News 23.01.2013

Grün bleibt, der Motor auch

Grün bleibt, der Motor auch
© www.bigshot.at/Nikola Milatovic

Nach dem Elektro-Hype die Ernüchterung: Am Verbrennungsmotor führt vorerst kein Weg vorbei

Mehr als 6250 Mitarbeiter zählt die AVL List inzwischen. In den vergangenen sieben Jahren hat sich „der reine Motorenentwickler zum Gesamtantriebsentwickler“ gewandelt, so Firmenchef Helmut List vor Kurzem beim „Future Day“, der firmeneigenen Leistungsschau in der Grazer Messehalle, zu der Hunderte Mitarbeiter, Kunden und Studenten aus aller Welt kamen.

List ist stolz über die erste Umsatz-Milliarde der AVL, sprach aber auch über die tiefgehende Umorientierung in der weltweiten Autoindustrie. Neben der zunehmenden Globalisierung ist dabei vor allem die Rede von der nötigen Verbrauchs- und CO2-Reduktion der Fahrzeuge, die für den Kunden leistbar bleiben muss, was E-Autos bremst, sowie von der Verfügbarkeit von Kraftstoffen, an der sich die Antriebsentwickler orientieren müssen.

Verbrennungsmotoren (Otto- und Dieselmotoren) werden weiter dominieren. List rechnet aber mit einer starken Zunahme von Gas als Kraftstoff, auch für Züge und Lkw, vor allem in den USA und China. Synthetisches Gas (aus Windstrom und CO2) sowie Algensprit sieht List nicht vor 2020. Auch Wasserstoff sei etwas auf „lange Sicht“. Die AVL habe „nie groß darauf gesetzt“, auch nicht vor 10 Jahren, als die EU euphorisch den nahenden Siegeszug von Brennstoffzelle und Wasserstoff feierte. „Als Privatunternehmen müssen wir schauen, was bald ein Geschäft werden könnte.“

Nur 1 l/100 km: Audi A1 E-Tron mit einem Plug-in-Hybridantrieb der AVL.
© Werk

Uwe D. Grebe, Geschäftsführer AVL-Antriebssysteme, ging im Motor-KURIER-Gespräch näher auf die Themen ein.

Leistbare CO2-Reduktion„In der EU ist bis 2020 eine CO2-Senkung von bis zu 30 % bei den Autos nötig.“ Grebe sieht bei Motoren im Zusammenspiel mit Getrieben allein durch „evolutionäre Verbesserungen“ ein Einsparungspotenzial von 20 %. Downsizing, die Verkleinerung von Hubräumen, bleibe bei Benzinern das vorrangige Thema für die nächsten Jahre, betreffe aber auch Diesel. Diese Verbesserungen werden aber nicht reichen. Die Elektrifizierung müsse vorangetrieben werden. Gefragt sei „Teamsport“, ein effizientes Zusammenspiel aller Fahrzeugkomponenten.

Sehender Antrieb „Heute sind Antriebsstränge abgeschlossene Systeme. Der wesentliche Zugang erfolgt über den Gasbefehl“, so Grebe. Das soll sich ändern. Inzwischen gebe es im Auto viele Infos über Wetter, Infrastruktur und Topografie, allein dank der Mobiltelefone. Werden diese Infos genützt, könnten Autos ohne teure Zusatz-Hardware deutlich effizienter werden.

Trend zur Einfachheit Selbst deutsche Nobelmarken kürzen bei Motoren radikal den Aufwand. Grebe: „Die Leistung der Motoren ist inzwischen so hoch, dass etwa die Höchstgeschwindigkeit am Stammtisch nicht mehr so relevant ist. Gleichzeitig steigen die Anforderungen der Kunden in anderen Bereichen.“ Unterm Strich müssten sich Kosten und Nutzen für den Hersteller rechnen.

Elektro-Hype Die AVL hält sich, auch durch Zukäufe spezialisierter Firmen, „bei E-Fahrzeugen für sehr gut aufgestellt.“ Jedoch sieht die AVL die nächsten 10 Jahre keinen Durchbruch für das reine E-Auto auf dem Massenmarkt. Grebe: „Das E-Auto ist zu sehr gepusht worden.“ Die Batteriepreise seien nicht so schnell gefallen, wie viele hofften. Für die AVL eine Chance. Von ihr wurde etwa der Plug-in-Hybridantrieb für den Audi A1 E-Tron entwickelt.

China als TrendsetterFür viele Hersteller ist China inzwischen der wichtigste Markt, das könnte das Angebot entsprechend ändern, auch in Europa, so Branchenkenner. Grebe: „Ich glaube nicht, dass ein Markt das Angebot für einen anderen Markt bestimmen wird. Die Erwartungshaltungen der Kunden sind sehr unterschiedlich. Eher wird versucht werden, immer mehr modular zu entwickeln und so mit einem Art Lego-Baukasten mit möglichst wenig Bausteinen das Beste anzubieten, das der jeweilige Markt will.“

(Kurier) Erstellt am 23.01.2013