News 05.12.2011

Sicherheit als Extra

Sicherheit als Extra
© Boroviczeny/KURIER

Warum die Verpflichtung zu ESP in jedem Neuwagen längst überfällig war.

Der erste Auftritt war beeindruckend. Auf einem zugefrorenen See in Schweden ließ Mercedes zu Beginn der 90er-Jahre erstmals Fachjournalisten ans Steuer eines dicken Luxus-Coupés, in dem ein mit Bosch entwickelter neuer Schleuderschutz verbaut war. Die im holprigen Ingenieursdeutsch "Elektronisches Stabilitäts-Programm" genannte Fahrhilfe sorgte selbsttätig dafür, dass die weiten Sturzräume auf dem kurvigen Test-Parcours unbehelligt blieben.

Den wirtschaftlichen Gesetzen der Branche folgend ging man davon aus, dass ESP in der Luxusklasse eingeführt werden und nur langsam in den Massenmarkt einfließen würde. Doch dann fiel der erste Kompaktwagen von Mercedes dem Elchtest zum Opfer und alles ging viel schneller. Stuttgart setzte auf den serienmäßigen Einsatz von ESP in der A-Klasse und die anderen Hersteller mussten mitziehen.

Heute haben laut Bosch 60 % der Neuwagen in Europa ESP an Bord. Dass 40 % keines haben, ist angesichts der erschwinglichen Verfügbarkeit der Technik verwunderlich. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass dort, wo ESP als aufzahlungspflichtiges Extra angeboten wird - also meist bei Kleinwagen - es nur zwischen 1 und 4 % der Autokäufer dazubestellen.

Es war also höchste Zeit, dass die EU im Vorjahr eine ab November 2011 verpflichtende Ausrüstung aller Neuwagen mit ESP verordnet hat. Wer angesichts dessen seine persönlichen Freiheitsrechte bedroht fühlt, sollte daran denken, dass ihm die eigenen superben Fahrkünste wenig nützen, wenn ein anderer ESP-Verweigerer auf ihn zuschleudert.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011