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Classic
06/05/2022

Welche Sicherheitsfeatures der ESF 13 von Mercedes schon 1972 an Bord hatte

ABS, Airbags und selbst anlegende Gurte - die Lösungen Anfang der 70er waren wegweisend

von Michael Andrusio

Mercedes präsentierte den ESF 13 am 31. Mai 1972 anlässlich der "Transpo 72" in Washington der Öffentlichkeit. Die Schau sollte rund einer Million Besuchern aus aller Welt „einen faszinierenden Einblick in die Zukunft des sichereren Fahrens und der Fahrzeugsicherheit“ („a striking glimpse into the future of safer driving and vehicle safety“) geben, wie es im Konferenzbericht von 1972 heißt. Insgesamt wurden zwölf Fahrzeuge europäischer, japanischer und US-amerikanischer Hersteller ausgestellt.

ESF stand bei Mercedes für Experimental-Sicherheits-Fahrzeug. und die Schwaben packten in den Wagen alles hinein, was in der Sicherheitsforschung Anfang der 70er Jahre angesagt war. Als Basis für den ESF 13 dient ein Mercedes-Benz 250 „Strich-Acht“ (W 114), wobei die Entwickler auch Teile des Sportwagens 350 SL (R 107) verwendeten.

Die Liste der Sicherheitsausstattungen ist lang. 

So war der ESF 13 bereits mit dem Antiblockier-System ABS ausgerüstet, das bei Mercedes 1978 in der S-Klasse eingeführt wurde. Weiters hatte der Benz Airbags, und zwar gleich vier an der Zahl. Neben Airbags für Fahrer und Beifahrer gab es zusätzlich je einen Airbag in den Rückenlehnen der Vordersitze für die außen sitzenden Fondpassagiere. Die Techniker bauten fünf Dreipunktgurte ein, wobei die vorne installierten (inklusive Gurtkraftbegrenzer) sogar selbst anlegend waren.

Die Aufprallbereiche im Innenraum wurden mit Polyurethanschaum gepolstert, insbesondere Türen, Säulen und Dachrahmen. Auch an scheinbaren Kleinigkeiten wurde gefeilt: So wurden die Kurbeln für die Fensterheber durch eine elektrische Steuerung ersetzt, das Unterteil der Pedale ist abgerundet. Die Sitze vorne verfügen über Kopfstützen, für die Rücksitzbank sollte hingegen ein Auffangnetz diese Aufgabe übernehmen.

Für optimale Sicht sollten Leuchtenwischer und Leuchtweitenregelung sorgen und für die Heckscheibe wurde sogar ein Parallelwischer installiert.

Die Mercedes-Entwickler haben das Versuchsfahrzeug für Aufprallgeschwindigkeit bis 80 km/h ausgelegt. Um vorne zusätzlichen Verformungsraum zu generieren wurde der Vorbau verlängert  (inklusive hydraulischer Pralldämpfer) und man baute einen (kompakten) V6-Versuchsmotor ein.

Verglichen mit einem Standard-250 wuchs das Experimentalfahrzeug um 550 mm auf 5,23 Meter. Noch eklatanter war aber der Zuwachs beim Gewicht: Der ESF 13 wog stattliche 2,1 Tonnen.

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