Real Emissions Testing in den 1970er Jahren in Graz durch Prof. Pischinger

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Abgasmessung
01/15/2016

Als Kohlenmonoxid noch das Hauptproblem von Autos war

Es begann mit einem VW-Bus.

von Maria Brandl

Nicht nur die Smogprobleme haben in Graz eine lange Tradition, sondern auch die Ursachen-Forschung. Ein Pionier ist Rudolf Pischinger, 80, emeritierter Professor der TU Graz, wo er 25 Jahre lang das Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik leitete. Er baute bereits in den 1970er-Jahren einen VW-Bus um, um die realen Abgase während der Fahrt zu messen (siehe Bilder). Damit war er der Gesetzgebung (Euro-Norm und Immissions-Richtlinie) um Jahrzehnte voraus.

Ursprung Das Interesse an der Real-Emissions-Messung wurde Pischinger quasi in die Wiege gelegt. Sein Onkel und Vorgänger an der TU Graz, Anton Pischinger, hatte bereits nach dem Krieg ein Abgasmessverfahren, genannt "Grazer Verfahren", erarbeitet. Rudolf Pischinger entwickelte es zum "Digitalen Grazer Verfahren" weiter.

Der Bedarf ergab sich aus der damaligen Straßenbauoffensive: Einerseits regten sich Straßenanrainer über steigenden Schadstoffausstoß auf. Zudem kam mit dem Bau neuer großer Straßentunnel die Frage nach ausreichender Entlüftung, so Pischinger. Dafür musste aber vorher festgestellt werden, wie viel die Pkw und Lkw überhaupt an Schadstoffen ausstießen.

Hauptproblem Kritisch war damals vor allem Kohlenmonoxid, dazu kamen die Kohlenwasserstoffe. Später entdeckte man die Stickoxide als großes Problem. "Es herrschte große Ratlosigkeit", so Pischinger, wie man alle drei Schadstoffe gleichzeitig absenken könne. Die Lösung war der 3-Wege-Kat für Benziner. Mit dem Siegeszug der Diesel ab den 1990er-Jahren tauchten neue Probleme auf.

Gefragt Längst hatten sich die Grazer international einen herausragenden Ruf als Emissions- und Immissions-Experten erworben, ähnlich wie die Wiener Kollegen rund um Prof. Lenz vor allem auf der Motorenseite.

Dank ihrer langen Erfahrung und ihrer aufwendigen Messungen trotz bis vor Kurzem umständlicher Technik sind die Grazer auch jetzt in der Abgaskrise einer der gefragtesten Ansprechpartner, selbst von Deutschland. Die Grazer wurden auch vor Jahren auserwählt, ein Messverfahren für den RDE-Test (Real Driving Emissions) zu entwickeln, eines von zwei Verfahren, die derzeit von der EU diskutiert werden.

Nobelpreis Prof. Pischinger hat die Institutsleitung längst an Prof. Helmut Eichlseder übergeben und auf der Abgas- bzw. Immissionsseite mit Prof. Stefan Hausberger sowie Prof. Peter Sturm ausgewiesene Experten. Er selbst ist weiterhin aktiv. 2007 erhielt er für seine Verdienste als Emissionsexperte mit dem Weltklimarat IPCC als einziger Österreicher den Friedensnobelpreis.

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