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Fahrbericht
08/29/2022

BYD Atto 3: Was kann das Elektroauto aus China?

Der Atto 3 gehört zu den Autos, mit denen der chinesische Hersteller BYD in Europa startet. Wir konnten das Auto kurz Probe fahren

von Michael Andrusio

Build Your Dreams - kurz BYD (ausgesprochen Bi-Wei-Di) - lautet der wenig bescheiden klingende Name des Autoherstellers, der nun auf den europäischen Markt drängt. Auf der anderen Seite ist BYD was Elektroautos betrifft, die erfolgreichste Marke in China. Fast 640.000 elektrifizierte Autos (wobei hier auch Plug-in-Hybride eingerechnet werden) hat man in China heuer im ersten Halbjahr abgesetzt. Größter Trumpf von BYD: Alle relevanten Komponenten für den Elektroantrieb kann man selber herstellen - allen voran die Halbleiter und die Akkus.

Nun will man auch in Europa Fuß fassen und startet mit drei Autos: dem Tang, dem Han und dem Atto 3. Der Atto 3 reiht sich im boomenden C-SUV-Segment ein und kommt auf eine Länge von 4,455 Meter. Damit ist er etwas kürzer als beispielsweise ein VW ID.4.

Erster Eindruck von außen: Gefälliges Design, die Gestaltung des Hecks erinnert ein wenig an den ID.4, hinten setzt der Designer (Wolfgang Egger aus Deutschland) auf eine durchgehende Lichtleiste, wie man sie mittlerweile bei vielen SUV findet. Fraglich ist, ob es allen gefällt, dass "Build Your Dreams" auch ausgeschrieben auf der Heckklappe zu lesen ist.

Interieur

Eine Überraschung hat das Interieur parat. Von den Farben her ist der Atto 3 blau und hellgrau und wirkt mit seiner Gestaltung fast verspielt und ganz anders als viele aktuelle Elektroautos, die tunlichst aufgeräumt und sachlich-kühl erscheinen wollen. Dazu hat man einen echten Wählhebel für die Fahrstufen (der aussieht wie ein Schubhebel im Flugzeug), zylinderartige Lüftungsdüsen und (rote) Gummibänder in den Türen als Halterungen. Der innere Türöffner verschmilzt wiederum mit einem der Lautsprecher.

Natürlich gibt es einen zentralen Touchscreen, der sich auf Knopfdruck drehen lässt und die Informationen im Hoch- oder im Querformat liefert. Überrascht sind wir auch vom griffigen Dreispeichenlenkrad, das unten sogar abgeflacht ist.

Was uns noch gefallen hat, ist, dass der Lautstärkeregler nicht als Touchslider ausgeführt ist, sondern als griffgünstige Walze in der Mittelkonsole.

150-kW-Motor

Der Atto 3 kommt mit einem Elektromotor, der 150 kW leistet und die Kraft über die Vorderräder auf die Straße bringt. Wir konnten den BYD auf einer abgesperrten Strecke (mit reduzierter Geschwindigkeit)  kurz ausprobieren. Beim Tritt aufs Gaspedal beschleunigt der Atto 3 flott (genau so wie man es von einem Elektroauto erwartet), aber gibt keinen unangenehm heftigen Tritt ins Kreuz von Fahrer und Fahrgästen. Als Fahrer hat man diverse Verstellmöglichkeiten für die Fahrcharakteristika: Für die Rekuperation gibt es zwei Stufen, Standard oder Hoch. Wobei auch bei hoher Stufe kein One-Pedal-Gefühl mit einer starken Verzögerung erzeugt wird. Auch die Fahrmodi kann man über eine Taste in der Mittelkonsole wechseln, hier stehen Normal, Eco und Sport zur Auswahl.

Über ein Menü im Touchscreen lassen sich auch noch das Ansprechverhalten der Bremsen (zwei Stufen) und die Lenkung justieren. Bei der Lenkung haben wir mit der Einstellung Sport ein besseres, exakteres Lenkgefühl gehabt. Im Comfort-Modus ist der Atto3 deutlich auf der indirekten Seite. Übrigens kann man auch das Geräusch, das das Elektroauto erzeugen muss, einstellen - statt eines elektrischen Säuseln kann es auch eine Melodie sein (wie beim Fiat 500e).

Die Verarbeitung der ersten Fahrzeuge für Europa wirkt solide und ohne Fehl und Tadel. Auch die Materialanmutung ist, abgesehen von der besonderen Farbgebung, okay.

Dank der flach im Unterboden integrierten Blade-Batterie gibt es genug Platz im Innenraum. Der Kofferraum bietet ein Laderaumvolumen von 440 bis 1338 Liter (bei umgeklappten Rücksitzen). Dank des in zwei Höhen fixierbaren Kofferraumbodens kann man das Ladekabel sauber darunter unterbringen.

Reichweite

Wie weit kommt der Atto 3? BYD gibt eine Reichweite von 420 Kilometer nach WLTP an. Geladen werden kann der Atto 3 dreiphasig - an einem AC-Anschluss mit bis zu 11 kW. Bei einem DC-Anschluss sind es maximal 88 kW, das ist jetzt kein überragender Wert, von 30 auf 80 Prozent soll die Batterie in 29 Minuten geladen sein.

Eine Wärmepumpe und ein Panoramaschiebedach sind in allen Modellen serienmäßig.

Was der Atto 3 kosten wird, hat BYD noch nicht verraten, die Preise gibt's anlässlich des Pariser Autosalons im Oktober. Als Anhaltspunkt: Ein MG Marvel R aus chinesischer Produktion in vergleichbarer Größe und mit einer ähnlichen Leistung kostet bei uns knapp unter 40.000 Euro. In Australien ist der Atto 3 bereits im Handel und kostet mit der größeren Batterie (die in Europa eingesetzt wird) rund 47.000 Dollar, was umgerechnet etwa 32.500 Euro wären.

Antrieb: 1 Elektromotor, Leistung: 150 kW; Frontantrieb, Batteriespeicherkapazität: 60,48 kWh; Fahrleistungen: 0-100 km/h in 7,3 Sekunden, Spitze 160 km/h

Reichweite: 420 Kilometer

Abmessungen: Länge x Breite x Höhe 4455 x 1875 x 1615 mm, Radstand: 2720 mm, Kofferraumvolumen: 440 -1338 Liter

Ladeleistung: AC 11 kW/DC 88 kW

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