meinung
10/31/2019

Öko-Rechnung ohne dem wichtigsten Faktor

Das Problem mit der Gesamt-Ökobilanz von Antriebs-Systemen und welche Rolle der Mensch dabei spielt.

von Horst Bauer

Dass E-Autos im Fahrbetrieb keine Abgase produzieren, lässt sie in der Diskussion um Schadstoffe und -Belastung gerne als allumfassende Problemlöser erscheinen. Dass dem in der Praxis nicht so ist, sickert erst langsam in die öffentliche Wahrnehmung ein. Wer also nicht nach dem Floriani-Prinzip vorgehen will, der darf sich nicht nur an der lokal emissionsfreien Fortbewegung erfreuen, sondern muss die Gesamt-Ökobilanz in seine Bewertung der möglichen Umweltbelastung einbeziehen.
Spätestens da wird es jedoch kompliziert. Und das nicht nur, weil etliche Faktoren etwa der Batterie-Produktion schwer bewertbar sind – siehe Kobalt-Abbau  in Kinderarbeit oder umweltzerstörende Lithium-Gewinnung –,  oder  die Form der Stromproduktion eben großen Einfluss auf die -Bilanz ein- und desselben  Elektroautos hat, je nachdem wo es geladen wird. Dabei geht es noch gar nicht um die Frage, ob Strom aus Kernkraftwerken als  emissionsfrei bewertet wird oder  wegen der ungelösten Endlagerfrage als Umweltproblem.
Bei all den Forderungen nach einer vergleichbaren Gesamtökobilanz von Neuwagen mit verschiedenen Antriebssystemen wird zudem auf einen der stärksten Faktoren in dieser Rechnung vergessen. Der Mensch hinter dem Lenkrad hat durch seine Fahrweise nämlich einen stärkeren Einfluss auf den Treibstoff- bzw. Energieverbrauch eines Autos als viele technisch noch so aufwendige Maßnahmen.