Zweirad
16.05.2017

BMW G 310 R: Easy Reiter

Richtig preisgünstige Einsteiger- Motorräder waren in München noch bis vor Kurzem undenkbar, doch mit ihrem schmucken Einzylinder betreten die Bayern nun Neuland.

Dass es in Österreich so viele Motorräder mit dem BMW-Logo gibt, liegt im Wesentlichen an der Beliebtheit der R 1200 GS, die allerdings für junge Einsteiger schon aus Preisgründen nur schwer zugänglich ist.

Erst recht gilt das in den von allen Herstellern heiß umkämpften "emerging markets" in Asien und Brasilien. Ein möglichst budgetschonendes Motorrad, das gleichzeitig die erwarteten Qualitäten einer BMW erfüllt, ist daher eine gute Idee.

Die Bayern lösen das Problem mit den hohen Produktionskosten in Deutschland wie viele ihrer Mitbewerber durch die Zusammenarbeit mit einem großen indischen Hersteller. Nach den üblichen Anlaufschwierigkeiten und den daraus resultierenden Verzögerungen ist die G 310 R ab sofort erhältlich und erfüllt auch für den kritischen Blick europäischer Tester die Erwartungen an eine BMW.

Design und Ausstattung der mit der Führerscheinklasse A2 fahrbaren G 310 R machen einen sehr erwachsenen und ausgereiften Eindruck, obwohl sie für die Bayern die erste Vertreterin ihrer Klasse ist. Optisch erinnert sie an bekannte BMW-Roadster wie die F 800 R, allerdings mit Bugspoiler und niedrig positioniertem Schalldämpfer. Eher schlicht wurde das Display gehalten, das aber BMW-typisch umfassende Auskünfte über alle nennenswerten Parameter des Motorrads erteilt.

Hochwertiges Fahrwerk

Für ihre Klasse außergewöhnlich sind die groß dimensionierte, goldeloxierte Upside-down-Gabel und die Alu-Schwinge. Der Rahmen besteht zwar aus Stahl, zählt aber durch eine Gitterrohrkonstruktion ebenfalls zu den gewichtsreduzierenden Teilen der G 310 R. Mit vollem 11-Liter-Tank wiegt sie nur 158,5 Kilo, was sich vor allem beim Rangieren sehr angenehm bemerkbar macht.

Apropos Tank: Bei unserem durchaus sportlichen Test hat sich die BMW mit durchschnittlich vier Liter auf 100 Kilometer begnügt. Eine Reichweite von über 250 Kilometer ist also problemlos realisierbar.

Ihre Agilität verdankt die G 310 R auch dem nach hinten geneigten Zylinder und den um 180 Grad gedrehten Zylinderkopf, wodurch der Schwerpunkt tiefer und näher an der Front liegt. Umgekehrt liefert sie mit ihrer langen Schwinge eine für diese Hubraumklasse exzellente Stabilität in Schräglage, bügelt Unebenheiten sauber aus und lässt dabei durch ihr flottes Handling jederzeit Korrekturen zu. Kurz: Ein modernes Fahrwerk, das alles mitbringt, was man von einem hochwertigen Motorrad erwartet.

Einsteigerfreundlich ist auch die angenehm aufrechte Sitzposition mit einem nicht zu breiten Lenker und gutem Knieschluss am Tank. Die Fußraster könnten aber gerne ein Stück weiter vorne montiert sein, was vor allem Großgewachsenen einen weniger spitzen Kniewinkel bescheren würde.

Puristischer Roadster

Als sportlich designter Roadster verfügt die G 310 R über keinen nennenswerten Windschutz, was angesichts ihrer Höchstgeschwindigkeit von 145 Stundenkilometer aber ein überschaubares Manko bleibt. Das dürfte mit ein Grund dafür sein, dass BMW bislang keine Nachrüstscheibe anbietet.

Dafür ist auch die vordere 300-Millimeter-Scheibenbremse inklusive Vierkolbensattel ausreichend dimensioniert. ABS ist selbstverständlich an Bord, es braucht allerdings viel Handkraft, um den Reifen an seine Haftgrenze zu bringen. Eine geringere Betätigungskraft wäre daher wünschenswert.

Mit seiner gleichmäßigen Leistungsentfaltung läuft der neue Einzylindermotor auch im Stadtverkehr ohne Geruckel im sechsten Gang und bietet für einen Motor dieser Größe sogar ordentlichen Durchzug.

Wer dennoch überlegt, ob die Leistung von 34 PS ausreichend ist, kann einen vergleichenden Blick auf die bei uns extrem beliebte und motorisch als stark geltende Vespa GTS 300 werfen: Sie ist gleich schwer, leistet aber nur 21 PS und kostet knapp 1450 Euro mehr als die ab 4950 Euro erhältliche BMW.

BMW G 310 R

Antrieb: Einzylindermotor, flüssig gekühlt, zwei oben liegende Nockenwellen, vier Ventile; Verdichtung 10,6:1; elektronische Kraftstoffeinspritzung; 6-Gang-Getriebe; Endantrieb über Kette.

Hubraum: 313 cm³

PS/kW: 34/25 maximales Drehmoment: 28 Nm bei 7500 U/Min

Fahrwerk: Gitterrohrrahmen aus Stahl, vorne 41-mm-Upside-down-Gabel, hinten Aluminium-Zweiarmschwinge mit Zentralfederbein; Federweg v/h 140/131 mm; vorne und hinten je eine Scheibenbremse (300/240 mm), vorne mit radial montiertem 4-Kolben-Sattel, hinten mit 2-Kolben-Sattel; ABS; Reifen v/h 110/70-17 und 150/60-17; Leichtmetall-Gussfelgen.

Maße (L x B x H):1988 x 896 x 785 mm Sitzhöhe: 785 mm Radstand: 1374 mm

Vmax: 145 km/h

Zuladung: 186,5 kg/Gewicht fahrfertig: 158,5 kg

Tankinhalt: 11 Liter

Normverbrauch:3,3 l/100 km Testverbrauch: 4,0 l/100 km

Preis:4950 €/Preis Testbike:4950 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 93,90 €