News 21.04.2016

Parken: Training fürs automatisierte Fahren

Parken: Training fürs automatisierte Fahren
© /Bosch/Werk

Es gilt als wichtige Vorstufe zum autonomen Fahren. Was Bosch bis 2019 plant.

"Parken, so wie wir es heute kennen, wird es in Zukunft nicht mehr geben", zeigte sich Dirk Hoheisel, Mitglied der Bosch Geschäftsführung, auf der Veranstaltung "Parken der Zukunft" überzeugt. Neue Assistenten und Funktionen bis zum automatisierten "Valet Parking", wo der Lenker das Auto per Knopfdruck auf Parkplatzsuche schickt, sollen den Autofahrern die vielfach gefürchtete, auf jeden Fall ungeliebte Aufgabe des Ein- und Ausparkens erleichtern.

Den Stadtpolitikern dagegen wird eine starke Verkehrsreduktion versprochen. Immerhin dauert eine durchschnittliche Parkplatzsuche laut Bosch in Großstädten ca. 10 Minuten, wo das Auto 4,5 km zurücklegt und ca. 6 kg CO2 erzeugt. Laut Boston Consulting entfallen 8 bis 26 % des fließenden Verkehrs in Städten auf Parkplatzsuche. Die neuen Parkhelfer sollen diesen Suchverkehr deutlich senken.

Den Parkraumbetreibern dagegen würden sich mit dem automatisierten Parken neue Geschäftsfelder erschließen. Die nötige Technik dazu bietet Bosch ebenfalls an, so Rolf Nicodemus, Projektleiter.

Dass die Anbieter bei den Autofahrern damit offene Türen einrennen, zeigt der Siegeszug von Parksensoren. Innerhalb kürzester Zeit haben sie nicht nur in teure Luxusmodelle, sondern auch in die preissensible Klein- und Kompaktwagenklasse Einzug gehalten. In Deutschland sind Parksensoren laut Bosch mit 52 % die beliebtesten Assistenten in modernen Autos. In Österreich stieg der Anteil in drei Jahren laut Generali-Studie von 24 auf 41 %.

Mit diesen Parksensoren verfügen die Autos bereits über einen wesentlichen Baustein für automatisiertes Parken, so Carsten Rommel, Ultraschallsensoren-Spezialist, auf der Veranstaltung. Die Mehrkosten für die neuen Funktionen seien für den Autokäufer damit gering. In den nächsten Jahren sollen die Ultraschallsensoren aber noch viel genauer und schneller werden. Ab 2017 sollen sie bis 60 km/h auf auf 15 cm genau messen können (heute 25 cm).

Systemübersicht

Bosch unterscheidet beim geplanten automatisierten Parken drei Funktionen:

Aktives Parkraum-Management Dieses soll die Parkplatzsuche vor allem in Garagen erleichtern (z. B. am Flughafen). Dafür werden die Parkplätze mit am Boden eingebauten Funksensoren bestückt, die an den Rechner melden, ob der Parkplatz frei oder belegt ist. Diese Info kann dem Fahrer z. B. als Erstes am Smartphone oder im Internet angezeigt werden, später ist auch eine Darstellung im Navigationssystem geplant. Pro Parkplatz ist ein Sensor nötig, der vom Garagenbetreiber um 3 bis 6 €/Monat geleast werden kann. Den Strom für den Sensor liefert eine Batterie, die Lebensdauer soll laut Bosch 7 Jahre betragen, sofern der Sensor nicht öfter als alle 30 Sekunden überprüft, ob der Parkplatz frei oder belegt ist. Die Parksensoren haben laut Bosch den Vorteil, dass, anders als bei der Konkurrenz mit Videosystemen, für den Betreiber keine zusätzlichen Baumaßnahmen wie Wände etc. nötig sind. Als Funknetz reicht 3 G. Auf einer Park-&-Ride-Anlage in Stuttgart mit 2500 Parkplätzen wird das System demnächst getestet.

