News 14.01.2016

Kia Niro: Erstmals am Steuer des Anti-Prius von Kia

Kia Niro: Erstmals am Steuer des Anti-Prius von Kia
© Kia

Das vollkommen neu entwickelte Hybrid-Modell kommt schon im Herbst bei uns auf den Markt.

Auf der Vienna Autoshow stand zwar der neue Sportage im Mittelpunkt des Interesses auf dem Kia-Stand, die wahre Sensation der Koreaner für dieses Autojahr ist jedoch ein ganz anderes Modell. Enthüllt wird es zwar erst auf dem Autosalon in Genf Anfang März und der Marktstart bei uns ist für kommenden Herbst geplant, doch der Motor-KURIER hatte bereits die Gelegenheit, den Kia Niro selbst zu fahren.

Hinter dem zusätzlich ins Modellprogramm kommenden Niro steht die neue Verbrauchssenkungs-Strategie des koreanischen Hyundai-Konzerns, der eine eigene Plattform für kompakte Hybrid-Modelle entwickelt hat. Mit denen (und ihren Derivaten als reines E-Auto und als Plug-in-Hybrid) begibt man sich offensiv auf das Terrain des Hybrid-Pioniers Toyota Prius.

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© Kia

Während das auch im Herbst zu uns kommende entsprechende Hyundai-Modell namens Ioniq auch optisch eher in diese Richtung geht (Schrägheck-Fünftürer mit kompakten Abmessungen), betritt man mit dem Kia Niro bewusst Neuland. In der konzerneigenen Nomenklatur als HUV (Hybrid Utility Vehicle) bezeichnet, ist er optisch eine Mischung aus kompaktem SUV und Kombi.

Der erste Eindruck vom ungetarnten Niro ruft sofort den Dodge Caliber seligen Angedenkens in Erinnerung, zumal von der Seite betrachtet. Von den Eckdaten her (4,35 m lang, 1,80 m breit, 1,53 m hoch, Radstand 2,70 m) reiht er sich unter dem 4,48 m langen Sportage ein und bietet im Passagierraum viel Platz für bis zu fünf Passagiere. Die Hinterbänkler werden dabei nicht nur mit viel Kopffreiheit versorgt, sondern auch mit beheiz- und belüftbaren Sitzen und einer 220-Volt-Steckdose.

Die Lithium-Polymer-Batterie (1,56 kWh) wurde unter der Rücksitzbank und einem Teil des Kofferraumes untergebracht, was im Verhältnis 60:40 umlegbare Rücksitzlehnen erlaubt. Dass dabei eine Stufe zum Kofferraumboden entsteht, ist angesichts des Hybrid-Konzeptes verständlich.

Kia Niro…
© /Werk (5)

Im Fahrbetrieb im normalen koreanischen Straßenverkehr zeigte sich das dem Motor-KURIER anvertraute – noch getarnte – Erprobungsmodell des Niro als alles andere als ein Auto für notorische Gleiter. Die Kombination aus einem 1,6-l-Benziner (105 PS, 147 Nm) und einem E-Motor mit 32 kW Leistung erlaubt auch durchaus fahraktiven Betrieb. Vor allem dank des Verzichts auf ein stufenloses CVT-Getriebe hält sich nicht nur beim Beschleunigen die akustische Belastung in Grenzen. Durch das 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe steht dem Piloten so neben dem Automatik-Betrieb auch die manuelle Gangwahl offen.

Wie sehr der tatsächliche Durchschnittsverbrauch von dem angepeilten Normverbrauchsziel von weniger als 90 g/km CO2 in der Praxis abweicht, werden erst die Tests mit dem Serienmodell zeigen. Dass man das Thema Verbrauch bei der Entwicklung des Niro sehr ernst genommen hat, zeigt aber der Aufwand beim Optimieren des Managements der beiden Antriebsquellen.

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Um die eingesetzte Energie möglichst optimal zu nutzen, werden die elektronischen Entscheider an Bord nämlich auch mit den Daten der Navigation über die Beschaffenheit der vorausliegenden Strecke gefüttert. Steht etwa eine längere Steigung an, wird die Batterie im Fahrbetrieb davor vollgeladen, um den Verbrenner beim Bewältigen der Steigung möglichst gut entlasten zu können. Steht hingegen eine Gefällestrecke auf dem Programm, wird zuvor hauptsächlich elektrisch gefahren (und damit Benzin gespart), weil die Batterie dann durch die Brems-Rekuperation ohnehin wieder gefüllt werden kann.

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© Kia

Was das Fahrwerk angeht, so ist zu berichten, dass die Fuhre zwar brav die Spur hielt, der Aufbau des auf die US-Spezifikation abgestimmten Versuchsmodells bei raschem Lastwechsel jedoch ziemlich schnell ins Schaukeln kam. Das sollte für das Europa-Modell noch an die hiesigen Vorlieben für eine etwas straffere Abstimmung angepasst werden können. Zeit dafür ist ja bis zum Produktionsstart nach dem Sommer noch genug. Und bis dahin sollte auch eine feinere Dosierbarkeit der Bremsen hinzubekommen sein.

Sollte der Niro dann auch noch preislich scharf genug kalkuliert sein, wäre er eine ernst zu nehmende Alternative für Leute mit erhöhtem Platzbedarf und ebenso geringer Begeisterung für Stufenlos-Getriebe wie für Dieselmotoren.

(Kurier) Erstellt am 14.01.2016