Auto und Reise
05.12.2011

Routen für Genießer: Comer See

Eine Runde um den Comer See, wo man noble Villen, akribisch gepflegte Gärten und traumhafte Kulissen in hoher Verdichtung findet - und dazu kommt ein gewisser Promifaktor.

Es dreht sich alles um Benzin. Zumindest in der Villa d'Este, wenn sich ebendort einmal im Jahr die exklusivsten Oldtimer zum traditionellen Concorso d'Eleganza einfinden. Das Thema Elektroauto ist hier kein Thema. Und das obwohl man hier nur einen Steinwurf vom Ursprung der Stromspeicherung entfernt ist. In Como lebte und arbeitete Alessandro Volta, der um 1800 mit seiner Voltaschen Säule die erste Batterie konstruierte. An sein Werken in Como erinnert nebst einer Säule am nach ihm benannten Platz auch ein Museum.

Von Como aus fahren wir die Via Regina über Cernobbio, wo sich die Villa d'Este befindet, Richtung Norden. Gerade am Wochenende tun das viele - und es wird alles in Bewegung gesetzt, vom Fahrrad über das Motorrad bis zu allen Arten von Autos. Im Sommer kann man hier (mit Glück) auch George Clooney radeln sehen. Der Comer See hatte immer schon eine Anziehungskraft für Prominenz - schon lange vor der "Clooneysierung" kamen Staatslenker wie Churchill oder Adenauer, Modeschöpfer wie Versace oder Musiker wie Liszt an den schönen See. Auch an einen österreichischen Kaiser wird gedacht (aber dazu später).

Die Via Regina schlängelt sich am See entlang, wird gesäumt von uralten Steinmauern, die von Efeu oder sonstigen prächtig blühenden Pflanzen überwachsen sind und wird oft ziemlich eng, wenn es durch die Orte geht. In Laglio hat George Clooney seine Villa Oleandra, die er im Rahmen einer Motorradtour durch die Alpen entdeckte.

Bei Ossuccio gilt es freilich den Sacro Monte di Ossucio zu entdecken, der mit seinen 15 Kapellen, die zwischen 1635 und 1710 erbaut wurden und die Mysterien des Rosenkranzes darstellen, zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Gegenüber liegt im See die kleine Isola di Comacina. Im Restaurant der Insel gibt's nur ein Menü und es wird ein spezieller Feuerzauber praktiziert, um den Fluch eines Bischofs zu bannen, der hier niemals mehr einen Wirt sehen wollte - unter Androhung eines qualvollen Todes. Das sieht der aktuelle Wirt naturgemäß anders und deswegen wird der Gegenzauber angewendet. Viele der urlaubenden Stars waren schon Gast hier und damit wieder zu Hollywood.

Star Wars

Dass unzählige Filme am Comer See gedreht wurden, verwundert auch nicht: Ocean's Twelve, James Bond-Casino Royal oder (man will's ja nicht glauben) Star Wars. Die beiden letzteren auf dem Gelände der pittoresken Villa Balbianello in Lenno. Wie viele der großartigen Villen hat sie ihren Ursprung als Sitz eines Kardinals (wie auch die Villa d'Este), der hier seinen Lebensabend verbringen wollte. Oder die Eigentümer waren Adelige, wie im Fall der Villa Carlotta in Tremezzo. Den botanischen Garten sollte man sich nicht entgehen lassen. Wer mag, kann von hier aus auch Postkarten mit Pflanzensamen verschicken.
Je weiter man nach Norden kommt, desto breiter präsentiert sich die Straße und man genießt den Blick auf die nahen schneebedeckten Gipfel - so man nicht in einen der vielen Tunnel in diesem Abschnitt eintaucht.

Bei Menaggio sollte man die Hauptstraße verlassen, um an der hübschen Uferpromenade des Ortes einen Kaffee zu genießen. Am Nordufer des Comer Sees wird der Talkessel weit und der Verkehr weniger. Hier befindet sich auch das Naturschutzgebiet Pian di Spagna, wo man seltene Vogelarten beobachten kann.

Bei Varenna beginnt der Lago die Lecco, der aber mit dem Comer See eine Fläche bildet. Man kann von Varenna mit der Fähre nach Bellagio übersetzen oder den Lago di Lecco umrunden. Wenn man sich für Zweiteres entscheidet, kommt man nach etwa 10 Kilometer nach Mandello del Lario. Einem Mekka für Motorradfans, hat doch die Firma Moto Guzzi hier ihren Stammsitz. Dem Werk angeschlossen ist auch ein Museum (das allerdings nur Montag bis Freitag von 15 bis 16 Uhr geöffnet ist).

Radfahrerkirche

Von Lecco fährt man wieder über eine etwas schmälere Straße zurück zu Comer See und Bellagio. Bevor man das schöne Bellagio samt seinen Villen ansteuert, sollte man einen kurzen Abstecher Richtung Madonna del Ghisallo (Magreglio) machen. Die kleine Straße führt steil in die Berge (von wo man tolle Ausblicke auf den See hat) und irgendwann taucht linker Hand eine kleine Kirche auf. Sie wurde 1949 von Papst Pius XII offiziell zur Walfahrtskirche für Radfahrer geweiht. Seither pilgern nicht nur Hobbyradfahrer hierher, auch Profis wie Indurain, Moser oder Hinault haben ihre Siegertrikots bzw. komplette Rennräder hierher gebracht. Noch mehr Radsporthistorie gibt's im benachbarten Museo del Ciclismo.

Zurück nach Bellagio. Hier kann man zum einen die tolle Parkanlage der Villa Serbelloni und zum anderen die Villa Melzi besuchen. Die Parkanlage der Villa Melzi wurde als englischer Garten am Ufer des Comer Sees angelegt. Heute wandelt man durch Platanenalleen, einen orientalischen Garten samt künstlich angelegtem Teich und sogar ein Bambuswäldchen spendet Schatten.

Auch Franz Liszt lustwandelte hier am Ufer des Sees und anno 1838 kam der österreichische Kaiser Ferdinand I. mit seiner Gattin Marianna von Savoyen zu Besuch (in seinem Gefolge auch Fürst Metternich). Daran erinnern zwei Büsten (vom Kaiser und seiner Frau), die in einem kleinen Pavillon am Seeufer zu finden sind.

Bevor man von Bellagio kommend wieder in Como eintrifft, passiert man noch den Ort Torno und die Villa Pliniana. Den Namen hat sie von den römischen Geschichtschreibern Plinius dem Jüngeren und dem Älteren, die sich mit dem Phänomen einer Quelle beschäftigten, die in regelmäßigen Abständen sprudelte und dann wieder versiegte. Anno 1573 begann man mit der Errichtung der Villa über dieser Quelle. Übrigens beschäftigte sich seinerzeit sogar Leonardo da Vinci mit dem Phänomen der Quelle.

Und das alles lange bevor Alessandro Volta in Como mit seinen Batterien zu experimentieren begann.

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