Tests
17.05.2017

Mercedes C220d Cabrio 4 Matic: Mehr Frischluft vom Spezialisten

Mercedes C220 d Cabrio 4 Matic.Der offene Sternträger überzeugt auch mit Dieselmotor.

Irgendwer Wichtiger bei Daimler muss einen ausgeprägten Hang zum Offenfahren haben.

Während andere Hersteller beim Thema Cabrio eher auf der Bremse stehen und bei entsprechenden Fragen säuerlich lächelnd auf die ihrer Meinung nach zu geringen erzielbaren Stückzahlen verweisen, rollt Mercedes eine Frischluft-Version nach der anderen auf den Markt.

Ob mit zwei Sitzen oder vier, mit Klappdach oder Stoffverdeck, mit Diesel oder aufgeblasenem Biturbo-Benziner, mit oder ohne Allradantrieb – das riesige Cabrio-Angebot der Stuttgarter hält sich an das neue Firmen-Motto: Das Beste oder nichts.

Dabei repräsentiert die neue Cabrio-Version der C-Klasse so etwas wie die goldene Mitte des Angebots. Zumal, wenn sie mit dem ebenso flotten wie sparsamen 4-Zylinder Diesel ausgestattet ist. In seiner stärkeren Ausprägung als 220 d mit 170 PS kommt er mit der rund 1,8 Tonnen wiegenden Fuhre spielerisch zurecht, ohne sich akustisch zu stark in den Vordergrund zu drängen.

Und selbst wer beim Leerlauf-Geräusch noch die Stirn kräuselt (sobald der Fahrtwind übernimmt, ist vom Motor ohnehin nichts mehr zu hören), dessen Gesichtszüge werden sich angesichts der Tankrechnung wieder entspannen. Diese fällt nämlich in der Praxis mit dem gegen Aufpreis zu bekommenden größeren Tank erst nach mehr als tausend Kilometern an. Wer cabriotypisch dahingondelt, also nicht ständig volle Leistung fordert, der samtweich schaltenden 9-Gang-Automatik nicht dazwischenfunkt und dabei den Eco-Modus samt Segelfunktion nutzt (Sport und Sport+ wirken hier ohnehin etwas deplatziert), wird sogar mit Schnitten zwischen bescheidenen fünf und sechs Litern belohnt.

Akustikverdeck

Apropos cabriotypisch: Die 260 Euro Aufpreis für den Posten Akustikverdeck sind gut investiert: Bei geschlossenem Dach halten sich die Wind- und Fahrgeräusche in so engen Grenzen, das auch Langstreckenfahrten akustisch zu keinem Problem werden.

Geöffnet und geschlossen werden kann praktischerweise auch im Fahren, um alle vier Seitenscheiben gleichzeitig zu versenken, genügt ein Knopfdruck. Sind sie unten, herrscht im Cockpit der von Cabriofreunden geliebte intensive Kontakt zum Fahrtwind. Sind die Scheiben oben, gelingt es der Heizungsanlage sogar, ein weitgehend von den Außentemperaturen unabhängiges Raumklima herzustellen. Und auf die Nackenluft-Heizung will ohnehin kaum wer verzichten, wenn er sie einmal genossen hat. Als letzte Eskalationsstufe steht noch die Kombi aus Windabweiser auf dem Frontscheibenrahmen und automatisch ausfahrbarem Windschott zur Verfügung.

Bei so viel Komfort verwundert es allerdings, dass sich das System die bei offenem und geschlossenem Verdeck meist ja unterschiedliche Klimaanlageneinstellung nicht merkt. Und das Garmin-Navi (gegen 885 Euro Aufpreis, immerhin) will auch nicht so ganz in die sonst so stimmige Eleganz des Mercedes-Cockpits passen.

Mercedes-Benz C 220 d 4Matic

Antrieb: 4 Zylinder, Diesel, Direkteinspritzung, 2 oben liegende Nockenwellen, 4 Ventile/Zylinder, 2 Turbolader, Ladeluftkühler; Allradantrieb, 9-Gang-Automatik; Spitze 225 km/h, 0–100 in 8,1 Sekunden; Euro 6.

Hubraum: 2143 cm³

PS/kW: 170 PS/125 kW

maximales Drehmoment:400 Nm bei 1400 U/min

Fahrwerk: Selbst tragende Karosserie, Hilfsrahmen, vorn McPherson-Federbeine, Dreieckquerlenker, hinten Mehrlenkerachse, vorn/hinten Schraubenfedern, Gasdruckstoßdämpfer, Stabilisatoren, Scheibenbremsen (vorn innen belüftet), Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung, ABS, Notbremsassistent, elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP).

Maße (L x B x H):4686 x 1810 x 1416 mm

Wendekreis: 11,4 m Radstand: 2840 mm Bremsweg kalt: 34,7 m/Bremsweg warm: 35,3 m

Kofferraum: 285–360 l Gewicht: 1805 kg/Gesamtgewicht: 2285 kg Tankinhalt: 66 l

Normverbr.: 5,3 l/100 km 140 g/km CO²

Testverbr.: 5,6 l/100 km

Preis: 56.050 €

Preis Testwagen: 68.536 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 784,44 €