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Zweirad
04/05/2022

Die neuen Modern Classics Bikes: Wie früher, nur besser

Echtes Metall, glänzendes Chrom, schöner Sound: Die Freude am Vintage-Style ist ungebrochen

von Peter Schönlaub

Der Retro- oder Vintagetrend verblasst, meinen all jene, denen die Ehrung der Zweirad-Vorfahren nie wirklich gefallen hat. Die Neuheiten für die kommende Saison sprechen dagegen: Hier entrollen sich reihenweise fröhliche, sympathische Motorräder, die der Simplizität huldigen, der Freude an schönen Formen, dem entspannten Wirken an der Lenkstange.

Kawasaki Z650RS

Mit der Z900RS hat Kawasaki schon einige Jahre ein erfolgreiches Nostalgiemodell im Programm, das auf einer modernen technischen Basis aufbaut. Dieses Rezept wiederholt man nun eine Klasse tiefer: Die beliebte Z650 wird behutsam umgewandelt und umgeformt, sodass als Ergebnis ein herrlich designtes Naked Bike mit Anklängen an die eigene Historie entstand.

Kennzeichen sind der lang gestreckte Tank mit eleganten Zierlinien und dreidimensionalem Logo, die analogen Doppel-Instrumente (mit LCD-Fenster), der runde Scheinwerfer (mit LED-Technologie) und Alu-Gussfelgen mit zierlichen Speichen.

Technisch bleibt so gut wie alles beim bewährten Z650-Rezept, auch die RS-Version bringt es demnach auf 68 PS, kann mit 187 Kilo vollgetankt als Leichtgewicht gelten und mit einem Preis von 8.299 Euro als freundliches Vintage-Schnäppchen.

Brixton Cromwell 1200

Die junge österreichische Marke strebt nach Größerem und bringt mit der Cromwell 1200 ihr erstes Big Bike auf den Markt. Das in China gefertigte, hübsche Zweizylindermodell mit 82 PS und einem maximalen Drehmoment von 108 Newtonmeter soll vor allem gegen die Briten – Triumph! – ins Feld ziehen, wofür sie auch mit einer Traktionskontrolle, einem TFT-Display, einem Tempomaten und zwei Fahrmodi fit gemacht wurde. Der Preis: ambitionierte 10.999 Euro.

Royal Enfield Classic 350

Die Inder schließen ein wenig jene Lücke, die mit dem Euro-5-Ende der Bullet entstanden ist. Die Classic 350 ist zwar mit ihren 20 PS aus dem neuen, luftgekühlten Single, der auch die Meteor 350 antreibt, ein wenig schwächer, dafür ist das Gesamtkonzept deutlich moderner.

Sichtbares Zeichen ist das kleine Zusatzdisplay für Navi-Richtungsanzeigen via Smartphone-App, das aufgrund der Chipkrise allerdings erst nachgereicht wird. Die Royal Enfield Classic 350 kommt in vielen Farben zu Preisen ab 5.090 Euro.

BSA Gold Star 650

Noch ein Rückkehrer mit Indien-Connection: Die große Mahindra-Gruppe hat sich vor ein paar Jahren die Rechte an der Traditionsmarke aus Birmingham gesichert und präsentierte nun das erste neue Modell. Die Gold Star wird wie weiland von einem Einzylinder angetrieben, der allerdings völlig neu und unter Mithilfe der TU Graz konstruiert wurde. Das flüssig gekühlte, angeblich besonders sparsame Triebwerk leistet vorderhand 46 PS und ist auch für leistungsstärkere Versionen vorbereitet.

Der Marktstart des damit befeuerten Retrobikes erfolgt dieser Tage in England, im Lauf des Jahres soll auch ein Vertrieb am Kontinent aufgebaut werden.

Yamaha XSR900

Das sportlich-agile Vintagebike von Yamaha geht in die zweite Runde und forciert dabei seine Dynamik weiter. Mit seinem knackig-kurzen Heck, gelochten Scheinwerferhaltern und vom Racing inspirierter Lackierung soll die XSR900 die flotteren Fahrer verführen. Dazu passt auch ein Tuning des Dreizylinders, der wie in der MT-09 auf 889 Kubikzentimeter wächst und nun 119 PS bietet. Ein stabilerer Alurahmen, leichtere Felgen, ein TFT-Display und aufgewertete Assistenzsysteme sind weitere Kennzeichen des hübschen Hooligans. Preis: ab 11.799 Euro.

Ducati Scrambler

Wie in den letzten Jahren hält Ducati seine Scrambler-Palette durch neue Versionen im Gespräch. Für 2022 bringen die Italiener jeweils eine neue Variante pro Hubraumklasse.

Äußerst gelungen wirkt die 85 PS starke Scrambler 1100 Tribute Pro im klassischen Dottergelb, mit braunem Sattel und jenem Tankschriftzug, den der Designer Giugiaro in den Siebzigern entworfen hat. Dazu gibt’s schwarze Speichenräder, wofür unterm Strich 15.995 Euro aufgerufen werden.

In eine völlig andere Kerbe schlägt die Scrambler Urban Motard mit 73 PS starkem 800er-V2. Mit den Tankschriftzügen im Gaffiti-Style, dem hoch gesetzten Front-Kotflügel und den sportlich profilierten 17-Zoll-Reifen will man junge Fahrer ansprechen, die vom Heritage-Look der Scrambler-Palette bisher nicht begeistert werden konnten. Der Preis für die luftgekühlte Urban Motard liegt bei 13.695 Euro.

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