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12/05/2011

Selbstbetrug

Was alles hinter den Rekordzahlen des heimischen Automarktes steckt.

von Horst Bauer

So ganz genau wissen eigentlich auch die Profis nicht, wie ihnen geschieht. Wer sich in der heimischen Autobranche umhört, stellt fest, dass diese von den Rekord-Verkaufszahlen des heurigen Jahres selbst überrascht wurde. Der Automarkt steuert auf absolute Rekord-Zahlen für 2011 zu, was die verhalten optimistischen Prognosen weit übertrifft.

Nachträglich gebastelte Erklärungsmodelle für den Boom dürften alle ein Körnchen Wahrheit in sich tragen. Von den Firmen, die nicht mehr anders können, als ihre in den Krisenjahren nicht erneuerten Flotten nun auszutauschen, bis zu den Privatkäufern, die wieder vermehrt mit Bargeld zum Händler kommen, bevor es ihnen auf der Bank von der Inflation angeknabbert wird, reichen die Einschätzungen.

Aber die Rekordzahlen werden neben den inzwischen als allgemein anerkanntes Marketinginstrument geltenden Kurzzulassungen auch aus einem anderen Phänomen gespeist. Und das sind Autos, die zwar in der heimischen Zulassungsstatistik auftauchen, de facto aber nie bei uns waren. Zum An- und wieder Abmelden reichen die Papiere, wenn gar nicht geplant ist, das Auto hier tatsächlich zu verkaufen. Dieses kommt dann irgendwo anders als Neuwagen auf den Markt und scheint so mehrmals in der Verkaufsstatistik des Herstellers auf.

Doch diese institutionelle Form des Selbstbetrugs hat Suchtpotenzial. Wer einmal begonnen hat, seine Zahlen damit zu schönen, kann kaum mehr zurück zur nackten Wahrheit, ohne desaströse Vergleichszahlen zu produzieren. Und die tun weder den Boni noch dem Börsenkurs gut.

horst.bauer(at)kurier.at