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12/05/2011

Crashtest: "Fünf-Sterne"-Autos mit schwachen Ergebnissen

Lässt man Fahrzeuge nicht gegen eine Wand, sondern gegeneinander prallen, steigt das Verletzungsrisiko deutlich.

Je weniger die Situation dem Labor ähnelt und umso mehr sie dem tagtäglichen Unfallgeschehen auf den Straßen gleicht, desto schlechter werden die Ergebnisse von Autos bei Crashtests. Die "Fünf-Sterne"-Autos Fiat 500 und Audi Q7, die im ÖAMTC-Crashtest beim Frontaufprall gegen eine Wand mit Bestnoten abschnitten, sind bei einem aktuellen Test des Clubs mit nur schwachen Ergebnissen davongekommen. Techniker ließen den rund 2.500 Kilo schweren SUV in einem Kompatibilitäts-Crashtest gegen den kleinen Fiat mit der halben Masse prallen - mit überraschend schlechten Noten auf beiden Seiten.

Die den Fahrzeugen attestierte "Fünf-Sterne"-Bewertung gilt nur in der jeweiligen Klasse - also nur bei einem Aufprall gegen ein ähnliches Auto, erklärte ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang. Der neue Test diente dazu herauszufinden, wie sich Autos beim Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug - so wie es auch auf der Straße vorkommt - verhalten. Problematisch wird es etwa bei einem Unfall mit einem stärkeren Wagen. "Ein doppelt so schweres Auto hat doppelt so viel Energie", sagte Lang.

Fazit des Technikers: Herkömmliche Crashtests sind gut, aber zu wenig. Sie treffen Aussagen darüber, wie die Airbags arbeiten, wie die Sitze beschaffen sind oder darüber, wie sich die Fahrgastzelle deformiert. Sie sagen aber zu wenig darüber aus, "was passiert, wenn ich gegen ein anderes Auto fahre", so der ÖAMTC-Cheftechniker.

Angesichts der steigenden Absatzzahlen von großen Fahrzeugen wird "David gegen Goliath" auf Straßen zunehmend zum Sicherheitsproblem. Immer häufiger wird das tiefe Eindringen von Fahrzeugteilen in das Auto des Unfallgegners bei Kollisionen mit großen Autos beobachtet.

"Kompatibilitätscrashtests muss es in Zukunft als Ergänzung zu den jetzigen Tests geben", forderte Lang. Das Zusammenspiel der Autos untereinander in Unfallsituationen müsse verbessert werden. "Zusätzlich ist es wichtig, Geometrie und Steifigkeit der tragenden Teile besser aneinander anzupassen. Wenn diese Punkte von den Herstellern berücksichtigt werden, kann der Insassenschutz bei allen Unfällen erheblich erhöht werden. Es ist davon auszugehen, dass das Risiko von schweren und tödlichen Verletzungen durch diese Maßnahmen deutlich reduziert werden kann."