© Werk/Daniel Kraus

Zweirad
05/05/2020

BMW S 1000 XR: Rassig Reisen

Der extrascharfe Reise-Untersatz aus Bayern wird mit frischer Rennsport-DNA auf den letzten Stand der Technik gebracht.

Seit Markteinführung 2015 gilt die extrapotente BMW S 1000 XR als real gewordener Wahnsinn im Touring-Segment. Jetzt geht das „Adventure-Sports-Bike“ in die nächste Runde: BMW packt erneut die exzessive Power des hauseigenen Racing-Superbikes in eine 233 Kilo schwere Reiseenduro mit 17-Zoll-Straßenbereifung.

Sie profitiert 2020 von noch mehr Hightech als je zuvor, denn erst vor wenigen Monaten wurde das 207 PS starke Racing-Kraftwerk zugunsten optimierter Wettbewerbsperformance umfangreich nachgeschärft – Optimierungsmaßnahmen, die nun auch dem langbeinigen Touren-Ableger S 1000 XR zugutekommen.

In puncto Leistung muss sich die reisetauglich getrimmte XR jedoch weiterhin mit „nur“ 165 Pferdestärken und 114 Newtonmetern Drehmoment zufriedengeben. Titanventile und die neue, variable Nockenwellensteuerung von BMW Motorrad kommen bei der jüngsten Generation der ab 19.950 Euro erhältlichen S 1000 XR nämlich nicht zum Einsatz. Eine verschmerzbare Einbuße, schließlich ist der Verzicht auf defektanfällige Komponenten im alltäglichen Langstreckenbetrieb durchaus vernünftig.

Trotz erhöhter Verdichtung des Reihenvierzylinders ist das nutzbare Drehzahlband dank modifiziertem Ansaugsystem und neuer Nockenwellenprofile nun merklich breiter, die Kraftentfaltung fühlt sich ab 3.000 Touren generell fülliger und gleichmäßiger an. Weil die obersten drei Gänge länger übersetzt sind, sinkt hier nicht nur das Drehzahlniveau deutlich – auch den Durchschnittsverbrauch und das Motorgeräusch will BMW reduziert haben.

Gesitteteres Geräusch

Tatsächlich können wir der S 1000 XR nach unserer ersten Probefahrt eine gravierend weniger kreischende und damit akustisch deutlich verträglichere Soundkulisse attestieren. Damit wurde ein von Tourenfahrern bisher häufig genannter Kritikpunkt erfolgreich neutralisiert.

Gegenüber ihrem Vormodell wiegt die neue XR dank umkonstruiertem Motorgehäuse, modifiziertem Ansaugsystem und abgespecktem, schmalerem Alu-Chassis mit überarbeiteter Geometrie ausstattungsbereinigt satte zehn Kilo weniger.

Rein hypothetisch jedenfalls, denn die jüngste Generation wurde schon zum Einstiegspreis üppig aufmunitioniert. Neben vier Fahrmodi, adaptivem Elektronik-Fahrwerk mit neuer Ventiltechnologie, justierbarem Kurven-ABS samt Bremsassistent, Motorschleppmoment-Regelung und optimierter dynamischer Traktionskontrolle ist auch das vielfach gelobte 6,5-Zoll-TFT-Instrument mit Bluetooth-Schnittstelle inklusive. Voll-LED-Licht (Tagfahrlicht und adaptives Kurvenlicht gegen Aufpreis) und Berganfahrhilfe sind ebenfalls serienmäßig.

In den optionalen Schaltassistent für kupplungsfreie Gangwechsel sind rund 342 Euro Aufpreis gut investiert. Tempomat, Heizgriffe und Keyless-Go zählen zur weiteren Sonderausstattung.

Veränderte Ergonomie

Der Knieschluss am 20-Liter-Tank fällt spürbar enger aus als bisher. Der Pilot rückt für besseres Vorderrad-Gefühl außerdem weiter nach vorne. Diese frisch aufgekeimte Sportlichkeit wird jedoch augenblicklich vom 840 Millimeter hohen „Schalensitz“ erstickt, der die Bewegungsfreiheit stark limitiert. Warum BMW obendrein die Lenkerbreite gekappt hat, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar.

Immerhin schlucken die neuen Lenkerklemmböcke mit eingepressten Gummibuchsen sämtliche Vibrationen, ohne der Lenkpräzision zu schaden. Die aerodynamische Effizienz der Verkleidung und der Wetterschutz wurden ebenfalls spürbar verbessert: Die per Kipphebel zweistufig verstellbare Plexiglas-Scheibe hält Turbulenzen vom Helm wirksam fern. Beim Reisen äußerst willkommen sind auch das praktische Mautkarten-Ablagefach im Tankcover und der fast zwei Liter große Stauraum unter dem Soziussitz.

Komfortabler

Auf Asphalt-Flickwerk brilliert besonders die Federung der neuen S 1000 XR mit gravierend erweitertem Dämpfungsbereich und spürbar gesteigertem Komfort. Während die Racing-DNA gewahrt wurde und der explosive Antrieb die XR-Besatzung jederzeit ansatzlos vorwärts katapultiert, ist die Tourentauglichkeit des Bikes nach dem Update also in allen Belangen deutlich gewachsen.