Zweirad 19.05.2018

KTM 1290 Super Duke GT: Zwei Seelen in einer breiten Brust

© Bild: KTM

Der erste Sporttourer aus Mattighofen übersetzt den gepflegten Wahnsinn auf die lange Distanz.

Sporttourer sind eine Kategorie, die in den letzten Jahrzehnten ein wenig aus der Wahrnehmung gefallen sind. Der Schatten der Reisenduros ist einfach zu mächtig, da bleibt für die einstigen Vorzeige-Allrounder wenig Licht, um zu glänzen.

KTM versucht es seit zwei Jahren dennoch – und ist dabei erstaunlich erfolgreich. Abgeleitet von der technischen Basis des Naked Bike gelingt mit der GT nämlich kein Kompromiss, sondern eine Verknüpfung zweier Welten: Hier bekommt man ein Reisemotorrad mit der Seele eines Sportbikes.

Hauptverantwortlich dafür ist natürlich der famose LC8-Motor, der in seiner hubraumstärksten Auslegung mittlerweile auch in der 1290 Super Adventure Dienst versieht. Im Naked Bike und in der GT darf er aber nochmals stärker auftreten und spektakuläre 173 PS abliefern. Ebenso brachial ist das maximale Drehmoment von 144 Newtonmeter; 80 Prozent davon zerren bereits ab niedrigen 3000 Umdrehungen an der Kette.

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© Bild: Werk/www.albertocorvetti.com

Geschmeidige Kraft

So explosiv die Performance ist, so geschmeidig tritt der Motor auf. Dass dieses Kunststück überhaupt gelingt, verdankt man der elektronischen Drosselklappe und einer blitzsauberen Abstimmung. Erst dadurch werden die Bärenkräfte so gut gezähmt, dass jeder Gaswechsel sanft vonstatten geht und unter keinen Umständen überraschende Impulse entstehen, die einen haushoch aus dem Sattel katapultieren.

Fürs Touren sind diese Eigenschaften naturgemäß ein Segen: Man schwimmt auf der Welle des Drehmoments und muss bei touristischer Fahrweise wenig Schaltarbeit verrichten. Dafür hat man übrigens serienmäßig einen sehr gut funktionierenden Quickshifter an Bord, der aber als erste Generation leider nur fürs Hochschalten konzipiert wurde; hier steht ein Update noch aus.

Perfekte Ergonomie

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© Bild: Werk/www.albertocorvetti.com

Bei weiten Reisen schätzt man auch die sehr gute – und individuell anpassbare – Ergonomie samt hervorragend gestaltetem Sattel, dazu ein feines Programm an Zubehör, etwa mit zwei gleich großen, gut verarbeiteten Seitenkoffern, Topcase oder beheizten Ergo-Sitzbänken.

Kleine Handicaps ergeben sich durch den nicht allzu ausgeprägten Windschutz, der bei schnelleren Autobahn-Etappen an seine Grenzen stößt, und die Reichweite, die klassischen Reiseenduros klar unterlegen ist. Nach rund 250 Kilometer sollte man nachfüllen. Dafür ist ein leicht erhöhter Verbrauch von knapp sieben Liter verantwortlich, der aber wohl zum Gutteil einer flotteren Fahrweise geschuldet ist: Die GT animiert sowohl mit ihrer Leichtfüßigkeit als auch mit ihrer Präzision zu einem couragierteren Fortbewegen im Kurvengewühl.

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© Bild: Werk/www.albertocorvetti.com

Die Seele eines Sportbikes

Hier tritt die schon erwähnte Seele eines Sportbikes zutage: Glasklares Feedback des semiaktiven, verstellbaren WP-Fahrwerks und groß dimensionierte, perfekt dosierbare Bremsen machen forciertes Fahren zu einem Akt spielerischer Sportlichkeit. In Verbindung mit der relaxten Sitzhaltung lässt sich dieser Tanz praktisch ermüdungsfrei zelebrieren – die vielleicht größte Stärke dieses Modells. Gutes Gefühl im Hinterkopf: Die 1290 Super Duke GT ist serienmäßig mit den modernsten elektronischen Assistenzsystemen ausgestattet: der Motorcycle Stability Control (MSC), die ein Kurven-ABS und eine schräglagenabhängige Traktionskontrolle integriert. Dazu kommen einstellbare Fahrmodi, die auch das Setup des Fahrwerks einschließen: So kann man beim Bummeln den Komfort erhöhen oder ein strafferes Setup wählen, wenn mehr Sportlichkeit gewünscht ist.

Nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist einzig das Kombiinstrument; zwar sehr gut ablesbar wünscht man sich hier dennoch das neue TFT-Display, wie es beispielsweise bei der Super Adventure eingesetzt wird.

Dass dieser Wunsch bald in Erfüllung gehen wird, sehen wir als gesichert an: Nachdem der erste Sporttourer aus Mattighofen dermaßen eindrucksvoll gelungen ist, scheint eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte nur naheliegend.

Technische Daten

Antrieb: 75°-V-Zweizylindermotor, flüssig gekühlt, zwei oben liegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder; Verdichtung 13,2:1, elektronische Einspritzung; Ride-by-wire; 6-Gang-Getriebe, Endantrieb über Kette.

Hubraum: 1301 cm³
PS/kW: 173 PS/127 kW
maximales Drehmoment: 144 Nm bei 6750 U/min

Fahrwerk: Stahl-Gitterrohrrahmen; 48-mm-USD-Gabel, Aluschwinge (v/h semiaktives Fahrwerk); Federweg v/h 125/156 mm; vorne zwei, hinten eine Scheibenbremse (320/240 mm); Reifen 120/70-17 und 190/55-17.Maße (LxBxH):k. A.
Sitzhöhe: 835mm
Radstand: 1482 mm
Nachlauf: 107 mm
Zuladung: 225 kg/Gewicht vollget.: 231 kg
Tankinhalt: 23 Liter
Spitze:260 km/h
 
Testverbrauch:  6,7 l/100km

Preis:21.298 €/Preis Testbike:22.262,68 €
Motorbezogene Versicherungssteuer: 390,30 €

 

( motor.at , schön ) Erstellt am 19.05.2018