© Weisz Juergen/KTM

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09/10/2012

"Nicht ganz ungefährlich"

KTM-Boss Stephan Pierer spricht mit Peter Schönlaub über den Einstieg seiner Firma in die Elektromobilität.

von Peter Schönlaub

KURIER: Warum baut KTM ein Elektromotorrad?
Stephan Pierer: Im Geländesport, wo KTM zu Hause ist, müssen wir zunehmend mit Einschränkungen leben. Mit unserer Freeride E können wir wieder fast überall fahren. Nach 18 Jahren wurde uns zum Beispiel eine Teststrecke mitten in Munder­fing genehmigt (Nachbarort von Mattighofen, Anm.), was mit Verbrennungsmotoren undenkbar gewesen wäre. Aus diesem Grund ist es für uns ein ganz wichtiges Technologie- und Zukunftsthema. Trotzdem sind noch viele Bereiche rund ums Batteriepackage nicht geklärt: Kosten, Instandhaltung, Ladung, Sicherheit.

Ist das der Grund für die Verzögerung? Ursprünglich sollte das E-Bike ja schon vor zwei Jahren in Serie gehen.
Wir haben Vorserien gebaut, das Produkt ist heute fertig. Ich bin aber von den Kosten des Batteriepackages noch nicht überzeugt. Weiters glaube ich, dass der Kfz-Handel, ob Zweirad oder Auto, nach wie vor nicht auf E-Mobilität vorbereitet ist. Und was letztlich unterschätzt wird: Lithium-Ionen-Akkus sind kleine Kraftwerke. Wenn man einen Crash hat und ein paar Stunden später ein Brand ausbricht, kann man ihn weder mit Wasser noch mit Schaum löschen. Wir reden von Hochvoltkonzepten, die sind nicht ganz ungefährlich. Ich muss ganz ehrlich zugeben: Als Unternehmer traue ich mich noch nicht über einen Großserieneinsatz.

Wie sieht nun der Fahrplan aus?
Wir produzieren demnächst limitierte Kleinserien, die wir im professionellen Betrieb für En­duropark- oder Skiliftbetreiber, die eine Sommergeschäft aufziehen wollen, vertreiben. Es gibt schon viele seriöse Anfragen aus diesem Bereich. Aber in die große Community gehen wir in den nächsten zwei Jahren sicher nicht hinaus.

Wie stehen Sie generell zur E-Mobilität?
Ich bin überzeugt, dass Elektrokonzepte im urbanen Bereich eine wichtige Rolle spielen werden – bei Leichtgewichtfahrzeugen und da vor allem beim Zweirad. Der Durchbruch wird rasch passieren, und damit meine ich den Zeitraum von den nächsten fünf bis sechs Jahren.

Pioniere wie E-Scooter-Hersteller Vectrix sind im ersten Anlauf gescheitert.
Die Euphorie war zu groß. Doch E-Mobilität wird kommen, davon bin ich überzeugt. Im untersten Bereich, bei den Pedelecs, ist der Durchbruch schon gelungen. Ich bin sicher, dass der Erfolg bald auf das Mofa-Segment übertragen wird.

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