News
05.12.2011

Feinstaub: Das Winterproblem

Nach der Feinstaub-Krise vor ein paar Jahren zogen nun Wissenschaftler Bilanz und zeigten, wo Verbesserungen nötig sind und Erfolge erzielt wurden.

Noch hat der Winter nicht begonnen, aber der "Lufthunderter" auf der Südautobahn vor Graz zeigt: Die Feinstaubsaison ist eröffnet.

"Die Übertretungen der Grenzwerte treten in der Steiermark ab September auf", so Prof. Hans Puxbaum, TU Wien, auf dem Feinstaub-Symposium in Graz, zu dem die Akademie der Wissenschaften sowie das Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik der TU Graz geladen hatten.

Graz, als Feinstaub-Hauptstadt Österreichs idealer Tagungsort, hatte 2010 mit 70 Überschreitungen des Tagesmittelwertes von Feinstaub (siehe Tabelle) doppelt so viele Übertretungen wie laut EU-Richtlinie und fast drei Mal so viele, wie nach österreichischem Gesetz erlaubt sind.

Feinstaub hat viele Quellen, nicht alle sind beeinflussbar. Bestes Beispiel ist Graz, aber auch Klagenfurt: Ein wichtiger Grund für die Feinstaubbelastung dort sind laut Helmut Hojesky vom Lebensministerium die Topografie (Beckenlage) und das Wetter (Inversionswetter im Winter). Im Nordosten Österreichs dagegen werde die Belastung "nicht unwesentlich durch Ferntransport von Feinstaub aus dem Süd- und Nordosten Europas beeinflusst." Die Großindustrie dort unterliegt zwar nun auch der EU-Feinstaub-Richtlinie, allerdings gibt es lange Übergangsfristen.

Grundsätzlich sei Feinstaub bei uns ein Winterproblem. Hojesky: "Überall, wo geheizt wird und viele Menschen zusammenwohnen, gibt es diese Überschreitungen." Je milder der Winter, desto geringer die Überschreitungen.

Für jene Quellen, die beeinflussbar sind, gibt es laut Hojesky bundesweit Maßnahmenkataloge, die Umsetzung sei jedoch "unterschiedlich weit fortgeschritten." Bei der laut Prof. Manfred Neuberger, MedUni Wien, "wichtigsten Feinstaubquelle im Innenraum", dem Rauchen, ist man nicht so weit.

Erfolge

Im Verkehr dagegen wurden dank Partikelfilter für neue Diesel-Pkw und Abgasreinigung von Lkw die Partikel-Emissionen praktisch auf null gesenkt.

45 Prozent des Feinstaubs aus dem Verkehr (siehe Grafik) , mit Tendenz steigend, entfällt heute laut Prof. Stefan Hausberger, TU Graz, auf "Aufwirbelung" (Non-Exhaust) vor allem von Straßen- und Reifenabrieb, wo es derzeit noch keine wirksamen Gegenmaßnahmen gibt. Ein Verbot von Splittstreuung, wie es viele Anwohner wünschen, ist laut Experten nicht möglich. Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer gehe vor.

Anders sieht es bei Öfen aus. Laut Prof. Puxbaum erzeugen die beliebten Holzheizungen real drei bis vier Mal so viel Feinstaub, wie die verwendete VDI-Emissionsmessung zeige. Skandinavische Messmethoden seien da genauer. Augenmerk verdienen laut Puxbaum auch die Abgase von Mastställen aus dem Umland, die die Grazer Luft belasten.

Insgesamt, so Prof. Hausberger, sei das Feinstaub-Problem technisch gelöst. Die neuen Systeme und Maßnahmen würden aber Jahre brauchen, bis sie sich voll auswirken. Allein der Pkw-Austausch dauert Jahre. Fahrverbote wie in Graz für die Innenstadt diskutiert hält er für wirkungslos punkto Feinstaub. Auch Landesrat Gerhard Kurzmann lehnt die Umweltzone ab, zu gering sei der Nutzen, zu groß das Risiko der Abwanderung der Arbeitsplätze ins Umland. Graz hofft durch Maßnahmen wie mehr Öffis, Verbesserung bei Winterdienst und Hausbrand die EU-Vorgaben künftig zu erfüllen.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund