Zweirad
15.04.2018

Erste Ausfahrt mit der neuen Honda CB1000R

© Bild: Werk/Francesco Montero

Stil und Richtungswechsel: Es gibt mehr Muskeln, die auch gekonnt in Szene gesetzt werden.

Naked Bikes mit vier Zylindern werden bei Honda mit besonderer Akribie entwickelt. Klar, immerhin hat man diese Gattung einst erfunden und daher bis heute einen besonders starken Bezug zu diesen charismatischen, mächtigen Geräten.

Das mächtige Auftreten ist auch ein gutes Stichwort für die neueste Generation der CB1000R, die ihre Vorgängerin nach einer Dekade ablöst. „Neo Sports Café“ nennt Honda diesen Stil, der im römischen Designstudio der Marke entwickelt wurde. Er vermischt Elemente aus der Vintage- und Custom-Szene mit hypermodernen Komponenten. Dazu lassen die Designer das Bike mit einigen Kunstgriffen extrem kompakt, bullig und muskulös wirken.

 

© Bild: Werk/ULA SERRA

Der Eindruck von Kraft ist bei der auf 145 PS angestiegenen Leistung keineswegs eine Mogelpackung, die Bulligkeit täuscht aber. Mit 212 Kilo fahrfertig hat die CB1000R gegenüber ihrer Vorgängerin um zwölf Kilo abgespeckt und zählt nun zu den leichteren Big-Nakeds am Markt. Die wichtigsten Bereiche, die zum Gewichtsverlust beigetragen haben, sind Auspuff, Rahmen und Schwinge.

Nicht gänzlich neu ist der Motor, der in Grundzügen immer noch auf die Fireblade des Jahrgangs 2006 zurückgeht. Freilich besitzt er nun eine elektronische Drosselklappe, damit auch vier Fahrmodi und neu hinzugekommene Feinheiten wie geschmiedete Kolben. Eine dreistufige und abschaltbare Traktionskontrolle zählt zum Basispreis von 14.790 Euro ebenso zum Serienumfang wie die Voll-LED-Beleuchtung und das vor Informationen fast überquellende LCD-Display.

© Bild: Francesc Montero

Schnelles Schalten

Ein Quickshifter fürs Hinauf- und Herunterschalten ist optional zu haben oder als Teil der um 1600 Euro teureren Plus-Version, die obendrein Heizgriffe und zahlreiche Aluminium-Teile wie etwa den kleinen Schild über dem Scheinwerfer beinhält.

Neu konstruiert wurden hingegen der Zentralrohrrahmen aus Stahl mit Alu-Heckträger, die verkürzte Einarmschwinge mit breiterem Hinterrad (190!) sowie die Fahrwerkselemente samt Bremsanlage. ABS ist natürlich serienmäßig, eine schräglagenabhängige Funktion fehlt aber leider.

Beim Fahren zeigt sich die CB1000R sowohl gereift als auch von neuer Motivation erfüllt. Der deutlich kräftigere Motor sorgt in Verbindung mit kürzer übersetzten unteren Gängen für spektakuläre Performance, unterlegt von sonorem Sound aus der diesbezüglich getunten Airbox. Gleichzeitig hat Honda der Versuchung widerstanden, die CB1000R zu einem Undercover-Superbike zu machen und damit den Weg einiger Mitbewerber einzuschlagen. Der Fokus der großen CB liegt eindeutig auf der Straße, was am hohen Komfort-Maß ersichtlich wird. Sowohl die 43er-Upside-down-Gabel (voll einstellbar) als auch das Federbein (in Vorspannung und Zugstufe verstellbar) bügeln Verwerfungen der Straße glatt und bedingen ein souveränes, angenehmes Fahrverhalten.

Erstaunlich handlich

© Bild: Werk/ULA SERRA

Dass die Sportlichkeit dabei nicht auf der Strecke bleibt, spricht für die Kunst der Entwickler. Die CB1000R lenkt widerspruchslos ein, zeigt sich in Wechselkurven wendig und bleibt in Schräglage stabil – außerdem fehlerverzeihend, wenn man in Kurven am Gas oder auf der Bremse nachjustieren muss. Umgekehrt bietet sie bei abrupten Stoppies mit der fein dosierbaren Bremse viele Reserven dank der schön progressiv arbeitenden Gabel.

Unterm Strich: Die neue CB1000R ist eine Punktlandung für jene, die nicht nach übertriebenen Rekorden, sondern nach alltagsgerechter Sportlichkeit, nach harmonischer Dynamik suchen – und einem Auftreten, das trotzdem die Muskeln spielen lässt.