News 05.12.2011

Bildungsoffensive

Bildungsoffensive
© Boroviczeny/KURIER

Warum Wohlstand nicht nur heißt, Dinge kaufen, sondern auch machen zu können.

VW-Chef Martin Winterkorn lässt seinem Unmut freien Lauf. Jetzt, wo Europa dringend Batterie-Entwickler braucht, um bei der Elektro- Mobilität weniger von Asien abzuhängen, gibt es sie nicht.
Das kommt nicht von ungefähr. Auf die entsprechende Ausbildung glaubten die europäischen Staaten schon vor Jahrzehnten verzichten zu können. Sowohl an Schulen wie an Universitäten. Jetzt zeigt sich, wie fatal fehlendes Beherrschen von Grundtechnologien ist.

Doch der Lerneffekt für Bildungs-, aber auch Wirtschaftspolitiker, ist offenbar gering. So stehen derzeit in Österreich wieder einmal die höheren technischen Lehranstalten, kurz HTL, in Diskussion. Einige Politiker und Beamte geben dieser inzwischen in Europa einzigartigen Institution indirekt die Schuld an der geringen Akademikerquote in Österreich. Zudem sind ihnen die HTL zu teuer, zu anspruchsvoll und dauern zu lange. In dieser Zeit haben Schüler an Mittelschulen bereits ihre Matura in der Tasche und das erste Jahr Studium hinter sich. Im Zuge der demnächst im Parlament zu beschließenden Änderung rund um eine Zentralmatura besteht die Gefahr, dass damit auch eine Nivellierung des Ausbildungsniveaus nach unten samt einer deutlichen Kürzung der praktischen Ausbildung an den HTL einhergeht.

Damit würde Österreich einen seiner wichtigsten Standortvorteile verlieren. Denn Unternehmen schätzen HTL-Absolventen gerade für ihr übergreifendes Wissen in Theorie und Praxis gepaart mit der Flexibilität und Begeisterung in diesem Alter - zu deutlich geringeren Kosten als bei Akademikern.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011