Zweirad
25.05.2017

KTM 125 & 390 Duke: Die Bewegung der kleinen Massen

Keine anderen KTM-Modelle haben weltweit mehr Fans als diese Einzylinder-Bikes. Jetzt soll die zweite Generation den globalen Siegeszug der Mattighofener fortsetzen.

Ein Facelift für 125 und 390 Duke gehört bei KTM zu den heikelsten Projekten überhaupt, denn seit der Produkteinführung der kleinen Herzöge sind die Geschäftserfolge der Mattighofener geradezu explodiert: 2012 beschäftigte der Konzern 1702 Mitarbeiter, baute 107.142 Fahrzeuge und erwirtschaftete 612 Millionen Euro Umsatz. Vier Jahre später offenbart nun die Bilanz 2016 einen Personalstand von 2931 Personen, 203.423 produzierte Motorräder und einen stolzen Umsatz von 1,14 Milliarden Euro.

Dieser ökonomische Triumphzug wurzelt großteils auf den vom indischen Partner Bajaj (hält 47,99 Prozent an KTM) in Pune gefertigten Dukes, die weltweit verfügbar sind und sich besonders in Asien und Südamerika zum Topseller gemausert haben.

Gesichtspflege

Im Rahmen des Euro-4-Updates spendiert KTM-Chefdesigner Gerald Kiska sowohl der 125 als auch 390 Duke eine LED-Lichtanlage inklusive nachgeschärfter Silhouette. Die frappante Ähnlichkeit mit dem KTM-Asphalt-Flaggschiff 1290 Super Duke R ist dabei selbstverständlich kein Zufall.

Der um 2,4 Liter vergrößerte Stahltank soll ab sofort rund 350 Kilometer Reichweite garantieren, die optionale "My Ride"-Bluetooth-Schnittstelle (29 Euro Aufpreis) erlaubt während der Fahrt das Beantworten von Telefonanrufen und die bequeme Steuerung des Handy-Musikplayers. Das große Farb-TFT-Display im Cockpit ist selbst bei direkter Sonneneinstrahlung bestens lesbar und geizt nicht mit Informationen.

Die Sitzhöhe des bequemen Sattels wächst im Vergleich zum Vormodell um 30 Millimeter. Lästige Vibrationen sind trotz Einzylinder-Aggregat weder am modifizierten Stahl-Lenker noch an Fußrastern oder am Sitzpolster wahrnehmbar. Wie die 390 Duke rollt ab sofort auch die 125-Kubik-Version ab Werk auf haftungsstarken Metzeler Sportec M5 Reifen.

Bewegungstalente

Mit federleichten 137 beziehungsweise 149 Kilo Trockengewicht überrascht es kaum, dass beide Einzylinder-KTM wieselflink über kurvenreiche Landstraßen schwingen. Trotz aller Wendigkeit fühlt sich das Chassis nie nervös an, das neutrale Handling erleichtert sowohl Zweirad-Einsteigern als auch Routiniers die Kontrolle.

Das zärtlich optimierte WP-Fahrwerk bringt für 2017 eine epochale Verbesserung der Straßenlage – keine Spur mehr vom einstigen Holpern der stupsnasigen Vorgänger-Modelle. Selbst auf ruppigem Fahrbahn-Flickwerk gleiten die beiden KTM merklich satter über den Asphalt und treffen in Schräglage präzise die angepeilte Linie.

Technik-Upgrades

Exklusiv der 373-Kubik-Variante um 5898 Euro vorbehalten sind die verstellbaren Handhebel, eine größere Front-Bremsscheibe und der Supermotard-ABS-Modus – ABS ist dann nur am Vorderrad aktiv. Während die Maximalleistung von 44 PS wegen der A2-Führerschein-Vorgaben unangetastet geblieben ist, konnte das Drehmoment um sechs Prozent gesteigert werden: Wer zügig vorankommen oder Tempo 160 erreichen will, muss trotz der 37 Newtonmeter Schubkraft höchsten Drehzahlen huldigen. Bei niedrigen Touren reagiert die 390 Duke dennoch ohne nervige Lastwechsel willig auf Gasbefehle, und auch schaltfaules Dahingleiten durch dichten Stadtverkehr ist problemlos möglich.

Während die Achtelliter-Duke der 390er in Sachen Fahrwerk ebenbürtig ist, sollte bei ihr mangels üppiger Kraftreserven das Getriebe in Bewegung gehalten werden. Mit 15 PS und 12 Newtonmetern schöpfte die kleinste Duke um 4598 Euro den gesetzlich erlaubten Rahmen für A1- beziehungsweise B111-Piloten schon bisher restlos aus.

Im neuen Jahr sorgt jedoch ein moderat verbreitertes Leistungsband für stressfreieres Vorwärtskommen.