Prof. Hans Peter Lenz

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Wiener Motorensymposium
05/04/2017

Motorensymposium: "Das ist keine Kapitulation"

Mehr als 1000 Spitzentechniker und Automanager diskutieren über künftige Antriebe.

von Maria Brandl

Obwohl der Verbrennungsmotor von einigen bereits totgesagt ist, war auch diesmal das Motorensymposium in kurzer Zeit ausgebucht. Hochkarätige Vertreter der internationalen Autoindustrie wie VW-Chef Matthias Müller, Audi-Chef Rupert Stadler, Hirohisa Kishi, Vizepräsident von Toyota, Toshihiro Hirai, Vizepräsident von Nissan, Bosch-Chef Volkmar Denner oder Stefan Sommer, ZF-Vorstandsvorsitzender, wollen das von Prof. Hans Peter Lenz initiierte und von ihm mit Prof. Bernhard Geringer, TU Wien, organisierte Motorensymposium für einen hochkarätigen Erfahrungsaustausch nutzen.

Die Schwerpunkte der Vorträge der zweitägigen Veranstaltung reichen von Abgasreinigung, Batterien, Brennstoffzellen über Gasantriebe bis zu Verbrennungsmotoren und neuen Verbrauchsnormen.

Neuer Anlauf

"Das ist keine Kapitulation des Verbrennungsmotors gegenüber der E-Mobilität, wir wollen vielmehr die Vor- und Nachteile der Antriebsarten ganz genau herausarbeiten", so Prof. Lenz. "Alle ernsthaften Prognosen gehen davon aus, dass die nächsten 10 bis 15 Jahre genauso viele Verbrennungsmotoren gebaut werden wie jetzt."

Benzin- bzw. Dieselmotoren zeigten "zukunftsweisende verbrennungsmotorische Entwicklungen betreffend Abgasqualität und Verbrauch. Der Dieselmotor kann vergleichbar sauber wie ein Ottomotor (Anm. Benziner) sein und dazu sparsamer. Sein Reichweitenvorteil ist unerreicht und in den schweren Fahrzeugklassen ist er unverzichtbar."

Prof. Lenz geht auf dem Motorensymposium auch auf das aktuelle "Diesel-Bashing" ein, das etwa mit City-Fahrverboten und höherer Besteuerung den Diesel-Pkw-Absatz senken und Diesel-Pkw-Besitzer zum Umstieg etwa auf E-Autos "bewegen" will. Tatsächlich ging der Diesel-Anteil in Österreich bei den Neuzulassungen im ersten Quartal gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 um 5,6 % auf 52,6 % zurück, die Zahl der verkauften Diesel-Pkw stieg jedoch um 1,9 %.

Rechtssicherheit

Prof. Lenz will nichts beschönigen: "Es ist leider eine Tatsache, dass ältere Diesel-Pkw zu viel NOx (Anm. Stickoxide) ausstoßen. Es ist aus gesundheitlichen Gründen notwendig, baldmöglichst auf saubere Dieselmotoren umzusteigen. Aber dieses Umsteigen muss sorgfältig durchgeführt werden, sinnvolle Übergangsfristen müssen vorgesehen werden. Das Handeln des Staates muss berechenbar sein. Wer vor einem Jahr im guten Glauben einen ordnungsgemäß unbeschränkt zugelassenen Diesel kaufte, dem darf der Staat nicht kurzfristig das Fahren in gewissen Zonen verbieten." Umso weniger, als der Staat selbst massiv zum Erfolg des Dieselantriebs beitrug. Prof. Lenz: "Zuerst hat man durch geringe Besteuerung des Diesel-Kraftstoffes die Leute zum Dieselmotor mit seinen geringen CO2-Emissionen gelockt. Jetzt will man ihn plötzlich verbieten. Derartige Verbote oder Einschränkungen für den Diesel-Pkw würden einen Eingriff in verfassungsrechtlich gewährleistete Grundrechte auf Eigentum und Erwerb darstellen."

In den 1990er-Jahren suchte die staatsnahe OMV dringend nach Abnehmern für das damals überschüssige Heizöl. Der Einsatz als Diesel-Kraftstoff in Autos war eine lukrative Lösung. Jetzt ist dies offenbar anders.

Erdgas

Wenig gefruchtet haben bisher die Bemühungen der Gasanbieter und betroffenen Autokonzerne, Erdgas als Kraftstoff ins Auto zu bringen (siehe Seite 2). In Österreich gab es dazu jedoch auch vom Staat nie so eindeutige Statements dafür wie in Deutschland, etwa mit garantierter mehrjähriger Steuerbefreiung des Kraftstoffs.

