News 05.12.2011

Branche unter Strom

Branche unter Strom
© AP

Die Autobranche steht vor der größten Umwälzung seit 100 Jahren. Etablierte Player bekommen dabei Konkurrenz von neuen, innovativen Autobauern wie etwa Tesla oder BYD.

Einsteigen, starten und emissionsfrei in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen. Das ist Fahrspaß made by Tesla. Ungefähr genau so rasant gestaltete sich vergangene Woche in New York auch der Börsenstart der US-Elektroautoschmiede. Am Ende des ersten Handelstages kostete eine Tesla-Aktie fast 24 Dollar - und damit rund 41 Prozent mehr als der Ausgabekurs von 17 Dollar. "Ich bin besoffen vor Glück", konstatierte Firmengründer Elon Musk. Die Anleger waren überzeugt, dass das Unternehmen beim Wandel vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb eine wichtige Rolle spielen wird.

Der Gründer der E-Auto-Schmiede Tesla, Elon Musk, posiert mit „seinem“ Roadster vor der New Yorker Börse.
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Zwar hat sich der anfängliche Hype diese Woche gelegt - die Tesla-Papiere notieren nun bei rund 19 Dollar. Dennoch ist auch an der Börse ein Paradigmenwechsel eingeleitet. Ford, ein Unternehmen, das für die alte, benzinbetriebene Autoindustrie steht, war 1956 als letzter Autohersteller in den Vereinigten Staaten an die Börse gegangen. Nun drängen Unternehmen wie Tesla auf den Markt und schicken sich an, den etablierten Playern den Rang abzulaufen.

Tesla schrieb zwar seit seiner Gründung 2003 durchgängig Verluste, doch gilt es angesichts seiner Erfahrungen beim Bau von Elektroautos als Wunschpartner vieler Branchengrößen. Daimler und Toyota sind an Tesla bereits beteiligt.

Für einen "Roadster" von Tesla (Reichweite: rund 400 Kilometer) muss man tief in die Tasche greifen: Der Sportwagen kostet 109.000 Dollar (rund 87.000 Euro). Dafür fährt man dann in prominenter Begleitung: Neben Arnold Schwarzenegger zählen auch die Schauspieler George Clooney und Brad Pitt zu Tesla-Kunden.

Träumerei

Der Gründer der E-Auto-Schmiede Tesla, Elon Musk, posiert mit „seinem“ Roadster vor der New Yorker Börse.
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Weniger glamourös, aber dafür umso rentabler stellt sich die Situation des chinesischen E-Auto- und Batterieherstellers BYD (steht für "Build Your Dreams") dar. Der Wert der in Hongkong notierten BYD-Aktien verdreifachte sich in den vergangenen zwölf Monaten. Der Konzern, der erst seit wenigen Jahren Autos fertigt, will noch heuer ein Modell in Europa und den USA vorstellen. Österreich spielt dabei eine wichtige Rolle: Die Alpenrepublik wird Testmarkt für die flächendeckende Markteinführung in Europa. Eine Liefervereinbarung mit dem Autohaus Denzel über 100 Elektrofahrzeuge wurde im Juni unterzeichnet.
Aber auch die etablierten Autobauer versuchen gegen die neue, aggressive Konkurrenz gegenzusteuern. In den kommenden Jahren haben nahezu alle namhaften Konzerne die Einführung von E-Autos geplant. Es geht schlichtweg "um die zweite Erfindung des Automobils", wie es Daimler-Chef Dieter Zetsche formulierte.

Der Gründer der E-Auto-Schmiede Tesla, Elon Musk, posiert mit „seinem“ Roadster vor der New Yorker Börse.
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Mitsubishi, Peugeot und Citroën haben derzeit die Nase vorn. Bei allen drei Herstellern laufen noch heuer E-Autos für den europäischen Markt vom Band. Preiswert sind die Stromer aufgrund der hohen Batteriekosten allerdings nicht. So wird der i-Miev von Mitsubishi rund 35.000 Euro kosten. Mit steigenden Produktionszahlen, beruhigen die Autobauer, werden die Preise dann recht schnell sinken.

Strukturwandel. Vor allem Zulieferer könnten von E-Mobilität profitieren

Der Gründer der E-Auto-Schmiede Tesla, Elon Musk, posiert mit „seinem“ Roadster vor der New Yorker Börse.
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"Leicht, in den Markt hineinzukommen"

Österreichs größter Stromerzeuger Verbund geht davon aus, dass 2020 rund 210.000 E-Fahrzeuge auf heimischen Straßen unterwegs sein werden. Derzeit sind es lediglich knapp 200. Ein Grund für diese noch sehr überschaubare Zahl ist die spärliche Verfügbarkeit - serienreife Modelle für die Massenproduktion sind Mangelware. Deshalb greifen diejenigen, die jetzt schon elektrisch mobil sein wollen, auf Umbauten zurück. Die Vorarlberger Firma Reffcon elektrifiziert etwa den Fiat 500.

Mit einer Eigenentwicklung kann die Firma Haidlmair aus Oberösterreich aufwarten: Ein Prototyp eines Elektroroadster mit 200 Kilometer Reichweite, der innerhalb eines Jahres entwickelt wurde. 90 Prozent der Teile sind selbst produziert - Haidlmair ist eigentlich Spezialist für Spritzgussverfahren.

Ein exemplarisches Beispiel, bei dem klar werde, welch große Chancen sich für (heimische) KMU auftun, erläutert Erwin Smole, Energieexperte beim Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers. Da die Konkurrenz derzeit noch nicht groß sei, "ist es verhältnismäßig leicht, in den Markt hineinzukommen". Die traditionell starke heimische Zulieferindustrie könne ebenfalls profitieren, vor allem in den Bereichen Elektronik und Batterietechnik. "Das E-Auto wird ein Auto der Zulieferer", glaubt Smole.

Um E-Mobilität in Österreich voranzutreiben, haben sich zudem heimische Leitbetriebe (Verbund, Magna, Siemens, AVL List, etc.) in einem Gemeinschaftsprojekt (Austrian Mobile Power) zusammengeschlossen.

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(Kurier) Erstellt am 05.12.2011