnung, da die Front beim starken Verzögern tief eintaucht – ein Tribut an die langen Federwege, die auch kleineren Fahrerinnen und Fahrern eine Nuss zu knacken geben: 835 Millimeter Sitzhöhe sind nur um 15 Millimeter weniger als bei einer großen R 1200 GS. Mit einem Austauschsattel lässt sie sich immerhin auf 820 Millimeter absenken.

Neue Leichtigkeit

Unerwartete Freuden bringt die erste Testfahrt: Der Einzylinder läuft dank Ausgleichswelle sehr sanft, dreht lebendig hoch und gibt dabei einen sportlich-kernigen Sound von sich. Erst bei Autobahntempo wird’s laut, dann treten auch kleinere Vibrationen auf – aber als Reisemotorrad wird die kleine GS ohnehin nicht gesehen, was auch durch das fehlende Angebot von Seitenkoffern symbolisiert wird.

Für kurzweilige Ausflüge, den Pendelverkehr oder das Wuseln durch die Stadt ist die GS mit ihrer aufrechten Sitzposition, dem damit einhergehenden guten Überblick und der spielerischen Wendigkeit aber ein maßgeschneidertes Angebot, das den Kreis der GS-Freunde noch weiter vergrößern dürfte.