E-Mobilität

Lange Zeit hielt sich der Staat auch bei der Förderung von E-Mobilen für Privatpersonen zurück, nur gewerblich genutzte E-Fahrzeuge wurden subventioniert. Seit heuer ist das anders (siehe Zusatzartikel). Prof. Lenz sieht bei den E-Fahrzeugen noch einige offene Baustellen: "Wir warten noch immer auf die Batterien, die die optimistisch angegebenen Reichweiten im echten Fahrbetrieb ermöglichen können." Auch bei der Stromversorgung der E-Mobile ist noch nicht alles im grünen Bereich. Prof. Lenz: "Bisher war klar, dass diese regenerativ erfolgen muss, sonst hat das Ganze keinen Sinn. Hier wurde im Januar und Februar dieses Jahres deutlich, dass selbst ein mittelschwerer Winter ausreichte, um die Stromversorgung am Beispiel Österreichs für zwei Wochen an den Rand des Zusammenbruchs zu bringen."

In Deutschland erreichte laut eines Berichts von 3SAT der Anteil regenerativ erzeugten Stroms am 24. 1. 2017 mit 2 % den seit Langem geringsten Anteil. In Österreich mit hohem Wasserkraftanteil kam man im Januar auf ca. 30 % Anteil grünen Stroms. Hier tritt das Kuriosum ein, dass für die Förderung des Kaufs eines E-Mobils durch den Bund der Käufer garantieren muss, dass er nur 100 % regenerativ erzeugter Strom ladet, die heimischen Stromanbieter aber nicht in der Lage sind, diesen übers ganze Jahr zu liefern, wie zuständige Beamte bei der Tagung "Elmotion" heuer bestätigten.

Die seit März laufende Förderung von Fahrzeugen mit E- sowie Plug-in-Hybrid-Antrieb ist sehr erfolgreich, wenn es um die Zuwächse in Prozent geht. In den ersten drei Monaten wurden heuer insgesamt 88.493 Pkw neu zugelassen, davon sind

1226 E-Pkw (+ 23,6 %)

258 Benzin-Plug-in-Hybrid-Pkw (– 3,7 %)

22 Diesel-Plug-in-Hybrid-Pkw (+ 450 %).

46.526 Diesel-Pkw (+ 1,9 %)

38.711 Benzin-Pkw (+ 25,6 %)

1662 Benzin- und 12 Diesel-Vollhybrid-Pkw

22 Erdgas-Pkw (+/– 0 %)

54 Benzin-Erdgas-Pkw (– 49,1 %)

0 Flüssiggas-Pkw

0 Wasserstoff-Pkw.

Der Dieselanteil betrug im ersten Quartal 52,58 % (–5,62 %). Quelle: Lederer Auto-Information Nr. 2365

Die Auspuff-Mär

Erstmals erhalten heuer in Österreich auch Privatkäufer von Autos mit Elektro- und Plug-in-Hybrid-Antrieb vom Staat einen Zuschuss.

Voraussetzung dafür ist die Garantie des Kunden, nur Strom aus erneuerbaren Quellen fürs Laden zu benützen. Doch wie die beiden letzten Winter bewiesen, ist dies gar nicht möglich. Grund: Die Stromanbieter können auf Grund der meteorologischen Bedingungen – zu wenig Wasser, kaum Sonne oder Wind – nicht ausreichend Öko-Strom erzeugen.

Österreich kam im Januar, so zuständige Beamte, auf rund 30 % Eigenstrom, der Rest wurde von AKW und thermischen Kraftwerken aus dem Ausland importiert. In Deutschland wurde am 24. Januar mit 2 % Ökostrom offenbar der historische Tiefstpunkt erreicht.

Wollen wir also wirklich die Umwelt durch E-Mobilität entlasten, müssen wir uns auch damit beschäftigen, woher der Strom aus der Steckdose kommt. Wie er erzeugt wird.

Überhaupt ist es Zeit, sich mit der Gesamtenergiebilanz der Fahrzeuge, von der Herstellung der Materialien sowie der dafür nötigen Energie für Produktion und Nutzung bis zum Recycling, zu beschäftigen. Eine Berechnung des Instituts für Fahrzeugtechnik der TU Graz mit Unterstützung des ÖVK zeigt, dass aktuelle E-Autos in der Gesamtenergiebilanz etwa bei einem deutschen oder europäischen Strommix schlechter dastehen als Benziner. Sie zeigt aber auch, dass saubere Energie wichtiger als Verbesserungen in der Fahrzeugtechnik ist.

Punkto Umwelt nur auf die Abgase aus dem Auspuff zu starren, ist bloß ein erster Schritt – oder Selbstbetrug, wenn’s dabei bleibt.