Bosch Einparkassistenten…
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Community-based Parken Bei diesem Ansatz suchen Autos mit ihren Parkassistent-Ultraschallsensoren permanent die Fahrbahnränder nach freien Parkplätzen ab, messen dabei auch die Länge der Parklücke und speisen die Angaben in eine digitale Parkplatzkarte ein. Bosch hofft hier auf Interesse sowohl aufseiten der Kommunen wie der Autohersteller. Je mehr Autos Daten liefern, desto genauer die Aussagen. Diese sollen dem Autofahrer die Parkplatzsuche erleichtern und verkürzen. In der nächsten Ausbaustufe soll die Info sogar fahrzeugspezifisch sein, heißt, der Lenker erfährt, ob es sich um einen Parkplatz für Kleinwagen oder auch für ein Wohnmobil handelt. Der Start ist für 2018 geplant.

Automatisiertes Parken Was z.B. BMW beim Siebener bereits für Einzelgaragen anbietet – automatisches Ein- und Ausparken per Knopfdruck auf dem Autoschlüssel – soll ab 2019 deutlich erweitert werden. Fährt der 7er BMW derzeit maximal 8 m lenkerlos, kann künftig ein Auto, bestückt mit dem "Homezone Parkassistent" von Bosch bis zu 100 m selbsttätig zu seinem Parkplatz fahren. Voraussetzung: Der Lenker muss dem Auto den Weg "einlernen", heißt, er fährt einmal den gewünschten Weg und speichert dies ab. Der Bordcomputer merkt sich bis zu 10 verschiedene Wege. Nach dieser Einschulung reicht ein Knopfdruck und der Lenker kann sein Auto zum Parken losschicken. Der Lenker kann entweder im Auto sitzen bleiben oder von außen die Fernbedienung drücken. Bei unvermuteten Hindernissen (z. B. Mistkübel) bleibt das Auto vollautomatisch stehen oder, wenn die Umfahrung nicht mehr als 50 cm beträgt und es räumlich möglich ist, fährt es auch um das Hindernis herum. Das Auto kann mit dem Parkassistenten übrigens nicht nur alleine ein-, sondern auch ausparken.

Praxistest Beim Selbsttest in einer Stuttgarter Garage zeigte der neue Parkassistent noch Verbesserungsbedarf. Er stoppte das Auto mitten beim rückwärts Einparken, weil ihm der eingelernte Lenkeinschlag nicht gefiel. Auch beim zweiten Mal blieb er unwillig. Ein anderes Auto, ebenfalls mit dem neuen Parkassistenten, fuhr elegant in die Lücke, blieb aber selbst vor einem 2-Meter-Hünen nicht stehen.

Bosch Einparkassistenten…
© /Bosch/Werk

Aber bis zum geplanten Serienstart 2019 ist noch Zeit und steht zudem ein weiterer Praxistest in Stuttgart mit Car2go-Modellen mit einem Parkplatz in einer Parkgarage bevor.

Endstufe Die große Vision ist das "Valet Parking": Hier übergibt an sogenannten Übergabestellen der Lenker das Auto an den Rechner und schickt es zum Parken, ohne vorher die Tour eingelernt oder einen fixen Parkplatz zu haben. Das Auto sucht selbstständig den Weg und den Parkplatz. Serienstart: Nicht vor 2020. Es funktioniert mit Schalt- und Automatikgetriebe.

Aktives Parkraum-Management Ein batteriebetriebener Funksensor pro Stellplatz meldet über ein Gate- way die Belegung an einen Server. Technik: Funksensor, Funksystem, Videokamera für Parkhaus.

Community-based Parken Dafür sind je 6 Ultraschallsensoren im vor- deren und hinteren Stoßfänger plus 1 Stereo-Videokamera beim Innen- spiegel nötig. Die Pkw senden die Infos an die Autohersteller, die leiten sie anonymisiert an die Bosch-Cloud, wo sie für Kunden aufbereitet werden.

Automatisiertes Parken Pkw- und Parkhaus-Technik arbeiten zu- sammen. Die Autos werden z.B. beim Eingang abgestellt und zum Parken geschickt und beim Eingang wieder abgeholt. Das Tempo dieser Pkw soll max. 6 km/h betragen. Bei einem Technikausfall soll ein Garagenmit- arbeiter per Fernsteuerung das Auto in eine Lücke lenken können.

(Kurier) Erstellt am 21.04.2016