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Fahrbericht

Mercedes SL: Erste Ausfahrt mit dem Roadster auf heimischen Straßen

Der SL startet in seiner neusten Version mit einer geballten Ladung an hilfreicher Technik

von Michael Andrusio

07/26/2022, 05:00 AM

Irgendwann musste es ja so kommen. Jetzt braucht es auch für das Öffnen eines Cabrioverdecks den Touchscreen. Damit ist der neue Mercedes-AMG SL gewissermaßen der erklärte Gegenpol zu einem Mazda MX-5 (dort wird mit der Hand ein Hebel entriegelt und das Dach unter zu Hilfenahme des Arms nach hinten geworfen - analoger geht es nicht). Beim SL drückt man einen Knopf in der Mittelkonsole, es erscheint ein entsprechendes Bild im Schirm und mit einem Slider, den man nach links oder rechts zieht, öffnet oder schließt man das Dach (wobei man mit dem Finger ständig draufbleiben muss).

Das funktioniert prinzipiell fein und vor allem durchaus flott. Was passiert, wenn der Touchscreen finster wird und ein Regenguss naht wollen wir uns nicht vorstellen - ist wahrscheinlich erstens nicht vorgesehen und zweitens wird's wohl eine Art Notprotokoll geben.

15 Sekunden dauert das Prozedere und das System arbeitet auch bis zu 60 km/h. Diesbezüglich trifft hier auch Neuartiges auf Klassisches. Nachdem die Vorgängergeneration des SL ein Metallklappdach hatte, setzt man in Stuttgart jetzt wieder auf ein klassisches Stoffverdeck. Das tut der Optik des Roadsters gut, wirkt - wenn es aufgesetzt ist - tatsächlich wie aufgespannt und reduziert vor allem das Gewicht gleich einmal um 21 Kilogramm. Dafür hat man dem SL anderorts Gewicht draufgepackt.

So ist der neue Mercedes-AMG SL (ja, es heißt jetzt Mercedes-AMG, nachdem die AMG-Truppe federführend bei der Entwicklung war) der erste SL mit Allradantrieb. Der SL 55 und der von uns ausprobierte SL 63 bringen die Kraft mittels Allrad auf die Straße und das ist angesichts der Leistungsdaten durchaus sinnvoll. Beide haben einen 4-Liter-V8 mit Biturboaufladung unter der Haube. Im 55er generiert der Motor 476 PS, im 63er sind es 585 PS.

Dass hier reichlich Kraft vorhanden ist, merkt man schon beim Druck auf den Startknopf, wenn der Motor mit einem Ehrfurcht gebietenden Grollen erwacht. Wenn man mag, kann man den Auspuffsound noch kerniger stellen - mit einem Knopferl am Lenkrad (aber das muss ehrlich gesagt nicht sein). Mittels Drehregler am Lenkrad - ja, das kennt man von Porsche - lassen sich auch die Fahrmodi fein justieren. Von Comfort über zwei Sportmodi bis zu einem Race-Mode. Auch für Glätte lassen sich die Parameter einstellen.

So beherrscht der SL ein breite Spanne an Fahrcharakteristika, vom entspannten Cruisen im Comfort-Modus bis zum harten und direkten Sportwagenfeeling im Race-Modus. Mercedes treibt ja auch abgesehen vom Allradantrieb und der justierbaren Fahrdynamikregelung viel Aufwand, um die Agilität zu steigern. So verfügt der SL über eine aktive Wankstabilisierung und eine Allradlenkung. Letzteres tut der Agilität gut und die Präzision der Lenkung ist so exakt wie man es sich von so einem Sportwagen wünscht. Und mit dem Alcantara-Überzug liegt das Lenkrad sowieso gut in der Hand. Auf der anderen Seite bringt der SL fast zwei Tonnen auf die Waage und das macht sich irgendwann auch bemerkbar.

Irgendwie haben wir bei unserer kurzen Ausfahrt aber mehr das entspannte Dahinrollen mit dem Wissen um die stets vorhandenen Reserven genossen. Das Auto verhätschelt einem sowieso nach allen Regeln der Kunst. Die Sitze sind bequem und lassen sich auch belüften. Auf den Airscarf, der warme Luft an den Nacken bläst, haben wir uns bei Temperaturen von 30 Grad plus verzichtet.

Nachdem dem Touchscreen auch im neuen SL eine wesentliche Bedeutung zukommt, lässt sich dieser in der Neigung verstellen - falls die Sonne gerade ungünstig steht. Der Schirm lässt sich einem Winkel von 12 bis 32 Grad einstellen. Damit sind wir auch gleich bei dem Punkt, der uns am meisten gestört hat. Mercedes hat für die Lautstärkeregelung eine Touchslidersteuerung gewählt - und zwar sowohl unter dem Touchscreen als auch auf dem Lenkrad. Und das ist verglichen mit einem Drehregler immer noch die zweitbeste Lösung.

Der Mercedes-AMG ist ein 2+2-Sitzer, wobei die hinteren Sitze eher bessere Ablagen sind bzw. nur für Kinder, so sie nicht größer als 1,50 m sind, geeignet sind.

Der Mercedes SL kostet als 55 ab 211.376 Euro, als 63 252.695 Euro. Für dieses Jahr ist der Luxus-Roadster aber auch schon wieder ausverkauft. Das Modellprogramm wird künftig um einen SL 43 (mit 385 PS und Heckantrieb) erweitert und auch ein Performance-Hybrid ist in Arbeit.

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