Lamborghini Huracan Performante

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Fahrbericht
06/01/2017

Lamborghini Huracán Performante: Wenn Stieren Flügel wachsen

Ausfahrt mit dem Rekordauto vom Nürburgring.

von Michael Andrusio

Für die Lamborghini-Leute hat die Zahl scheinbar etwas Magisches: 06:52,01 – und sie werden nicht müde, sie bei jeder Gelegenheit zu wiederholen. Gleichbedeutend wichtig mit der PS-Zahl, der Beschleunigung auf 100 km/h und der Menge an eingesparten Kilos beim Gewicht. 06:52,01 steht für die Zeit, die Marco Mapelli benötigt hat, um mit dem Lamborghini Huracán Performante die legendäre Nürburgring-Nordschleife zu umrunden – was einen neuen Rekord bedeutet (siehe Video unten).

Wir fahren den Performante nicht auf dem Nürburgring, aber auf einer nicht minder legendären Rennstrecke, nämlich in Imola in der Emilia Romagna, der Heimat von Lamborghini. Und eine Rennstrecke braucht es eigentlich schon, um sich das Leistungsvermögen des geschärften Lambos halbwegs zu vergegenwärtigen: 640 PS (30 PS mehr als der normale Huracán), 1382 kg schwer (somit 40 kg leichter als ein normaler Huracán), 0 auf 100 in 2,9 Sekunden, Spitze 325 km/h.

Aerodynamik

Wirklich stolz ist Lamborghini, abgesehen von der Rekordzeit auf der Nordschleife, aber auf die ausgeklügelte Aerodynamik. Aerodinamica Lamborghini Attiva heißt das System, kurz ALA (was im Italienischen passenderweise Flügel bedeutet). Einen solchen hat der Performante Huracán heckseitig montiert. Der verändert allerdings nicht den Anstellwinkel, sondern durch ein ausgeklügeltes System wird Luft durch den Flügel geleitet, die an der Unterseite austritt und so den Luftwiderstand minimiert. Das Ganze funktioniert elektronisch gesteuert. Und es funktioniert sogar asymmetrisch, z. B. bei schneller Kurvenfahrt.

Bevor wir auf die Rennstrecke dürfen, schärfen uns die Lamborghini-Piloten noch zwei Dinge ein. Erstens: Das ESP wird nicht abgeschaltet, zweitens: Es ist untersagt, das voranfahrende Auto mit dem Fahrinstruktor zu überholen. Die Gefahr, dass uns der Instruktor-Lamborghini im Weg steht, ist aber nicht gegeben – das Tempo ist so, dass der Performante zeigen kann, was er kann. In Tamburello, Tosa, Piratella, Acque Minerale und wie die Kurven auf der Imola-Rennstrecke heißen, bestimmt freilich eher das Talent des Piloten den Grenzbereich.

Die Designer haben sogar daran gedacht, gleich zwei Displays einzubauen, die einen über das Wirken und Werken von ALA auf dem Laufenden halten. Kleiner Schönheitsfehler: Wenn überall blaue Pfeile aufleuchten und das System seine Wirkung voll entfaltet, ist man mit ziemlicher Sicherheit in einer Situation, in der man eher nicht den Blick von der Straße abwenden sollte.

Mitunter vergisst man sogar, den Blick auf den Drehzahlmesser zu werfen. Und so kommt es vor, dass man, wenn das V10-Aggregat atemberaubend und unter lautem Gebrüll in Richtung Limit dreht, vor lauter Glückseligkeit in den Begrenzer stolpert.

Das eigentlich Faszinierende am Huracán Performante erlebt man, wenn man die Rennstrecke verlässt. Dann zeigt sich, dass man so einen Nürburgring-Rekordwagen auch ganz entspannt fahren kann (ohne das Gefühl zu haben, etwas falsch zu machen). Eigentlich könnte man auch in den Supermarkt einkaufen fahren – wenn der Huracán so etwas wie einen Kofferraum hätte.

Die schlechte Nachricht: Der Lamborghini Huracán Performante kostet bei uns 299.990 Euro. Die gute: Das Ding ist in der Stückzahl nicht limitiert, die ersten Autos werden ab Sommer ausgeliefert.

Die Rekordrunde auf der Nürburgring-Nordschleife