News 07.02.2012

Chrysler bedankt sich bei Obama

Chrysler bedankt sich bei Obama
© EPA

Der Super Bowl-Werbespot von Chrysler strotzt vor Pathos und Liebe zu den USA. Dabei gehört der Hersteller mehrheitlich dem italienischen Fiat-Konzern. Obama wird er trotzdem helfen.

Madonna verstummte. Die Lautsprecher schwiegen Sekundenbruchteile, bevor die Ausstrahlung von Chryslers Super Bowl-Werbespot "It’s halftime in America" begann. 800 Millionen Menschen blickten auf ihren Fernsehschirm und mussten nach zwei Minuten feststellen: Der Werbefilm ist weder besonders lustig noch außerordentlich provokant. Dank der üblichen Portion Patriotismus, sogar ziemlich gewöhnlich. Dennoch polarisiert der Spot.

Chrysler greift dem Präsidenten im Wahlkampf unter die Arme.
© dapd(c) AP

In den USA herrscht Wahlkampfstimmung. Barack Obama bewirbt sich um seine zweite Amtszeit. Und es wirkt so, als greife Chrysler dem Präsidenten dabei unter die Arme. Der zwei Minuten lange Film darf nämlich als direkter Dank an Barack Obama verstanden werden, dessen Regierung den Autobauer mit milliardenschwerer Staatshilfe vor dem Untergang bewahrte. Mit dem Spot wurde nun ein Millionenpublikum daran erinnert, dass die Firma ohne Unterstützung möglicherweise nicht mehr bestehen würde.

Bereits 2011 schwang der Hersteller mit dem Rapper Eminem die Keule der Vaterlandsliebe, den "Wir schaffen es"-Knüppel, und versuchte mit den Vorurteilen über das insolvente Detroit aufzuräumen. Der Autobauer behielt recht: Die US-Amerikaner sind in Kauflaune, die heimische Wirtschaft zieht an und die Arbeitslosigkeit geht zurück. Bedeutet: Die Autokonzerne verdienen prächtig. Chrysler konnte die Staatskredite zur Gänze zurückzahlen.

Große Bilder und alte Worte

Eastwood: "Die Menschen in Detroit haben Erfahrung mit schwierigen Zeiten."
© Screenshot / Youtube

Dieses Jahr ist es Clint Eastwood, der den Amerikanern vom Comeback der Motor-City Detroit und des ganzen Staates erzählt. Während des bildstarken Films verbringt "Dirty Harry" viel Zeit mit spazieren und flüstern. Seine tiefe, ruhige Stimme mag legendär sein, aber Sätze wie "es zählt nur das, was vor uns liegt, wie wir weiterkommen und wie wir gewinnen" klingen dennoch etwas abgedroschen. Auch die Zeile "dieses Land geht nicht nach einem Schlag k.o., wir stehen sofort wieder auf - deswegen wird die ganze Welt das Röhren unserer Motoren hören" strotzt vor Pathos und Schmalz. Erfrischend anders geht anders. Wahlkampf nicht, oder doch?

Nach "Yes, we can" lautet das Credo des Präsidenten: "Wir sind noch nicht fertig". Hollywood-Urgestein Eastwood unterstreicht werbewirksam: "Es ist Halbzeit in Amerika". Besonders ist der Umstand, dass Eastwood ein bekennender Republikaner ist. Er unterstützte schon die Kandidatur von Richard Nixon und Ronald Reagan. Mit dem öffentlichen Bekenntnis zur demokratischen Obama-Regierung, lässt er den Republikanern im Auftrag von Chrysler jedoch die Luft aus den Reifen: Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit gehören nämlich zu den Hauptkritikpunkten der Gegner an Obama.

Fakt ist: Die Autos von Chrysler gehören quasi zu den Genen der USA und in Detroit schlägt das Herz der US-amerikanischen Autoindustrie am lautesten. Deshalb darf ein Hersteller, dessen Geschichte so eng mit der Motor-City verwoben ist, ruhig patriotisch sein und "Danke" sagen. Wahr ist jedoch auch: Chrysler gehört mittlerweile zu 58,5 Prozent dem italienischen Fiat-Konzern …

(Kurier) Erstellt am 07.02.2012