News 05.12.2011

Biodiesel schädlicher als Diesel

Biodiesel schädlicher als Diesel
© AP

Der "grüne Treibstoff" verstärkt den Klimawandel statt ihn zu bremsen. Die EU-Kommission hat bereits reagiert.

Biodiesel aus Palmöl, Soja oder Raps verursacht deutlich mehr Treibhausgase als fossile Kraftstoffe: Eine neue Studie der EU-Kommission (Impact Assessment Report on Biofuels) zeigt, dass zum Anbau dieser Energierohstoffe tropische Regenwälder und kohlenstoffreiche Torfgebiete in Palmöl- oder Zuckerrohrplantagen umgewandelt werden. Dieser indirekte Landverbrauch verschlechtert die Klimabilanz erheblich.

Arbeiter in einer Biodiesel-Anlage: Nun hat auch die EU-Kommission Zweifel an der positiven Treibhausgas-Bilanz des Sprits vom Acker.
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Laut Studie wird bei Biodiesel aus Palmöl um 15 Gramm mehr (pro Energieeinheit Megajoule) emittiert als bei fossilem Diesel, bei Soja um 13 Prozent und bei Raps um fünf Prozent. Positiv wirkt sich Biokraftstoff aus Mais (minus 47 Prozent) oder Zuckerrohr (minus 54 Prozent) aus.
Das besonders kritisierte Palmöl findet sich laut Umweltschutzorganisation Greenpeace (hat Diesel-Stichproben aus neun EU-Staaten analysiert) in Italien. In Frankreich wurde am meisten Biodiesel aus Soja gefunden, Schweden verwendet zu hundert Prozent Biodiesel aus Raps (siehe Grafik).

Arbeiter in einer Biodiesel-Anlage: Nun hat auch die EU-Kommission Zweifel an der positiven Treibhausgas-Bilanz des Sprits vom Acker.
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Bis 2020 sollen zehn Prozent aller in der EU verbrauchten Kraftstoffe aus nachhaltiger Produktion stammen. Österreich hat derzeit mit 6,7 Prozent den höchsten Anteil Biodiesel. Dieser kommt vor allem aus importiertem Raps: "Wir können pro Jahr bis zu 700.000 Tonnen Biodiesel erzeugen. Das entspricht zehn Prozent des Verbrauchs", erklärt Kasimir Nemestothy, Energieexperte bei der Landwirtschafts-kammer. Palmöl finde sich in heimischem Biodiesel kaum. "Der größte Teil wird als Rapsöl aus dem Donauraum importiert." Die negative -Bilanz will er so nicht gelten lassen: Die EU habe mittlerweile strenge Nachhaltigkeitskriterien erlassen, zudem würden Kritiker übersehen, dass Nebenprodukte (wie Rapskuchen) als Tierfutter Sojaimporte ersetzen.

Die Kommission hat aber bereits reagiert: Es gibt ein neues Zertifizierungssystem, Biodiesel darf als solcher nur mehr gehandelt werden, wenn zumindest 35 Prozent weniger Treibhausgase produziert werden. Ab 2017 muss die Einsparung bei 50 Prozent liegen, neue Biodieselwerke müssen ab 2018 zumindest 60 Prozent weniger emittieren.

Wissen: Ethanol stammt meist aus Österreich

Während Österreich bei Biodiesel auf Importe angewiesen ist, setzt man bei Benzin mehrheitlich auf heimische Rohstoffe. Seit 2008 werden in Österreich 5,75 Prozent Ethanol dem Benzin beigemischt, 2012 sollen es zehn Prozent werden.

Die einzige große Produktionsanlage in Österreich betreibt die Agrana in Pischelsdorf. Bis zu 620.000 Tonnen Weizen und Mais können dort verarbeitet werden, was in Summe dem Bedarf einer zehnprozentigen Ethanol-Beimischung entspricht.

Laut einer im Auftrag der Agrana erstellten Studie spart Pischelsdorfer Ethanol 50 Prozent der Treibhausgase gegenüber fossilen Treibstoffen ein. Dazu tragen auch die 190.000 Tonnen Eiweißfuttermittel als Nebenprodukt bei. Die Rohstoffe stammen aus Österreich und den Nachbarländern.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011