News 05.12.2011

Der Erfinder des Treffens im Interview

Der Erfinder des Treffens im Interview
© Privat

Erwin Neuwirth meint: "Man muss nicht alles gutheißen, was sich verändert hat."

Erwin Neuwirth (62) ist nicht nur Erfinder des GTI-Treffens, sondern als Spätberufener auch zweifacher Akademiker (u. a. lehrt er an der Uni Klagenfurt) und lebt jetzt in Wien. Er gilt sozusagen als "Schutzheiliger" unter den Fans des Kult-Autos aus Wolfsburg.

KURIER: Als im Juni 1982 das erste GTI-Treffen in Reifnitz über die Bühne ging, waren gerade einmal 85 Teilnehmer gekommen. Heute sind es weit über 100.000. Hatten Sie das jemals für möglich gehalten?

Erwin Neuwirth: So wie vieles im Leben, hat auch das GTI-Treffen eine eigene Dynamik entwickelt. Weil es weltweit Millionen dieser Autos gibt, sind die Besucherzahlen für mich keine Überraschung.

Stichwort Dynamik: Können Sie sich mit dem, was heute rund um den Wörthersee beim Treffen üblich ist, überhaupt noch identifizieren?

Im Herzen bin ich noch immer ein GTI-Fan. Auch wenn ich mittlerweile auf ein anderes VW-Kultauto umgestiegen bin, nämlich einen Beetle. Aber deshalb muss man nicht alles gutheißen, was sich im Laufe der Jahre verändert hat.

Konkret?

Mit der Kommerzialisierung sind leider auch negative Erscheinungen nach Reifnitz gekommen. Cobra-Einsatz, Verbote, Regelungen haben die Stimmung aufgeheizt. Alkohol und Frust sind schlechte Partner. Mit den Go-go-Girls wird Öl ins Feuer begossen. Das führt in Summe zu jenen Auswüchsen, die 99 Prozent nicht haben wollen.

Neuwirth als Gegner von Wein, Weib und Gesang?

Überhaupt nicht. Nur die Dimensionen müssen stimmen. Jetzt steckt Gier dahinter, es geht nur ums Verdienen. Und nicht mehr um den GTI als Kult.

Wie sehen Sie die Zukunft des GTI-Treffens?

Sie hat eigentlich schon stattgefunden - wenn sich Jung und Alt treffen und ihre Erfahrungen austauschen. Aber das Auto müsste noch mehr Mittel zum Zweck sein. Außerdem hat man das Prinzip Anerkennung vernachlässigt. Wir haben damals noch die besten Autos prämiert.

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(Kurier) Erstellt am 05.12.2011