E-Mobility 06/25/2017

Opel Ampera-e: Die Zukunft ist näher gerückt

Opel Ampera-e: Die Zukunft ist näher gerückt
© KURIER/Michael Andrusio

Erste Ausfahrt auf heimischen Straßen mit dem E-Auto, das die Reichweitenangst besiegen soll.

An PR-Geklingel und Heilsversprechen rund um den Opel Ampera-e hat es mittlerweile ja schon genug gegeben. Ob es jetzt 520 km maximale Reichweite sind (nach dem aktuellen Messverfahren) oder doch nur 380 km (nach dem kommenden, realitätsnäheren Verfahren) – beide Werte stehen weit über allem, womit bisher für vergleichbar kompakte E-Autos geworben wurde.

Zeit also, die Praxis-Probe aufs Exempel zu machen und das elektrische Wundertier von Opel auf den Boden der täglichen Praxis auf heimischem Geläuf zu holen. Dazu stand dem Motor-KURIER ein Ampera-e für drei Tage zur Verfügung – obwohl er den Weg auf den heimischen Markt wohl erst frühestens Ende nächsten Jahres finden wird (heuer ist er nur in fünf Ländern in Europa zu haben, wobei ohnehin fast das gesamte Jahres-Kontingent von Norwegen aufgesaugt wird).

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© KURIER/Michael Andrusio

Mit vollgeladener Batterie empfängt er uns gleich einmal mit einer vertrauensbildenden Maßnahme: Im Reichweiten-Display links auf dem Armaturenträger steht nicht eine Zahl, sondern es zeigen sich derer gleich drei: 455 km (maximal erzielbare Reichweite bei idealen Bedingungen), 386 km (realistische Reichweite gemäß den bisherigen Fahrwerten) und 316 km (minimale Reichweite bei nicht ganz so sparsamer Fahrweise).

Alle drei Werte liegen erfreulich weit über dem Schnitt dessen, was man bisher von halbwegs leistbaren E-Autos gewohnt war. Im Praxiseinsatz auf einer gut durchmischten Strecke mit Stadtverkehr- (in Wien derzeit vornehmlich im Stau), Autobahn- und Landstraßen-Anteil zeigte sich, dass die angegebenen Werte durchaus realistisch sind. So errechnete der Bordcomputer für eine Strecke von 230 km – gefahren bei zugegeben idealen Temperaturen um die 22 Grad, aber mit laufender Klimaanlage und Radio und ohne energiesparender Selbstzensur am Fahrpedal – einen Durchschnittsverbrauch von 15,4 kWh/100 km (der akademische Normverbrauch nach NEFZ liegt bei 14,5 kWh/100 km).

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© Michael Andrusio

Damit kann man die zentrale Botschaft der Opel-Leute, der Ampera-e würde die Reichweitenangst der Kundschaft überwinden, durchaus nachvollziehen.

Im Fahrbetrieb selbst gibt sich der rund 1,7 Tonnen wiegende Kompaktwagen agil wie ein Sportler. Solange die Fahrbahn trocken ist, kann die Kraft der 240 Pferde vollinhaltlich in einen katapultartigen Vortrieb umgesetzt werden. Bei Nässe haben hingegen die elektronischen Helfer an der Vorderachse alle virtuellen Hände voll zu tun, die 360 Nm Drehmoment tatsächlich in Vortrieb umzusetzen.

Rasante Ampelstarts

Abgesehen von rasanten Ampelstarts – der bauartbedingten Domäne aller E-Autos – bietet der Ampera-e aber auch Agilität und solides Fahrverhalten auf gewundenen Landstraßen. Dort ist ihm sein Gewicht kaum anzumerken und die Karosserieneigung in flotten Kurven hält sich in durchaus erträglichem Rahmen.

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© KURIER/Michael Andrusio

Zum Thema Bremsen bzw. Verzögerung haben sich die Entwickler einen eigenständigen Zugang einfallen lassen: Statt wie bei BMW dem Piloten das Heft aus der Hand zu nehmen und die Rekuperationsbremse von diesem unveränderbar streng voreinzustellen, hat der Ampera-Pilot es buchstäblich selbst in der Hand, wann er diese betätigen will und wann er es als sinnvoller erachtet, den Schwung zu nutzen und das Auto weiterrollen zu lassen, auch wenn der rechte Fuß nicht mehr auf dem Fahrpedal steht. Die kleine Flappe links hinter dem Lenkrad wird schnell zum Freund des Piloten, der damit die herkömmliche Bremse schonen kann – und sich dennoch nicht bevormundet fühlt.

Unterm Strich zeigt sich der Ampera-e als ein Elektro-Auto, das den Sprung aus dem Zweit- bis Drittauto-Getto schaffen kann.

Wenn es dann irgendwann einmal auch bei uns zu haben sein wird.

Mit einer Länge von 4,17 m ist er spürbar kürzer als ein aktueller VW Golf (4,25 m), bei praktisch gleich viel Kofferraum (mindestens 381 l) und viel Platz (5-Sitzer).

Die Lithium-Ionen-Batterie (288 Zellen, 60 kWh) ist im Unterboden verbaut (Garantie 8 Jahre/160.000 km). Geladen werden kann via 50-kW- Schnellladung (150 km Reichweite in 30 Minuten), bei 22-kW-Ladestationen bzw. an jeder Steckdose.

Leistung: 204 PS/150 kW, 360 Nm Drehmoment, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,3 Sek., Spitze 150 km/h.

Reichweite: 520 km (NEFZ) bzw. 380 km (WLTP). Normverbrauch: 14,5 kWh/100 km.

Verkaufsstart in Österreich ist voraussichtlich erst Ende nächsten Jahres.

Preis: In Deutschland startet der Ampera-e bei € 39.330,–.

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© KURIER/Michael Andrusio
(Kurier) Erstellt am 06/25/2017