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05.12.2011

Schnell fahren und trotzdem Sprit sparen

© Bild: ÖAMTC

Benzinpreiswucher: Spritsparend fahren heißt nicht langsam fahren. Wie jeder Autofahrer mindestens hundert Euro im Jahr sparen kann.

Wer bremst, verliert! Das soll jetzt keine Aufforderung zum Rasen auf Österreichs Straßen sein, aber wer praktisch nie bremst, kann schneller fahren - und dabei auch noch einiges an Benzin sparen. "Ein Liter pro hundert Kilometer ist bei jedem drinnen", meinen die Spritspar-Instruktoren des ÖAMTC, ein Drittel des bisherigen Verbrauchs ist das Maximum für echte Könner. Rekordhalter ist ein Hummer-Fahrer, der nach einem Kurs seinen Verbrauch von 25 auf 17 Liter pro hundert Kilometer gesenkt hat. Wer weniger Treibstoff verfeuert, hat gerade bei den derzeit hohen Preisen locker den einen oder anderen Hunderter am Jahresende mehr im Börsel.

Der Test

© Bild: ÖAMTC

Der KURIER wagte den Selbsttest: Mit einem handelsüblichen Fiat-Kleinwagen und Spritspar-Instruktor Hermann Wirrer ging es auf einen 20,5 Kilometer langen Kurs durch den Verkehr. Startpunkt war in Teesdorf, anschließend verlief die Runde über Bundesstraße, Autobahn und Stadtverkehr zurück zum Ausgangspunkt. "Das ist etwa der durchschnittliche Weg eines Pendlers in die Arbeit", sagt Wirrer. Zunächst wurde die Strecke mit normaler Fahrweise absolviert, der KURIER-Tester verbrauchte dabei 5,8 Liter und benötigte 18 Minuten und 15 Sekunden.

Anschließend fasst Wirrer die wichtigsten Tipps für die benzinsparende Variante zusammen: "Das Auto sollte immer in Bewegung sein." Denn eigentlich sollte der Lenker bereits ab etwa Tempo 45 in den fünften Gang schalten. Fährt man auf weite Sicht, dann kann man oft Hunderte Meter bis zur roten Ampel "rollen", ohne Gas zu geben. Dabei ist es aber nicht ratsam, in den Leerlauf zu schalten - denn im Leerlauf verbraucht der Motor etwa zwei Liter auf 100 Kilometer. Was kaum jemand weiß: Wer mit der Motorbremse im fünften Gang
dahinrollt verbraucht keinen einzigen Tropfen Benzin.

Gasgeben sollten Spritsparer nicht langsam, denn 75 bis 90 Prozent am Gas stehen ist am effektivsten. Langsames Anfahren verbraucht mehr Sprit als schnelles. Wird die anvisierte Geschwindigkeit erreicht, am besten gleich direkt in den fünften Gang wechseln.

Nitroglyzerin

"Fahren Sie so, als ob Sie Nitroglyzerin geladen haben", fasst ein Experte zusammen. Dies gelingt dem KURIER-Tester beim zweiten Versuch noch nicht. "Zu wenig rollen gelassen", ist ÖAMTC-Instruktor Wirrer gar nicht zufrieden. Zwar haben wir nur 5,7 statt zuvor 5,8 Liter verbraucht, aber dafür waren wir auch 40 Sekunden langsamer. "Da geht mehr. Noch einmal", meint der gelernte Fahrschullehrer.

Beim nächsten Anlauf läuft es besser. Der Verbrauch sinkt auf 5,3 Liter, wir sind um 21 Sekunden schneller, das entspricht etwa einem um 1,3 km/h schnelleren Durchschnittstempo. Schneller und billiger ist also möglich, wenn man als Lenker nur ein wenig umdenkt.

Bei den in Österreich durchschnittlichen 15.000 Kilometern Jahresleistung lassen sich 150 Euro Benzinkosten einsparen. "Dazu kommt, dass Verschleißteile wie etwa die Bremsbeläge oder auch die Kupplung länger halten", meint Wirrer. Die Autofahrer hat das bisher dennoch kalt gelassen. Das Interesse an Spritsparkursen für private Pkw ist minimal. Vor zwei Jahren gab es sogar große Förderungen des Ministeriums, doch die meisten Kurse mussten - mangels Interesse - abgesagt werden.