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05.12.2011

Blamage für Renault: Spionage war gar keine

© Bild: Epa

Der Autokonzern entschuldigt sich bei voreilig gefeuerten Managern. Spionage-Vorwurf soll durch einen Kollegen der Sicherheitsabteilung aufgebracht worden sein.

Aus Angst vor Industriespionage ist Renault mit großer Wahrscheinlichkeit einem Betrüger auf den Leim gegangen. Eine angebliche Spionageaffäre hat sich als Fehlalarm herausgestellt. Es werde nun wegen Betrugs ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag in Paris mit. Renault entschuldigte sich umgehend bei den drei Managern, denen das Unternehmen vorgeworfen hatte, strategische Informationen über die Entwicklung von Elektroautos an die chinesische Konkurrenz weitergegeben zu haben. Die drei Manager waren im Jänner entlassen worden.

Renault gab am Montag zu, dass es die Führungskräfte "fälschlicherweise" beschuldigt habe. Konzernchef Carlos Ghosn und Markenchef Patrick Pélata baten "persönlich und im Namen von Renault" um Entschuldigung und versprachen ihnen Wiedergutmachung.

"Damit geht ein Alptraum zu Ende", sagte der Anwalt des geschassten Managers Matthieu Tenenbaum in Paris. So erleichtert sein Mandant sei, so brutal sei das Geschehene für ihn gewesen. "Er nimmt die Entschuldigung von Renault zur Kenntnis, kann es aber noch nicht ganz fassen", sagte der Anwalt. Tenenbaum stehe Konzernchef Carlos Ghosn "zur Verfügung", um über dessen Angebot zu sprechen - auch wenn es ihm "schwierig" erscheine, seine frühere Stelle bei Renault wiederaufzunehmen, "als ob nichts gewesen wäre".

Anonymer Informant

Renault hatte im Jänner drei Manager bezichtigt, firmeninternes Wissen weitergegeben und dafür Bestechungsgelder auf ausländischen Konten eingestrichen zu haben. Hinter vorgehaltener Hand hatte es geheißen, die Führungskräfte hätten für China spioniert, was die chinesische Regierung zu entschiedenem Widerspruch veranlasste.

Nachdem sich der französische Inlandsgeheimdienst und die Staatsanwaltschaft in die Ermittlungen einschalteten, stellte sich aber heraus, dass die Manager möglicherweise von einem Kollegen in Verruf gebracht wurden: Ein leitender Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung habe den Vorwurf der Spionage aufgebracht, indem er sich auf einen anonymen Informanten berief, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Renault bezahlte über den Mittelsmann in der Sicherheitsabteilung angeblich eine Viertelmillion Euro an den Informanten - den es offenbar gar nicht gab. Die Polizei nahm den Manager aus der Sicherheitsabteilung am Freitag fest, als er sich nach Guinea absetzen wollte. Die Staatsanwaltschaft leitete noch am Wochenende ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann ein.

Die Gewerkschaft FO legte Konzernchef Ghosn am Montag den Rücktritt nahe. "Die Verantwortung liegt vor allem beim Chef", sagte der FO-Generalsekretär bei Renault, Patrick Monange, im Radio. Ghosn müsse Verantwortung übernehmen - "vielleicht indem er zurücktritt". Die anderen bei Renault vertretenen Gewerkschaften wollten zunächst nicht so weit gehen.

"Paranoides Klima"

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Carlos Ghosn hatte in einem Fernseh-Interview behauptet, dass es eindeutige Beweise für die Spionage gebe. "Wir werden ausspioniert, weil wir so gut sind", erklärte er selbstsicher.

Mitarbeiter des Konzerns klagen über ein "paranoides Klima", berichtete die Zeitschrift "Nouvel Observateur" kürzlich. Die Entwicklung des Elektroautos gilt als wichtigstes Projekt des Unternehmens. Gemeinsam mit dem japanischen Schwesterkonzern Nissan hat Renault bereits rund vier Milliarden Euro investiert. In diesem und im kommenden Jahr will Renault vier Elektroautos auf den Markt bringen. Derzeit sind mehr als 100 Patente angemeldet.