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07/04/2021

Fahrschullehrer Koblizek: "Das Auto als Statussymbol hat ausgedient"

Mobilität ist ein Megatrend, trotzdem ist die Zahl der jungen Menschen mit Führerschein in den vergangenen Jahren stark gesunken. Warum, Herr Fahrschulleiter?

von Theresa Kopper

Junge Menschen machen  immer seltener den Führerschein. Eine Entwicklung die auch Willy Koblizek kennt. Er ist Inhaber der Fahrschule am Schwedenplatz. Im KURIER-Interview    erklärt er, warum das Auto nicht mehr erstrebenswert ist und was das für die  Fahrschulen bedeutet. 

KURIER: Herr Koblizek, Statistiken zeigen, dass Fahranfänger älter werden. Früher bedeuteten Matura und Führerschein Freiheit. Ist  das heute nicht mehr so? 
Willy Koblizek: Es hat sich in den vergangenen Jahren  sehr viel geändert. Früher konnte man sich über ein Auto definieren.  Wenn man heute als Jugendlicher mit einem Porsche aufkreuzt, wird keiner mehr applaudieren. Im Gegenteil, es geht heute eher in Richtung Car Shaming. 

Car Shaming? Das müssen Sie erklären.
Für viele Jugendliche ist es  nicht  erstrebenswert, ein Auto zu besitzen. Sie nutzen lieber die Infrastruktur der Stadt   und sind damit kostengünstig und klimafreundlich unterwegs. Für sie ist ein Smartphone oder eine  Wohnung ein größeres Statussymbol als ein Auto.

Hat wohl auch damit zu tun, dass ein Auto   in  Anschaffung und Erhalt teuer ist.
Richtig. Deshalb gewinnt das Thema Car Sharing in Städten auch  an Bedeutung. Ich  finde, das ist ein tolles Konzept, gerade im Hinblick auf den Bevölkerungszuwachs in Wien. Stellen Sie sich vor, jeder der bald zwei Millionen Einwohner in Wien besäße ein eigenes Auto. Wo sollen die denn alle hin? Es braucht hier einfach neue Modelle der Mobilität. 

Gut ausgebaute Infrastruktur, Car-Sharing-Konzepte, viel Mobilität – das sind  Dinge, die auf Ballungszentren  zutreffen. Aber was machen Jugendliche auf dem Land?
Jugendliche tendieren im ländlichen Bereich eher dazu, den Führerschein  früh  zu machen. Das hat  natürlich vor allem mit der fehlenden Infrastruktur zu tun. Vielfach müssen  dort die Eltern  ihre Kinder chauffieren, sodass diese oft  sagen, es ist notwendig,  dass die Jungen so schnell wie möglich unabhängig sind. Und am Land geht das nun einmal nicht ohne Auto. 

Trotzdem – die Zahlen beweisen, dass auch in der Stadt, die meisten, die den Führerschein nicht in ihrer Jugend machten, ihn zumindest im frühen Erwachsenenalter nachholen.  
 Das merke ich auch in meiner Fahrschule, wenn zunehmend angehende Akademiker im Leersaal  sitzen, weil sie  erkannt haben, dass es ganz ohne Führerschein auch nicht geht.  Gleichzeitig sehe ich, wie schwer sich diese Leute oft tun. Führerschein machen ist wie Skifahren lernen: Je früher man damit anfängt, desto besser kann man es im Endeffekt auch. 

Hat die Pandemie die Einstellung der Jungen  geändert? Der Ansturm auf Fahrschulen  war nach der Wiederöffnung  groß.
Der Ansturm lässt sich vor allem durch Nachzieheffekte erklären. Zudem hatten die Leuten während der Pandemie einfach weniger zu tun und haben die Zeit genutzt, um den Führerschein zu machen. Gleichzeitig ist auch die Frequenz der Öffis zurückgegangen, was den Wunsch nach einem individuellen Verkehrsmittel sicher bestärkt hat. Und natürlich spielt auch die Sicherheit eine Rolle. 

Apropos Sicherheit: Autonomes Fahren könnte bald schon Realität  werden. Macht dieser Trend Fahrschulen überflüssig?
Das ist  schwer zu sagen. Fakt ist, dass in zehn bis 15 Jahren autonomes Fahren Realität sein wird. Ob und welche Ausbildung es dann braucht, wird sich zeigen. Es gibt  bereits  Arbeitskreise, die sich damit auseinandersetzen. Vor allem der rechtliche Aspekt, also wer im Falle eines Unfalls haftet, wird uns  noch vor einige Herausforderungen stellen. Auch die Frage, ob es dann überhaupt noch einen Führerschein braucht, kommt natürlich auf. Aktuell arbeitet man an einem sogenannten Operator- Schein, eine Art Führerschein für das autonome Auto.   Wann und ob wir diesen einsetzen, wird die Zukunft zeigen.    

Die Daten zum rosa Schein

Ausgestellte Führerscheine
2019 ist die Zahl der ausgestellten B-Führerscheine erstmals seit 2015  gestiegen

Fahranfänger werden älter
2006 wurde die B-Klasse durchschnittlich mit 
19,9 Jahren ausgestellt,  
2019  erst mit 21,6 Jahren

32 Prozent der Pkw-Berechtigungen wurden 2019 als L17-Führerschein erworben. Mit diesem darf man schon mit 
17 Jahren ein Auto lenken   

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