News 05.12.2011

Das Rad der Zeit

Das Rad der Zeit
© Boroviczeny/KURIER

Warum das Elektro-Auto für weit mehr steht als für abgasfreies Fahren.

Das E-Auto gilt als die beste Alternative für die Zukunft. Vielleicht auch deshalb, weil Hersteller, Politiker wie Umweltschützer hoffen, in unserem übersättigten Westen damit das Rad der Zeit in einigen Bereichen um Jahrzehnte zurückdrehen zu können.

So sehen die Autohersteller im Elektro-Auto die Riesenchance, die mittlerweile wenig Auto-affine städtische Jugend wieder für ihre Produkte mobilisieren zu können. Obendrein weiß man aus anderen Branchen, dass Konsumenten für "Bio" deutlich mehr zu zahlen bereit sind als für traditionelle Ware.

Die Energieversorger dagegen, seit der Liberalisierung der Strompreise etwas gestresst, bekommen mit dem Elektro-Auto ein überzeugendes Argument, viel Steuergeld für den nötigen Ausbau der Infrastruktur zu fordern und anderseits die Strompreise zumindest für Autos in luftige Höhen zu treiben.

Stadtpolitiker wiederum erhalten damit das seit Langem ersehnte Druckmittel gegen den jährlich wachsenden individuellen urbanen Auto-Verkehr. Sie dürfen sich freuen, wenn die Reichweiten der Elektro-Autos gering, die Batteriekosten exorbitant hoch und das Laden extrem mühsam bleiben. In Kombination mit Fahrverboten für nicht-elektrische Antriebe ist damit schlagartig jedes Stau- und Parkproblem gelöst, die Erhaltungskosten für die Straßen sinken beträchtlich, die U-Bahnen und Busse werden wie von Geisterhand gefüllt.

Das freut auch die Umweltschützer. Manche träumen bereits von der Wiener Südosttangente als Radweg. Nur die Steuerexperten halten ihre Träume noch zurück.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011