meinung
04/23/2020

Japanischer Spielraum

Wieder kümmern sich die Japaner wenig um „Was darf?“ und „Was darf nicht?“

von Sandra Baierl

Elektronik ist in Japan selbstverständlich – sogar auf dem Klo. Die Japaner lieben die warme Klobrille, die Dusche, den Fön, die Musik, Ventilation und Selbstreinigung – alles eingebaut in ihrer Hightech-Toilette. Nur ein Beispiel von vielen futuristischen, genialen und/oder überflüssigen Innovationen japanischer Konzerne. Die Standardfragen europäischer Entwickler, ob eine Innovation nützlich und notwendig ist, ob sie sich auszahlt und vom Markt gebraucht und gewollt wird, stellt sich in Japan nicht. Die Gedanken der Entwickler und ihre Werke haben viel Spielraum.

Auch auf dem Automobilsektor: Patentweltmeister Toyota hat schon vor langer Zeit Lean Management entwickelt, führt die Erfindungsliste bei Elektro und Hybrid an, auch der Einparkassistent kam zuerst von Toyota. Jetzt plant der Konzern eine Stadt auf dem Reißbrett, in der Mobilität, Roboter und Überwachung die Hauptrolle spielen. Wieder kümmern sich die Japaner wenig um „Was darf?“ und „Was darf nicht?“. 2.000 Menschen werden in dieses Experiment einziehen, sich der geliebten Technik voll und gerne ausliefern. Alles verrückt? Ja, aber auch (wieder) eine Vorausschau in eine mögliche Zukunft. Apropos Blick in die Zukunft: Hatte Toyota nicht einmal ein Modell Corona?