News 05.12.2011

China: Drei Mal mehr Lkw als in Westeuropa

China: Drei Mal mehr Lkw als in Westeuropa
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Warum der Staat so viele Lkw braucht. An der Wirtschaftsleistung liegt es nicht

Grundsätzlich scheint die Entwicklung logisch: Fast jeder fünfte Weltbewohner ist Chinese, da kann auch jeder fünfte Lkw weltweit in China hergestellt werden. Aber das würde nur passen, wenn auch die Wirtschaftsleistung eines Chinesen jener eines Westeuropäers oder Nordamerikaners entspräche.

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Dem ist nicht so. Auch der Nachholbedarf reicht nicht als Erklärung des Lkw-Booms in China. Immerhin werden dort nicht nur mit Abstand die meisten Lkw der Welt gebaut, sondern auch die meisten Lkw pro Einwohner, rund vier Mal so viel wie in Indien. Laut ZF beträgt der Schnitt in China 0,9 Lkw pro 1000 Einwohner, in Indien etwa 0,2, in Westeuropa 0,7. Der Lkw-Bestand liegt in China bei 4,9 Lkw pro 1000 Einwohner, in Indien bei 4,7, in Westeuropa und Nordamerika bei 6,7/6,6. In Südamerika übrigens bei nur 2 Lkw.

Der Hauptgrund für die explosionsartig steigenden Produktionszahlen im Reich der Mitte ortet ZF in der Kurzlebigkeit der chinesischen Lkw. "In China müssen drei Mal mehr Lkw erzeugt werden, um eine vergleichbare Transportleistung wie in Westeuropa zu erreichen", so Wilhelm Härdtle, ZF.

Abkühlung

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Sobald sich das ändere, werde die Überproduktion in China zu Ende gehen und eine Phase der Konsolidierung folgen, bis auch dort der Markt wie heute in Nordamerika und Westeuropa weitgehend gesättigt sei. ZF sieht dann die chinesisches Lkw-Produktion von derzeit mehr als 1,2 Mio. Lkw pro Jahr auf 950.000 sinken.

Grundlegend verschieden ist auch die Frächterstruktur etwa zwischen Westeuropa und China. Während im Westen Speditionen mit großen Fahrzeugflotten dominieren, die ihre Fahrzeuge vor allem nach möglichst geringen Gesamtkosten auswählen (siehe Grafik) , herrschen in
China, aber auch in Indien, Kleinstbetriebe vor. Dort geht es nicht darum, dass der Lkw möglichst schnell möglichst viel von A nach B bringt, um die Fahrerkosten zu senken, sondern dass der Lkw beim Kauf möglichst billig ist, um überhaupt ins Geschäft einsteigen zu können.

Ausfälle

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Ähnlich groß sind auch die Unterschiede bei den Ansprüchen an die Zuverlässigkeit zwischen den Märkten. Während laut ZF im Westen bei "10 % Ausfall" das Ende der Lebensdauer als erreicht gilt, geben chinesische Frächter an, dass sie ihre Lkw 23 Mal pro Jahr warten und reparieren, "sodass man davon ausgehen kann", sagt Härdtle, "dass fast kein Bauteil im Originalzustand die Lebensdauer erreicht."

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(Kurier) Erstellt am 05.12.2011