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Zweirad
06/09/2022

BMW K 1600 GTL: Einmal im Leben einen Sechser

Der schnellste und komfortabelste Fernfahrer auf zwei Rädern wird noch schneller

Willkommen in der Oberklasse! Mindestens 32.850 Euro kostet das luxuriöseste Reisemotorrad von BMW. Addiert man die unserem Testfahrzeug angediehenen Extras – Style Exclusive, Komfortpaket und Option-719-Schmiederäder –, zahlt man für das Zweirad bald den Grundpreis einer 156 PS starken 3er-Limousine.

Der auf Euro-5-Norm getrimmte Reihensechszylinder der K-1600-Baureihe leistet allerdings 160 PS, braucht dafür um 1000 Kurbelwellenumdrehungen weniger als zuvor, während das maximale Drehmoment jetzt 180 statt 175 Newtonmeter beträgt.

Zugute kommen diese Modifikationen nicht nur der GTL, sondern allen vier Sechszylinder-Modellen, deren Serienausstattungen außerdem um das Dynamic ESA mit automatischem Fahrlagenausgleich, die Motor-Schleppmoment-Regelung, das aus der RT bekannte 10,25-Zoll-Display und einen Voll-LED-Scheinwerfer mit adaptivem Kurvenlicht erweitert wurden.

Motorische Eleganz

Schlüssellos gestartet säuselt der Inline-Six im typisch sonoren Tenor vor sich hin und manövriert den Reisedampfer ruhig und präzise aus der Hotelausfahrt; anfängliche Nervosität und Unsicherheit weichen gesundem Respekt.

Die Kupplung kommt etwas spät, wodurch man anfangs dazu neigt, das Gas zu weit aufzudrehen und beim Wenden und in engen Kurven mitunter etwas ungeschickt wirkt. Über die für so ein sportliches Motorrad ungewöhnlich niedrige Sitzhöhe von 750 Millimetern ist man angesichts der schieren Masse nicht unglücklich, erst recht mit Begleitung und gefülltem Topcase. Die „Sitzbank hoch“ aus dem Zubehör bringt auf Wunsch ein Plus von 30 Millimetern und eine etwas aktivere Haltung.

Wir fahren den Windschild per Knopfdruck elegant hoch und es wird still um den Helm. Man könnte nun über das serienmäßige Audiosystem 2.0 einer opulenten Oper von Wagner lauschen oder aber einfach die Ruhe genießen, so ein Manager-Alltag ist schließlich stressig genug.

Street-Surfing

Für schlechteres Wetter oder höhere Lagen bietet die fahrende Luxusinsel an Sitz und Griffen auch eine Heizung an – die wahren Brennstäbe zum Heizen befinden sich allerdings in den Zylindern. Unterstützt vom optionalen Schaltassistent Pro, der das Kuppeln beim Hinauf- und Herunterschalten überflüssig macht, und der Motor-Schleppmoment-Regelung, die das Stempeln des Hinterrades bei scharfen Bremsmanövern verhindert, mutiert der 358 Kilo schwere Tourer im Winkelwerk zum Surfbrett.

Majestätisch-athletisch gleitet der Betuchte übers Land und verliert ob des spielerischen Handlings auch beim Aufstieg zum Gipfel über Spitzkehren-Treppen nicht seinen Stolz. Diesem nicht ganz gerecht werden nur ausgefallene Farbvarianten wie die Lackierung „Midnight“ in „Meteoric Dust II metallic“. Da bleiben wir lieber beim gravitätischen „Gravity Blue metallic“ und schweben über den Dingen.

Motor/Antrieb
R6-Zyl., flüssig gek., DOHC, 4V pro Zyl., 1.649 ccm, 118 kW (160 PS), max. Drehmoment 180 Nm

Fahrwerk
Alu-Brückenrahmen, elektron. Fahrwerk, v/h 320-mm-Scheibenbremsen, Reifen  120/70-17 und 190/55-17

Maße/Gewichte
Radstand: 1760 mm, Sitzhöhe: 750 mm; Gewicht fahrfertig: 358 kg

Preis 32.850 Euro

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